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Michail Bulgakows „Der Meister und Margarita“ in Frankfurt

In Moskau ist der Teufel los

Martin Lüdke


„Der Meister und Margarita“ nach Michail Bulgakow / Regie: Timofej Kuljabin / Wolfgang Vogler, Stefan Graf, Isaak Dentler, Manja Kuhl Foto: Arno Declair

Es geht um den Satan und um das christliche Menschenbild im stalinistischen Terror. Michail Bulgakow hat mit seinem beziehungsreichen Buch „Der Meister und Margarita“ einen zeitlosen Zeitroman verfasst, der gerade mal wieder an Aktualität gewinnt. Der Aspekt der Repression, „die sich zur neuen Normalität erklärt“, hat dem Stoff sicher auf die Bühne geholfen. Martin Lüdke hat sich das Stück angesehen.

 

Vor gut hundert Jahren begann Michail Bulgakow mit der Arbeit an seinem Jahrhundertwerk. Das erste Manuskript verbrannte er bereits 1930, sechs Jahre später war er mit der nächsten Fassung, aber immer noch nicht mit dem Buch fertig. Vier weitere Versionen folgten, richtig fertig wurde bis zu seinem Tod, 1940, immer noch nicht. Erst in den sechziger erschien, immerhin in einer Auflage von 150.000 Exemplaren der Roman in einer literarischen Zeitschrift. Und dann folgte – der Welterfolg. „Der Meister und Margarita“ zählt zu den großen Romanen des letzten Jahrhunderts. Und jetzt hat der russische Regisseur Timofej Kuljabin eine Theaterfassung auf die Bühne gebracht. Diese Frankfurter Fassung beschränkt sich auf einen einzigen Strang des Geschehens.

Ernst Bloch hat einmal etwas lakonisch bemerkt, dass sich Schillers „Wilhelm Tell“ in dem einen Satz zusammenfassen lässt: Mann schießt auf Äpfel. Weit weniger ironisch lässt sich die vom Regisseur Kuljabin hergestellte Fassung von Bulgakows Stoff auf den Satz bringen: In Moskau war der Teufel los.


„Der Meister und Margarita“ nach Michail Bulgakow / Regie: Timofej Kuljabin / Christina Geiße, Manja Kuhl, Rokhi Müller Foto: Arno Declair

 

Bezdomnij, der arme Dichter, Augenzeuge, verliert darüber fast seinen Verstand und landet deshalb in einer psychiatrischen Klinik, wo er, im Nachbarzimmer, einen Kollegen, den „Meister“ kennenlernen wird, der nun wiederum mit seinem Romanprojekt über Pontius Pilatus in Schwierigkeiten bei den sowjetischen Behörden gekommen ist und deshalb in die Psychiatrie bugsiert wurde. Für eine derart komplizierte Handlung hat unser (leider so früh gestorbene) Nachbar Robert Gernhardt den hübschen Spruch geprägt: „Mein Gott, ist das beziehungsreich, ich glaub, ich übergeb mich gleich.“

Um diesem Problem aus dem Weg zu gehen, hat Timofej Koljabin in Zusammenarbeit mit Olga Fedyanina wiederum das Pferd von hinten aufgezäumt. Der gesamte Stoff, den sie präsentieren, ist in sechsundzwanzig Verhöre gepackt. Befragungen der Augenzeugen durch Manja Kuhl, Wolfgang Vogler und Stefan Graf, die zuweilen, angesichts der völlig abstrusen Geschichten, die sie zu hören bekommen, ziemlich aus der Fassung geraten. Einmal heißt es zum Beispiel: dann sei die Frau, übrigens splitterfasernackt, indem sie „mir noch ein Hemdchen über den Kopf war“ auf ihrem Besenstiel durch das offene Fenster geflogen. Zwischen den Ermittlern und den Zeugen kommt es daher fortwährend zu Spannungen. Und trotzdem wird durch diese Bearbeitung der brisante Stoff verharmlost. Der Unterschied zwischen einem Geschehen und dem Bericht darüber lässt sich schwer überbrücken.

Szenenfoto:  Arno Declair

 

Michail Bulgakow 
Der Meister und Margarita

Regie: Timofej Kuljabin
Bühne: Oleg Golovko
Kostüme: Vlada Pomirkovanaya
Musik: Timofey Pastukhov
Dramaturgie: Olga Fedyanina, Alexander Leiffheidt 
 
 
Weitere Vorstellungen:
26.03., 05.03., 06.03., 09.03., 13.03. und 29.03. 2026 sind ausverkauft, evtl. Restkarten an der Abendkasse
Für den 30.03. 2026 gibt es noch Restkarten
Für den 17.04. und 29.04 2026 beginnt der Vorverkauf am 10. März 2026

 

Schauspiel Frankfurt

Erstellungsdatum: 25.02.2026