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Eine performative Recherche Frankfurt am Main

13 Gesänge über die verhinderte Aufklärung eines politischen Mordes. 2027: Der „Deutsche Herbst 1977“ jährt sich zum 50. Mal. 34 Morde, der RAF zugeschrieben, davon 33 unaufgeklärt. „Wenn es ein Musterbeispiel für die verhinderte Aufklärung eines terroristischen Verbrechens gibt, dann ist es der Buback-Mord.“ (Wolfgang Kraushaar)
Zeit, die Asservatenkammer erneut zu öffnen:
1977 wird Generalbundesanwalt Siegfried Buback in Karlsruhe ermordet. 2007 erfährt sein Sohn Michael Buback, dass für das Attentat die Falschen verurteilt wurden. 2010 wird das Verfahren in Stuttgart neu eröffnet, das frühere RAF-Mitglied Verena Becker wird wegen dreifachen Mordes angeklagt, dann lediglich wegen Beihilfe zum Mord verurteilt. Es bestätigt sich, dass Becker geheime Informantin des Verfassungsschutzes gewesen ist. Seit wann?
Autor Wolfgang Spielvogel hat den Prozessverlauf akribisch verfolgt und in dreizehn Gesänge gefasst. Der Text streift nicht berücksichtigte Zeugenaussagen, verschwundene Asservate, Hinweise, denen nicht nachgegangen wurde, Gedankengänge persönlich Beteiligter und Beobachtender, springt zwischen Zitat und Dialog, Vers und Unterwanderung. Positionen werden eingenommen, wieder aufgelöst.
Farce? Polit-Thriller? Homerische Gesänge? Es ist nicht zu fassen.
Die Faktenlage gibt nicht mehr her, die Wissenden schweigen oder vertuschen...
Hier setzt die Sprach-Musik-Performance an:
Das Akkordeon wird zum Motor der Befragung, sich entfaltend wie die menschliche Lunge vom ersten bis zum letzten Atemzug, links und rechts differenzierend.
„Ich kann das Akkordeon nicht von meinem Körper trennen; ich schüttle es, schlage darauf, stoße es an, reibe es, kratze daran ... Ich betrachte das Akkordeon als Klangobjekt und spiele mit seinem Rohmaterial, seinen Bestandteilen: einer Metallzunge, einem Lederfell und Atem.“ beschreibt Emilie Škrijelj ihre Arbeitsweise.
Der Atem ist das verbindende Motiv, das es auch der menschlichen Stimme ermöglicht, sich zu erheben, sich zu artikulieren, sich einem Versmaß hinzugeben, zu erklären und zu widersprechen.
Eine Musikerin und eine Sprecherin wagen sich in das Spannungsfeld zwischen alltäglicher Sprache und Epik, Gesetzestext und innerem Monolog und begeben sich auf eine performative Recherche nach dem „war es nicht so?“. Beruhigend ist das nicht.
Eine performative Recherche
von und mit Emilie Škrijelj (Akkordeon), Nicole Horny (Sprache)
sowie den Stimmen und Klängen von Ruth Fühner, Beate Jatzkowski, Sopo Kashakashwili, Cornelia Niemann, u.a.
Text: Wolfgang Spielvogel
Künstlerische Leitung: Nicole Horny
Musikalische Leitung: Oliver Augst
Begleitung: Dr. Michael Buback, Dr. Wolfgang Kraushaar
Videodokumentation, Outside Ear Sprache: Sabine Loew
Fotodokumentation: Michael Habes
Tonmitschnitt und Recording: Marcel Daemgen
Produktionsleitung: Marie Kübler
Schulstraße 1A
60594 Frankfurt
Do. 15. Januar 2026
20 Uhr
Fr. 16. Januar 2026
20 Uhr
So. 18. Januar 2026
18 Uhr
mit anschließendem Gespräch
in Anwesenheit von
Dr. Michael Buback
Dr. Wolfgang Kraushaar
und dem Autor
Wolfgang Spielvogel
Moderation: Ruth Fühner
Friedhofstraße 59
63065 Offenbach am Main
Sa. 17. Januar 2026
20 Uhr,
Erstellungsdatum: 01.01.2026