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Wiederaufnahme der Theaterproduktion „Die Ilias. Jetzt erzähle ich“ in Frankfurt am Main

Im europäischen Kulturraum gilt die „Ilias“ als grundlegende Erzählung über das menschliche Miteinander und der damit verbundenen Feindseligkeiten. Die Homer zugeschriebene Schilderung des trojanischen Krieges betrachtet das Geschehen jedoch allein aus männlicher Perspektive und zelebriert die Stärke und Vorherrschaft der Männer.
Welches Ausmaß an Unterdrückung, Entrechtung und Gewalt die Frauen erleiden, wird billigend in Kauf genommen. In Zeiten, in denen die Hybris männlicher Regenten weltweit demokratische Strukturen zerstört und Errungenschaften wie Geschlechtergleichheit unterminiert, setzt die Theaterregisseurin und Autorin Barbara Englert einen Gegenpunkt. Unter dem Titel „Die Ilias – Jetzt erzähle ich“ nimmt sie das Heldenepos aus weiblicher Sicht in den Blick.

Die Inszenierung erteilt Frauen das Wort, die auf die Taten vermeintlicher Heroen schauen und von ihnen widerfahrenen Gräuel berichten. Die 24 Gesänge der „Ilias“ sind hierbei auf das Wesentliche reduziert und werden von Kalliope, der Muse der epischen Dichtung, nacherzählt. Mit Ironie und bissigen Seitenhieben versetzt, bringt Barbara Englert in ihrem Stück Ungesagtes zur Sprache und schlägt Brücken zur Gegenwart. So führen Verweise auf die Unterdrückung der Frauen im Iran und Afghanistan, den Fall der Französin Gisèle Pelicot oder den steigenden Zahlen von Femiziden, denen in Deutschland fast täglich eine Frau zum Opfer fällt vor Augen, welch unsägliches Leid die männlichen Allmachtsfantasien noch immer bewirken.

Begleitet von imposanten 3-D-Videoanimationen, eigens komponierter elektronischer Musik und einem die Stimme der Polis verkörpernden Chor bereitet der Besuch des Theaterstücks einen ebenso packenden wie kurzweiligen Abend, der überdies reichlich Stoff zum Nachdenken liefert. Nach der Premiere im vergangen Oktober wurde die Inszenierung denn auch nicht nur vom Publikum mit anhaltendem Applaus gewürdigt. „Dank des lebhaften Spiels und der präzisen, klaren Szenen gelingt es, dem weiten Bogen zu folgen“, bescheinigte die FAZ-Redakteurin Eva-Maria Magel in ihrer Kritik und sprach von einem „anekdotenreichen Parforceritt durch Mythologie, Kriegsgeschichte und Heute“.

Die angesichts gegenwärtiger Entwicklungen vollauf den Nerv der Zeit treffende Inszenierung wurde auch im Frankfurter Kulturamt geschätzt. Bei der Verleihung des alljährlichen Karfunkel – Kinder- und Jugendtheaterpreises überreichte Kulturdezernentin Ina Hartwig im Februar Barbara Englert den Karfunkel-Sonderpreis 2026. Die Opernregisseurin und Spoken Word Poetin Aileen Schneider zeigte sich in ihrer Laudation von „Die Ilias – Jetzt erzähle ich“ hellauf begeistert und bezeichnete das Stück als „authentisches Theatererlebnis, das sich an alle Generationen richtet“. „Es spielen ausschließlich Frauen, selbst männliche Figuren werden von ihnen dargestellt. In dieser Radikalität werden Sehgewohnheiten unterbrochen und damit tut sich eine spezielle geschärfte Sichtweise auf, die sich sonst in der reinen Immersion verlieren und verwässern würde.“
Siehe auch: Wir nehmen uns, was uns gehört von Ulrich Breth
jugend-kultur-kirche sankt peter
Bleichstraße 33
60313 Frankfurt am Main
Wiederaufnahme am
17.,18.,19. und 21. August 2026
jeweils 19 Uhr
Erstellungsdatum: 29.07.2026