Zum Tod von Alexander Kluge
Hingabe an die Zufälle des Lebens

Nicht nur die Oper war für Alexander Kluge ein Kraftwerk der Gefühle. Die leitende, planende und gestaltende Vernunft erkannte er stets vom Antirealismus des Gefühls verschoben und verrückt. So wie er als Jurist, der er ja auch war, eine formale Stärke ins Spiel brachte, so ließ er als Poet ohne lyrische Ambitionen die Disziplinen des Films, des Gesprächs, der Musik, des Essays und der Erzählung durchlässig werden. Die Weltliteratur war ihm ein Gespräch über die Jahrhunderte hinweg, und er wurde nicht müde, daran teilzunehmen. Volker Breidecker erinnert an die Frankfurter Poetikvorlesung des universalen Intellektuellen und Künstlers.


Weiterlesen →
In Erinnerung an Jürgen Habermas
Warum ich bedauere, niemals mit ihm ins Gespräch gekommen zu sein

Ein Philosoph ist tot, mit dem einige Kollegen zu dessen Lebzeiten ihre Differenzen miteinander debattierten. Doch nicht immer kam es dazu. Dass Jürgen Habermas ein enorm einflussreicher und streitbarer Mensch war, ist bekannt. Dass er den dogmatischen Studenten in den späten 1968er Jahren Gesprächspartner und Widerpart war, ebenfalls. Claus Leggewie, der mit ihm gerne ein ernsthaftes Gespräch geführt hätte, aber die Gelegenheit nicht hatte, schreibt, dass es dabei um Krieg und Frieden gegangen wäre.


Weiterlesen →
Pariser Geschichten
Ernest Hemingway befreit die Rue de l'Odéon

Wenn man von einem glücklichen Zusammentreffen von persönlichen und historischen Hochzeiten sprechen kann, dann sicherlich der in der Pariser Rue de l’Odéon zwischen den beiden Weltkriegen. Zwei Buchhandlungen, Adrienne Monniers „La Maison des Amis des Livres“ und Sylvia Beachs „Shakespeare and Company“, wurden zum Zentrum der literarischen Avantgarde; die erste mit französischem Schwerpunkt, die zweite mit anglo-amerikanischem. Rainer Erd hat den Schauplatz besichtigt.


Weiterlesen →
Cem Özdemir im Ländle
Wie man zur Sensation aufbläst, was Normalität sein sollte

Der Verweis auf die eigene Herkunft ist auch immer eine Distinktionsmarkierung. Die Verortung in einer Klasse, Region, Partei, Landsmannschaft, nationalen oder sexuellen Minderheit wirkt als Argument der Selbstbehauptung. Wenn ein Politiker solche Argumente benutzt, hat er es auf eine archaische Reiz-Reaktion abgesehen, die ihm bestätigt: „Der ist ja doch einer von uns.“ Dass diese Bestätigung immer noch nötig scheint, obwohl die Realität um uns herum das Gegenteil nahelegt, hat Thomas Rothschild in seinem Kommentar aufgegriffen.


Weiterlesen →
Tom Schulz‘ Gedichtband „Salz und Erinnern“
Salz der Erde

Tom Schulz, geboren in der Oberlausitz, wuchs in der DDR auf – in Ost-Berlin. Erfahrungen von Landschaft, Politik und Alltag haben sich dort früh eingeschrieben und prägen sein Schreiben bis heute. Sein Gedichtband geht diesen Einschreibungen nach: Er verbindet individuelle Erinnerung mit deutscher Geschichte, DDR-Kindheit mit literarischem Gedächtnis, körperliche Erkrankung mit historischer Erfahrung. Erinnerung erscheint dabei als Stoff – als etwas, das sich ablagert, wirkt und bleibt. „Salz und Erinnern“ ist ein Buch, weiß Alexandru Bulucz, in dem Zeit-, Körper- und Familiengeschichte in einem gemeinsamen Material zusammenfinden: im Salz.


Weiterlesen →
Eröffnung der Wim-Wenders-Ausstellung W.I.M. Im Lauf der Zeit im DFF
Das klingende Tabernakel

Wie für alle großen Filmregisseure ist auch für Wim Wenders der Einsatz von Musik von großer Bedeutung. Die Bilder und die Dialoge drängen die Wahrnehmung der Musik zwar oft aus dem Bewusstsein. Aber die Musik erzählt, was die Darsteller nicht sagen und was nicht zu sehen ist. Sie ist Stimmungsmacher und berichtet vom Gefühlsleben der Leinwandfiguren. Eva Claudia Scholtz von der Hessischen Kulturstiftung hat in ihrem Grußwort zur Eröffnung der Wim-Wenders-Ausstellung W.I.M. Im Lauf der Zeit im DFF, Frankfurt den Wenders’schen Musikeinsatz thematisiert.


Weiterlesen →
Jean-Luc Godards „Außer Atem“
Die Gefühlsbewegung

Jean-Luc Godard war schon dreißig, als er mit „A bout de souffle“ seinen ersten Spielfilm drehte. Aber es war kein Erstling, sondern das Ergebnis von zehn Jahren Kino. Godard war mit seinen Freunden Rivette und Rohmer zunächst Betreiber eines Pariser Filmclubs – später dann auch Kritiker bei den „Cahiers du Cinema“ (gegründet 1951) – und so ziemlich am Ende, als ihm Truffaut die Story „Außer Atem“ schenkte, aus der dann ein typischer Godard-Film und sein erfolgreichster geworden ist. Heute ist „Außer Atem“ ein Kultfilm für alle, die immer noch an der Liebe zum Kino leiden. Anlässlich Richard Linklaters Films „Nouvelle Vague“ (2025) erinnert Marli Feldvoß an das Gangsterdrama.


Weiterlesen →
Die WORTSCHAU 46 ist erschienen
Die Erfindung der Hände

Das Literaturmagazin „die WORTSCHAU, das mit der Redaktion von TEXTOR.online schon länger in Verbindung steht, feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Für die März-Ausgabe, geschmückt mit Zeichnungen von Christoph Heek und Lyrik von bisher weniger bekannten Autorinnen und Autoren, haben die Herausgeber den Schriftsteller, Lyriker, Essayisten, Übersetzer und Herausgeber der „edition offenes feld“, Jürgen Brôcan, zum Hauptautor gemacht. Eines seiner Gedichte sei hier vorgestellt.


Weiterlesen →
Empfehlung: Reihe „Tugend und Sünde“ im Haus am Dom, Frankfurt
Alissa Walser: Verzicht. Magdalena und Jesus

In der Reihe „Tugend und Sünde. Sieben literarische Erkundungen“ liest Alissa Walser am kommenden Dienstag ihren Text zum Thema „Verzicht. Magdalena und Jesus“. Die Veranstaltungsreihe versammelt Geschichten von Tugend und Sünde aus Perspektive des 21. Jahrhunderts. Sieben Schriftstellerinnen und Schriftsteller erkunden in neuen literarischen Texten biblische Figuren, die sich zwischen Sünde und Tugend bewegen.


Weiterlesen →
Empfehlung: Gespräch und Lesung im Literaturhaus Darmstadt
Kurt Drawert zum siebzigsten Geburtstag

Als Schriftsteller und als Leiter der Darmstädter Textwerkstatt hat Kurt Drawert die deutschsprachige Literatur der letzten vierzig Jahre maßgeblich bereichert und geprägt. Das Literaturhaus Darmstadt widmet ihm einen Abend zum 70. Geburtstag, der von Oberbürgermeister Hanno Benz eröffnet wird, Andreas Platthaus, Literaturchef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, wird die Laudatio halten.


Weiterlesen →
Empfehlung: Ausstellung im Museum Ludwig in Köln
Yayoi Kusama

Im Jahr 2026 widmet das Museum Ludwig der legendären japanischen Künstlerin Yayoi Kusama eine große Ausstellung. Kusama (*1929, Matsumoto) zählt zu den bekanntesten Künstler:innen unserer Zeit. Ihre ikonischen Polka Dots, ihre Kürbisskulpturen und ihre verspiegelten lnfinity Rooms sind zu einer Art Markenzeichen geworden und tauchen millionenfach in den Sozialen Medien auf.


Weiterlesen →
Empfehlung: Filmvorführung, Podiumsgespräch, Stadtführung in Bad Homburg
Maries Vermächtnis

In der Bad Homburger Ottilienstraße befindet sich das „Marie-Pfungst-Heim“ als Wohnstift für bedürftige Seniorinnen. Die Geschichte der Frau hinter dieser Einrichtung erzählt der 30-minütige Dokumentarfilm von Ina Knobloch: Marie Eleonore Pfungst (1862–1943), Unternehmerin, Stifterin und Frauenrechtlerin.


Weiterlesen →

Als Service für die Leserinnen und Leser empfehlen wir eine individuelle Auswahl an bundesweiten Tipps aus Kunst, Literatur, Musik und Bühne.


Kulturtipps ansehen →
Ihre Spende zählt!

Das freie Kulturportal TEXTOR bietet Autorinnen und Autoren sowie relevanten Debatten eine Bühne. Mit Ihrer Spende helfen Sie uns, die Website auf dem neuesten technischen Stand zu halten.

KONTOVERBINDUNG:
Förderkreis Frankfurt e.V. – Kultur & Diskurs
Kulturportal TEXTOR
GLS Bank
IBAN DE57 4306 0967 6025 3827 42

Vielen Dank!
Ihre TEXTOR-Redaktion


Per PayPal spenden →

Über uns →

TEXTOR
Brückenstr. 57
60594 Frankfurt am Main
Deutschland

E-Mail: redaktion@textor.online
Web: textor.online
Facebook
Instagram


Newsletter abmelden