MenuMENU

zurück

Bukowinisch-galizische Literaturstraße

Dichtung und Denkmäler

Christel Wollmann-Fiedler


Foto: Christel Wollmann-Fiedler

Die Bukowina, einst Heimat von Rose Ausländer und Paul Celan, gehört zu den Regionen, deren Grenzen seit dem Ende der Donaumonarchie oft gewaltsam hin und her verschoben worden sind. Das Ausmaß an Entwurzelung und Leid aber auch widerständiger Kultur haben die Künstlerin Helga von Loewenich und der Literaturwissenschaftler Petro Rychlo im Rahmen des Kulturprojekts „Bukowinisch-Galizische Literaturstraße“ erforscht. Christel Wollmann-Fiedler hat mit Helga von Loewenich über den Werdegang und die Dokumentation dieser Forschungsarbeit gesprochen.

Das Buchenland, die Bukowina klingt nach Lyrik, klingt nach schöner Landschaft. Zum Kronland der Donaumonarchie gehörte es bis 1918, wie Bessarabien, Galizien und Siebenbürgen und das Banat u.a.

Die Bukowina wurde hin- und hergeschubst, nach dem Ersten Weltkrieg wurde sie ein Teil Großrumäniens, nach dem verheerenden Zweiten Weltkrieg verschlang den nördlichen Teil die Sowjetunion. Die Südbukowina blieb den Rumänen. 1989 kam wieder eine große europäische Veränderung, Grenzen wurden geöffnet, verschoben und die Nordbukowina östlich der Karpaten wird 1990 ukrainisch mit der wichtigen und „weltberühmten“ Metropole Czernowitz. Seit fast zweieinhalb Jahren ist Krieg vor deren Tür. Fast 50.000 ukrainische Flüchtlinge sind in dieser Stadt untergebracht. Aus ihren von den Russen bombardierten Städten und Dörfern sind sie hierher in die Westukraine geflohen, um Schutz zu suchen.

Damals, in der Zwischenkriegszeit, als über 30% der Bewohner zum mosaischen Glauben gehörten, lebten die andern, die Nachbarn mit anderen Kulturen und anderem Glauben in der Stadt oder in den Dörfern zusammen. Die Welt schien noch in Ordnung zu sein. Berühmte deutschsprachige Lyriker wurden in der Bukowina und Galizien geboren oder besuchten in Czernowitz die Schule oder später die im Jahr 1875 von Kaiser Franz Joseph I. gegründete Universität in „Klein Wien“. Auch Wien an der Donau, Brünn und Prag waren Bildungsziele, der Thron des Kaisers stand in Wien bis 1918.

Wir alle kennen diese Namen, deren Lyrik, deren Prosa. Rose Ausländer und Paul Celan, Manfred Winkler und Selma Meerbaum-Eisinger, und Gregor von Rezzori, der nichtjüdische Schriftsteller, einige Namen zum Erinnern.

1942 organisierte die Deutsche Hitleradministration Deportationen zur Hölle Transnistrien. Zuvor deportierten die Sowjets wohlhabende Bürger und Juden nach Sibirien. Nach Transnistrien und andere Lager wurden die jüdischen Bewohner, auch einige dieser Dichter deportiert, einige von ihnen, z.B. Alfred Kittner oder Immanuel Weißglas, überlebten, doch die jüngste Dichterin, Selma Meerbaum-Eisinger, nicht. Sie starb an Typhus und Entkräftung im Jahr 1942. Andere retteten sich nach 1945 ins letzte Mutterland Rumänien, oder in die westliche Welt und nach Israel ins Hebräerland. Einige aber blieben in Czernowitz, schrieben in Jiddisch. Die deutsche Sprache wurde in der Sowjetzeit die Sprache des Feindes und aus unserem Weltbild verschwand peu à peu die Bukowina hinter dem Eisernen Vorhang. 1989 dann geschah das Wunder, der Eiserne Vorhang wurde langsam zusammengerollt und Osteuropa tauchte wieder auf, doch die deutsche Sprache gab es nicht mehr, auch das k. & k. Flair war verschwunden, doch die Wiener Architektur ist der Nachweis der Vergangenheit von Czernowitz und die Landschaft noch immer jenseits der Ostkarpaten wie eh und je, traumhaft. Die kyrillischen Schriftzeichen bestimmen das heutige Czernowitz und die Nordbukowina.

Helga von Loewenich/Petro Rychlo:
Bukowinisch-Galizische Literaturstraße
Dokumentation zu einem deutsch-ukrainischen Kulturprojekt
ISBN 978-617-614-389-5
„Publishing House 21“, Czernowitz 2022

Bestellen:
Literarische Buchhandlung
Der Zauberberg,
Bundesallee 133
12161 Berlin
Tel. +49 30 56739091
info@der-zauberberg.eu

Erstellungsdatum: 23.02.2025