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Meryl Streep im Gespräch mit Marli Feldvoß zu „The Devil wears Prada“

Die Frau als Vorgesetzte und Neinsagerin

Marli Feldvoß


Ausschnitt Film Poster The Devil Wears Prada 2 wikimedia commons

Je simpler die Geschlechterrollen definiert werden, desto aussichtsloser gestaltet sich die Emanzipation beider: der Frauen und der Männer. Für die künstlerische Arbeit ist das ein bekanntes Motiv, im Film, so oder so, ein Dauerthema. David Frankels „Der Teufel trägt Prada“ hatte 2006, also 20 Jahre vor dessen zweiten Teil, mit der nicht ganz einfachen Spiegelung der geschlechtlichen Machtverhältnisse viel Beachtung erfahren. Mit Meryl Streep, der Protagonistin des Films sprach damals in Venedig Marli Feldvoß.

 

Marli Feldvoß: Meryl Streep, was halten Sie von der heutigen Diktatur der Mode?

Meryl Streep: Ich selbst richte mich nicht nach der Mode. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie meine Mutter mir immer wieder das Etikett reingesteckt hat, wenn es aus dem Oberteil herausrutschte. Und heute trägt man die Markennamen außen. Es interessiert mich einfach nicht. Genauso wenig wie Football oder Brettspiele. Bridge, Schach oder Backgammon. Damit können Sie mich jagen.

Und wie stehen Sie zu Miranda? Sie haben ja den Ruf, innere Seelentiefen auszuloten, Frauen mit Herz, die „guten Frauen“ auf der Leinwand zu verkörpern. Aber so eine ist Miranda Priestly nicht. Auch keine „Inkarnation des Bösen“, wie es die New York Times ausdrückte und eine Lobeshymne auf Ihre „aristokratische, zielstrebige und überraschenderweise menschliche“ Leinwandfigur geschrieben hat. Was für eine Frau ist diese Miranda für Sie?

Ein komplizierter moderner Charakter. Ich wollte aus ihr keine Ausnahmeerscheinung, keine Karikatur oder gar ein Ungeheuer machen. Ich wollte, daß sie echt ist. Wahrhaftig. Sie ist eine Frau, wie man sie in bestimmten New Yorker Kreisen antrifft. Eine Frau mit Verantwortung, gegenüber den Aktienbesitzern, der Firma, dem Boss. Sie stellt sehr hohe Ansprüche an sich selbst, und genauso hält sie es mit ihren Mitarbeitern. Sie hat nur wenig Zeit für die angenehmen Seiten des Lebens, aber das hat sie sich so ausgesucht. Sie teilt ihren Tag in Nanosekunden ein und wertet nur die nützlichen Teilchen aus. Da ist kein Platz für etwas anderes. Das bleibt nicht ohne Folgen.

Ist Miranda das Modell einer erfolgreichen Frau?

Ich würde sagen: das Modell einer erfolgreichen Person. Denn eigentlich hat ein Mann in einer solchen Position die besseren Karten. Ich habe da so meine Erfahrungen mit den Regisseuren gemacht. Das sind ja meine Vorgesetzten. Da habe ich Frauen wie Männer erlebt. Wenn ein männlicher Regisseur etwas haben will, etwa einen Belichtungsmesser, springen die Leute und keiner denkt sich etwas dabei. Wenn aber eine Regisseurin mit genau dem gleichen Tonfall etwas verlangt oder eine klare Anweisung gibt, sagen die Leute: Was für eine Zicke, kann sie nicht „Bitte“ sagen oder wenigstens ein freundliches Gesicht machen? Ich beobachte diese Dinge sehr genau. (lacht)

Als Ihre Karriere anfing, war das ja alles anders. Das war Ende der Siebziger und in den Achtzigern, als es noch eine starke Frauenbewegung gab. Sie haben ja davon profitiert, daß man wieder richtige erwachsene Frauen auf der Leinwand sehen wollte.

Es war eine gute Zeit für Schauspielerinnen, das stimmt. Aber heute ist auch keine schlechte Zeit für meine Zunft. Eigentlich gibt es viel mehr interessante Projekte. Sie werden nur nicht von den Studios finanziert. Die Studios investieren zunehmend in der Unterhaltungsindustrie, nicht mehr im Kinogeschäft, um ernsthafte Filme zu drehen. Das haben heute die Independents übernommen. Die Studios machen Geschäfte, die ihnen weltweit 300 Millionen Dollar einbringen. Dafür holen sie sich dann Ikonen wie Tom Cruise oder andere. Das ist eine andere Baustelle. Das ist, als würde man Las Vegas mit dem Off-Broadway vergleichen.


Erstellungsdatum: 05.05.2026