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Fiktives Interview mit dem armenischen Dichter Tumanyan und Dana Kube

Für Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit von jungen Menschen wird in Frankfurt am Main im April ein wegweisendes Leuchtturmprojekt eröffnen. Der Name TUMO des MINT-Lernzentrums geht auf den armenischen Dichter Hovhannes Tumanyan zurück. Die Stadtverordnete und Bildungswissenschaftlerin Dana Kube beschreibt das innovative Projekt für digitale Bildung und wählt dafür die Form des fiktiven Gesprächs mit dem Namensgeber.
Szene: Ein heller Raum im NordWestZentrum in Frankfurt – noch riecht es ein wenig nach frischer Farbe. Zwischen großen Bildschirmen, Glasräumen und weichen Bean Bags nimmt der ältere Dichter und Journalist Herr Tumanyan Platz. Ihm gegenüber sitzt Frau Dr. Kube, Bildungs- und KI-Forscherin sowie Vorsitzende des Bildungsausschusses in Frankfurt.

Tumanyan: Frau Dr. Kube, ich muss gestehen: Ich bin einigermaßen erstaunt. Man sagt mir, hier entstehe ein Lernzentrum, das nach mir benannt sei – TUMO Frankfurt. Und ich frage mich: Warum ich? Und – vielleicht noch wichtiger – worum handelt es sich hier überhaupt?
Dr. Kube (lacht freundlich): Lieber Herr Tumanyan, Sie dürfen sich sehr geehrt fühlen. Das Lernzentrum ist ein internationales Lernkonzept, das vor über 15 Jahren in einer alten Bibliothek im nach Ihnen benannten Stadtpark in Armemiens Hauptstadt Jerevan gegründet wurde. Die Kinder dort nannten es einfach nur „TUMO”. Der Name wurde zur Marke. Wir holen das Erfolgskonzept nun nach Frankfurt Rhein-Main. TUMO Frankfurt ist ein innovatives MINT-Lernzentrum für Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren. Unser Ziel ist ganz klar: Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit in der Region durch digitale Bildung zu stärken. Mädchen, Jungs und alle dazwischen und ausserhalb in der jungen Altersgruppe zu ermuntern, spielerisch zu Lernen und die digitale Welt von Morgen selbstbestimmt und kreativ mit zu gestalten.
Tumanyan: Das ist eine schöne Namenswidmung. Danke, ich fühle mich geehrt. Aber erzählen Sie mir mehr. Wo genau entsteht dieses Zentrum?
Dr. Kube: Mitten im Einkaufszentrum, dem sogenannten Nordi, dem NordWestZentrum. Ein Stadtteil, in dem viele Frankfurter Kinder auf engem Raum leben und das Freizeitangebot begrenzt ist. Genau deshalb wollten wir ein offenes, kostenloses Angebot schaffen – unabhängig vom Einkommen der Eltern, unabhängig von Herkunft oder Schulnoten.
Tumanyan: Kostenlos? Das klingt ambitioniert.
Dr. Kube: Ja. Jugendliche können hier ohne Gebühren ihre digitalen und kreativen Fähigkeiten entfalten. Sie wählen selbstbestimmt aus bis zu zehn Bereichen, wie zum Beispiel Programmieren, Robotik, Spieleentwicklung, Musikproduktion, Animation, Grafikdesign, Fotografie, Filmproduktion, 3D-Modellierung oder Zeichnen. Und, ganz unter uns: Irgendwie landen am Ende doch fast alle beim Coden.
Tumanyan: Das klingt nach einem Paradies für junge, neugierige Köpfe. Wie erfahren die Jugendlichen davon?
Dr. Kube: Über Social-Media-Kanäle, über die Kinderbeauftragten in den Stadtteilen, Lehrkräfte, Freunde, die Stadtteilbibliothek oder auch die Arche. Sobald sie angemeldet sind, treten sie in einen Raum, der wirklich nur für sie gestaltet ist: ein großzügiger, futuristisch anmutender Raum, weiche, bunte Bean Bags mit Laptop-Stationen, warme Holzstufen, moderne Glas-Hubs, große Fenster, ein eigenes Musikstudio mit Instrumenten, ein Robotics-Lab. Alles – damit Lernen nicht verschult, sondern wie Entdecken wirkt.
Tumanyan: Und wie funktioniert das Lernen konkret?
Dr. Kube: Erst die Selbstlernphasen: Die Jugendlichen lernen 2-3 Mal die Woche im Zentrum in kleinen Gruppen und arbeiten eigenständig in unserer Lernsoftware TUMO World. Dort werden Grundlagen interaktiv vermittelt. Die Coaches – meist sind das Lehramtsstudierende – begleiten sie dabei, unterstützen, motivieren, helfen bei Fragen.
Dann die Workshops: Nach 12-18 Monaten, wenn die Kinder durch die Selbstlernphase ein bestimmtes Niveau in einem oder mehreren der 10 Bereichen erlangt haben, können Sie sich auf Workshops bewerben. Diese werden von Expertinnen und Experten aus den jeweiligen Fachgebieten geleitet. Das Wissen aus dem Selbstlernen wird vertieft und in Einzel- und Gruppenprojekten angewendet: Eine eigene Komposition, ein eigener Kurzfilm, ein Sensor-Roboter, ein Computer-Spiel. Es gibt keine Noten, aber die Projekt-Ergebnisse landen im digitalen Portfolio der Jugendlichen, die diese im Internet ausstellen können – interdisziplinär, praxisnah, inspirierend.
Tumanyan: Ein großes Vorhaben. Wie ist das möglich?
Dr. Kube: Es ist ein Public-Private-Partnership. Eines der ersten Kooperationen von öffentlicher und privater Hand in Sachen Bildung. Die Stadt Frankfurt mietet die 2.078 Quadratmeter große Fläche hier im NordWestZentrum. Die junge VHS betreibt das Zentrum. Gemeinsam schaffen wir mit dem TUMO-Lernzentrum ein Leuchtturmprojekt zur Förderung kreativer Kompetenzen und Bildungsgerechtigkeit, dessen Strahlkraft über die Stadtgrenzen hinausreichen wird. Bildung ist das Fundament einer funktionierenden demokratischen Gesellschaft. Auch da muss man neue Wege gehen, wenn man in Zukunft für alle Kinder Anschluss sicherstellen will.
Tumanyan: Ein Leuchtturm also. Aber wer trägt die Kosten?
Dr. Kube: Ein großer Teil wird durch Spenden finanziert. Dafür existiert seit Juli 2022 unser Förderverein TUMO Frankfurt. Er baut ein Netzwerk engagierter Unterstützerinnen und Unterstützer auf und sammelt Mittel für:
– Gehälter für etwa 60 pädagogische und administrative Mitarbeitende
– Hardware- und Software-Leasing und Support
– Franchisegebühren
– Marketing und Facility Management
Damit TUMO aber langfristig bestehen, benötigen wir weitere Fördernde. Jeder Beitrag bedeutet mehr Chancengerechtigkeit. Besuchen Sie dazu gerne die Seite des Vereins: tumoffm.de.

Tumanyan: Sie sprechen oft von Chancengleichheit.
Dr. Kube: Ja. Für mich gilt es alle Mittel, die uns zu Verfügung stehen einzusetzen, um den „digital divide” zwischen armen und reichen Schülerinnen und Schülern abzubauen, der in einer Stadt wie Frankfurt – wo jedes 5. Kind von Armut bedroht ist – für viele Kinder den Schulaltag bestimmt. Es gilt darum unsere Existenz als Gesellschaft zu sichern. Kritisches Denken und mündiges Gestalten zu ermöglichen und demokratische Teilhabe zu stärken. Ich erhoffe mir auch insbesondere junge Mädchen für MINT zu begeistern. Denn Zukunft entsteht dort, wo Zugang möglich wird.
Tumanyan: Ein Schnellboot also neben dem großen Tanker Bildungssystem? Wann legen Sie mit diesem Schnellboot denn ab?
Dr. Kube: Am 14. April 2026. Dann öffnen wir die Türen für Frankfurts Kinder. Wir sind sehr gespannt – und voller Zuversicht, dass sich dieses große Projekt lohnt.
Tumanyan (lächelt mild):
Ich muss sagen, Frau Dr. Kube: Gerade weil ich aus einem ganz anderen Jahrhundert stamme, finde ich die Ideen von TUMO faszinierend. Leider werde ich selbst nicht mehr in den großen Hallen der digitalen Entdeckungen wandeln können, freue mich aber als Namensgeber behilflich gewesen zu sein. Es klingt nach einem Ort, an dem Kinder wachsen dürfen. Ein Haus voller leiser Zukunftsmusik. Und vielleicht, Frau Dr. Kube, schreiben die Kinder, die hier lernen, eines Tages Geschichten, die wir beide lesen möchten.
Dr. Kube: Das ist die Idee.
Szene: Die Glaswände spiegeln ihr Lächeln. Draußen rauscht das Leben der Mall weiter – doch hier, inmitten des Alltäglichen, beginnt etwas, das größer ist als Einkaufstüten: ein Raum für Möglichkeiten.
Erstellungsdatum: 14.01.2026