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Martin Lüdke über den Künstler JR auf den Spuren von Christo & Jeanne Claude

Der Pariser Pont Neuf wurde in ein Gebirge verwandelt

Martin Lüdke


Pont Neuf, verhüllt. Abb. Katalog Taschen Verlag, Ausschnitt

Im Lateinischen heißt Brückenbauer Pontifex. Brückenumbauer könnten dann, wenn sie ihr Werk prägnant ins Bewusstsein setzen, Kardinäle sein. Zu ihnen hat sich nun der französisch/amerikanische Künstler JR gesellt, der seinen bürgerlichen Namen ebenso verhüllt wie den Pont Neuf in Paris. Die Verhüllung ist aber nicht nur eine textile Bedeckung – wie einst bei Christo und Jean-Claude – sondern selbst Kunstwerk aus eigenem Recht. Martin Lüdke beschreibt die berühmte Brücke als Eis- und Gesteinsformation sowie als begehbare Höhle. Für ihn aber nur im Katalog.

 

Im Jahr 1985 hatte das Künstlerpaar Christo & Jeanne-Claude den Pont Neuf, die in der Höhe des Louvre über die Seine führt, vollständig verpackt. Vierzehn Tage lang zeigte sich die berühmte Brücke in dieser mit dicken Seilen verschnürten, ungewöhnlichen Gestalt. Sandfarbener Stoff, sage und schreibe 40.000 qm, und drei Millionen Besucher, die diesen ungewöhnlichen Anblick der 1607 erbauten Brücke regelrecht erleben wollten. Denn es war ein Erlebnis. Einundvierzig Jahre später ist das alte Bauwerk wieder verschwunden, zugunsten einer Installation, die NUR NOCH bis 28. Juni dieses Jahres zu sehen ist. Aber, wenn und wem es zu knapp wird, da gibt es ja das Buch: „JR La Caverne du Pont Neuf“. Interessant auch deshalb, weil es das Projekt der Pont Neuf in einen Zusammenhang von JR’s gesamtem Werk stellt und den Prozess der Entstehung minutiös dokumentiert.


Doppelseite aus dem Katalog, Taschen Verlag


Die verpackte, also verschwundene Brücke im Vordergrund. Danach, nach dem dichten grünen Geäst, das die Brücke umrahmt, und ebenso die Ufer der Seine, steht ziemlich genau in der Mitte des letzten großen Bildes, das die Dokumentation dieses Spektakels abschließt, geradezu majestätisch hochaufragend der Eiffelturm. JR‘s Installation, kaum besser ins Bild zu setzen, wirkt, ganz anders als seinerzeit Christos verpackte Brücke, nicht nur als Fremdkörper, sondern mehr noch als negative Utopie, wie gesagt, als Verweis auf die Urgeschichte der Metropole. Damit umzugehen, – das muss man vielleicht erst noch lernen.

 


Doppelseite aus dem Katalog, Taschen Verlag

Vor Ort sind es nur noch wenige Tage. Das Bild bleibt. (Und das Buch auch.)

JR
La Caverne Du Pont Neuf 
240 S., brosch.
ISBN: 9783754407288
Taschen Verlag, Köln (ab August) 2026
 
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Erstellungsdatum: 22.06.2026