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Petra Bonavitas und Dieter Maiers „Erica Ludolph“

Im Gebiet äußerster Hingabe und Gefahr

Peter Kern


Erica Ludolph im Internat in Königsfeld, 1938. Foto © Sammlung Petra Bonavita

Erica Ludolph lebte ihren Glauben. Und das bedeutete für sie, äußerste Hingabe, Furchtlosigkeit in äußerster Gefahr, aber auch Angst und Mitleiden. Wegen Kontakt zu verfolgten Juden zum Verhör durch die Gestapo bestellt, wurde sie nach ihrer Freilassung als Fluchthelferin tätig, half, wo sie konnte, bis an ihr Lebensende. Petra Bonavita und  Dieter Maier haben ein Buch über Ludolphs Leben geschrieben, und Peter Kern hat es gelesen.

 

Seit vielen Jahren erzählt Petra Bonavita die Geschichte geretteter Juden und ihrer Helfer. Eine verdienstvolle publizistische Arbeit, sollte man meinen. Der Verdienst der Autorin ist aber sehr gering, sei es der materielle, welcher gegen null tendiert, sei es der immaterielle, wie er sich in der Währung öffentlicher Wahrnehmung ausdrückt. Die großen Tageszeitungen berichten nicht, die großen Verlagshäuser verlegen nicht.

Ist es deshalb, weil eine gelernte Soziologin sich als Historikerin versucht und an fachfremdem Stoff herumdoktert? Fehlt ihrem Namen der Bedeutungshof der Prominenz? Hat Spielberg mit seinem Film das Thema längst abgegrast? Eine Erklärung scheint plausibler: Die von der Autorin entdeckten Retter, fast allesamt Kirchenleute, machen nichts her. So wenig wie die Geretteten, denen ihre Hilfe galt. Und man täusche sich nicht: Seit der jüdische Staat die Hamas bis in ihre Basen verfolgt und die Propaganda will, dass sich Gaza auf Genozid reimt, kann man der deutschen Öffentlichkeit mit Nazis und Juden und Widerstand gar nicht mehr kommen. Antisemitismus ist im naiven Volksboden in großen Beständen vorhanden; das Element gehört nicht zu den Seltenen Erden. Wer’s bezweifelt, sollte sich mal die Leipziger Autoritarismus-Studien der letzten zwanzig Jahre anschauen.

Petra Bonavita und ihr Ko-Autor Dieter Maier stellen eine Frankfurterin vor, die dem Faschismus mit Gründen widerstand, die der heutigen Antifa wohl lächerlich vorkommen würden, denn ihr Handeln war religiös motiviert. Die Juden galten ihr in der Sprache der Kirche als die „älteren Brüder.“ Es war die Mutter ihrer besten Freundin, die sie vor dem Tod im KZ bewahrte. Ihre Tat war also ganz unpolitisch. Zudem entstammte sie dem Frankfurter Bürgertum.

Petra Bonavita / Dieter Maier
Erica Ludolph: Judenretterin und Widerstandskämpferin
200 S., brosch.
ISBN: 978-3896570185
Schmetterling Verlag, Stuttgart 2026
 
 
 
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Erstellungsdatum: 20.02.2026