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„Hinter die Kulissen“ der Städtischen Bühnen Frankfurt am Main

Zum Gelingen einer Theaterinszenierung müssen unzählige Rädchen ineinandergreifen. Um die Wünsche von Regie, Dramaturgie, Bühnenbild und Kostüm zu realisieren, unterhalten die Städtischen Bühnen Frankfurt einen riesigen Apparat mit mehr als eintausend Beschäftigten. Als Bindeglieder zwischen den künstlerischen und den handwerklich-technischen Teams sind am Schauspiel vier Inspizienten zugange. Einer von ihnen ist Robert von Marck den es reizt, in misslichen Situationen die Nerven zu bewahren um den reibungslosen Ablauf einer Aufführung zu sichern. Doris Stickler hat mit ihm gesprochen und sich verborgene Welten zeigen lassen.
Würden nach einer Theateraufführung alle Mitwirkenden zum Applaus vor das Publikum treten, wäre selbst Deutschlands größte Sprechbühne zu klein. Hinter den Kulissen des Frankfurter Schauspielhauses tragen unzählige Menschen zum Gelingen einer Vorstellung bei. Wie viele Rädchen hierfür ineinandergreifen müssen, ist selbst Theaterfans oft unbekannt. Um das vielschichtige Geschehen auf und hinter der Bühne in Einklang zu bringen, braucht es eine Vermittlungsinstanz. Am Schauspiel Frankfurt meistern vier Inspizienten diese Herausforderung. Einer von ihnen ist Robert von Marck, der sein Wirken mit lapidaren Worten umreißt: „Bei mir laufen alle Fäden zusammen, und geht alles glatt, weiß niemand, dass es mich gibt.“ Wenn er aufzählt, wohin diese Fäden führen, kommt ein gewaltiger Strang zusammen.
Damit sich die Wünsche von Regie, Dramaturgie, Bühnenbild und Kostüm realisieren, ist ein intensiver Austausch mit etlichen Bereichen vonnöten. Robert von Marck hält Kontakt zur Bühnentechnik, die für den Dekorationsaufbau sowie die Umbauten für Einsätze von Drehbühne oder Zwischenboden während der Vorstellung zuständig ist; zu den Abteilungen Ton, Video und Requisite; zu den Dekorationswerkstätten, die die gewünschten Bühnenszenarien konstruieren; zur Maske, die schminkt und frisiert, für plastische Veränderungen von Gesichts- und Körperpartien oder Spezialeffekte wie etwa blutende Wunden sorgt; zur Kostümabteilung, die alle benötigten Kleidungsstücke, Schuhe und Accessoires bis hin zu Waffen fertigt. Die stellt eigens ein Rüstmeister her, der Schauspieler:innen und Requisite auch in der Handhabung unterweist. Hinzu kommen Ankleider:innen, die im Vorfeld und beim Kostümwechsel während einer Aufführung beim Umziehen Hand anlegen.
Als „Bindeglied zwischen den künstlerischen und den handwerklich-technischen Teams“ ist Robert von Marck natürlich bei den finalen Proben sowie allen Aufführungen vor Ort. Sind bei Letzteren die obligaten Vorläufe wie etwa Soundchecks beendet, drückt er den Klingelknopf zum Einlass des Publikums. Bis zum Schlussapplaus überwacht er dann auf der Seitenbühne am Bildschirm des Inspizientenpults das Geschehen. Seiner inzwischen zehnjährigen Erfahrung nach kann stets etwas Unvorhergesehenes passieren. „Als mal ein Stahlseil des Zwischenbodens aus der Führung gesprungen ist, musste die Vorstellung sogar unterbrochen werden. Ich bin dann auf die Bühne, um das Publikum zu informieren. Die Leute haben zum Glück sehr wohlwollend reagiert, der Schaden wurde live repariert und danach weitergespielt.“
Derart einschneidende Vorfälle geschehen zur Freude von Robert von Marck eher selten. „Relativ häufig läuft dagegen etwas schief, das aber niemand mitbekommt, weil es, ohne den Spielbetrieb zu stören, behoben werden kann. Ich habe eine Sprechanlage und fordere dann aus der zuständigen Abteilung jemanden an.“ In misslichen Situationen die Nerven bewahren, um den reibungslosen Ablauf einer Aufführung zu sichern, dürfte nicht jedem liegen. Den 38-jährigen Inspizienten reizt gerade das am Theaterbetrieb. „Alles ist live, und immer kann etwas passieren. Mir wurde der Job angeboten, weil ich stressresistent und kooperationsfähig bin und Ruhe bewahre. Ich mag es, wenn es anstrengend wird und man an seine Grenzen stößt. Außerdem arbeite ich gerne mit anderen zusammen.“

Von Haus aus Schauspieler hat Robert von Marck schon während seines Engagements in Eisleben an der Landesbühne Sachsen-Anhalt nebenher bei der Regie assistiert und inspiziert.
In den Kammerspielen am Schauspiel Frankfurt ist er ausschließlich als Inspizient zugange und schätzt die hiesigen Bedingungen in hohem Maße. Für die Produktion eines Stückes brauche es einen umfassenden Apparat und in Frankfurt sei alles im Haus. „Wir haben eine Schlosserei, eine Schreinerei, Kostümwerkstätten, Schuhmacherei, Stuckateure, Theatermaler, Maskenbildner und wie etwa die Färberei oder den Rüstmeister noch einige spezielle Bereiche. Die Oper mitgerechnet sind hier mehr als 1100 Menschen beschäftigt, wird in elf unterschiedlichen Berufen ausgebildet.“
Das komplexe und ausgeklügelte System hinter den Kulissen kennt Robert von Marck bis ins kleinste Detail. Ihn wundert es daher wenig, dass „die Vorlaufzeit und Planung eines Stückes gut ein bis zwei Jahre“ dauern kann. Allein für das Bühnenbild werden im Großen Haus rund 2.500, in der Oper sogar zwischen 4.000 und 6.000 Arbeitsstunden angesetzt. In der Schneiderei entstehen pro Spielzeit im Schnitt 1.000 Kostüme. Eine Menge, die bei weitem die Lagerkapazitäten im Hause sprengt. Die Kleidungsstücke von abgespielten oder erst in der nächsten Spielzeit wieder im Programm stehenden Produktionen werden daher in einem Fundus am Osthafen deponiert. Das Gleiche gilt für Requisiten.
„Für eine Premiere ist sehr viel Arbeit von sehr vielen Menschen nötig“, bringt Robert von Marck die Anforderung auf den Punkt, unzählige Facetten aufeinander abzustimmen. Die Aufführungen sind natürlich ebenfalls mit Requisiten.Arbeit verknüpft – wenngleich in geringerem Maße. Für jene hinter der Bühne ist sie freilich nicht mit der Vorstellung zu Ende. Alles muss schließlich wieder abgebaut, aufgeräumt, Kostüme gewaschen und Utensilien gereinigt werden. Den extrem verzweigten Kosmos Städtische Bühnen zu überblicken bereitet Robert von Marck keine Probleme. Der verschachtelte, weil aus mehreren Häusern bestehende Gebäudekomplex dagegen schon. „Ich bin seit einem Jahrzehnt im Haus und kenne noch immer nicht alle Wege“, gesteht er mit einem verschmitzten Grinsen.

Öffentliche Führungen
Die öffentlichen Führungen „Hinter die Kulissen“ vermitteln allerlei Wissenswertes über die Städtischen Bühnen, die Geschichte des Hauses, seine Architektur und die technischen Gegebenheiten. Überdies werden Einblicke in die verschiedenen Spielstätten, Werkstätten und die Bühnenbereiche geboten.
Die Führungen werden zwei- bis dreimal im Monat angeboten. Der für die Oper nur online buchbare Vorverkauf beginnt jeweils am siebten Kalendertag des Vormonats. Für das Schauspiel können die Karten jeweils ab dem zehnten Kalendertag des Vormonats auch an den Vorverkaufskassen erworben werden. Die Termine sind im Monatsspielplan angeführt.
Erstellungsdatum: 27.12.2025