MenuMENU

zurück

Shila Balfanz spricht mit drei Iranerinnen, die in Deutschland leben

Frausein – Beständiger als die Herkunft

Shila Balfanz


Sima Bina. Foto: Wikipedia commons

Als Tochter einer iranischen Mutter ist Shila Balfanz mit persischer Lebensart aufgewachsen, hat iranische Frauen erlebt und ihre Stärke innerhalb und außerhalb der Heimat bewusst wahrgenommen. Inzwischen ist Shila selbst Mutter und beobachtet, wie sehr sich die Spielräume für Begegnung inmitten politischer Verwerfungen und eskalierender Gewalt verändern. Im Gespräch mit drei iranischen Frauen, die seit langem in Deutschland leben, fragt sie nach der ihnen eigenen weiblichen Kraft.     

 

Drei Frauen. Drei Generationen. Drei Leben.

Wenn über den Nahen und Mittleren Osten berichtet wird, geschieht es meist durch eine einzige Linse: die politische. Was dabei verloren geht, sind die Menschen selbst – ihre Geschichten, ihre Tiefe, ihre Freude am Leben. Lange vor dem aktuellen Krieg hörte ich immer wieder Menschen sagen, sie würden nicht in den Iran reisen – wegen der Regierung, wegen der Gefahr, wegen allem, was sie aus den Nachrichten kannten. Ich versuchte ihnen zu erklären: Die Regierung ist das eine. Die Menschen, denen man als Reisender begegnet, sind das andere. Menschen, die einem die Tür sperrangelweit öffnen, obwohl sie einen nicht kennen.

Seit dem 13. Juni 2025, als Israel mit der sogenannten Operation „Rising Lion“ iranische Atomanlagen und Militäreinrichtungen angriff und der Zwölf-Tage-Krieg begann, ist der Iran noch stärker in den Fokus einer politischen Berichterstattung gerückt, die das Land fast ausschließlich als Schauplatz von Konflikten zeigt. Dieser Artikel versucht etwas Anderes. Er rückt drei Frauen in den Vordergrund – nicht als politische Symbole, sondern als Menschen.

Drei Frauen. Drei Generationen. Drei Leben. Was sie verbindet, lässt sich nicht in einer Kategorie fassen. Es ist etwas Älteres als Politik, etwas Beständigeres als Herkunft: das Frausein selbst – als Haltung, als Mut, als stille und manchmal laute Weigerung, sich verbiegen zu lassen.

Ich bin ihnen begegnet.

 

Grande Dame der iranischen Volksmusik

Sima Bina wurde 1945 in Khorasan geboren und lebt heute in Köln. Sie  wurde von Meistern der traditionellen iranischen Musik wie Ahmad Bina, Maaroufi und Zarrin Panjeh ausgebildet und begann ihre Karriere am iranischen Radio. Sie bereiste den Iran und sammelte lokale Lieder und Melodien, die sie künstlerisch bearbeitete und seit den 1990er Jahren auch auf internationalen Bühnen aufführt. Besonders bekannt ist ihre umfangreiche Forschungsarbeit zu den Wiegenliedern iranischer Mütter, die unter dem Titel  "Flowers of the Desert" auf Farsi und in Englisch erschienen ist.

Mohanna Hosseini wurde 1990 im Iran geboren. Sie studierte Chemie- und Verfahrenstechnik — ihren Bachelor absolvierte sie im Iran, ihren Master an der Universität Bologna in Italien. Anschließend kam sie nach Deutschland, wo sie sowohl ihren Doktortitel als auch ihr Postdoktorat am Karlsruher Institut für Technologie erwarb. Sie lebt und forscht in Deutschland.

Mahvash Bakhtiari wurde im Iran geboren und wuchs als Zoroastrierin auf. Sie studierte Elektrotechnik und Technische Informatik in Deutschland, wo sie bis heute lebt. Eine Frau, die Widerstände nie als Endpunkt betrachtete — sondern als Ausgangspunkt.

Erstellungsdatum: 18.06.2026