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Die Schirn Kunsthalle Frankfurt präsentiert die erste Retrospektive der Künstlerin Leonore Fini

Leonor Fini (1907–1996) war als Künstlerin wie auch als Privatperson eine Rebellin. Die Schirn Kunsthalle Frankfurt präsentiert die erste Retrospektive der Künstlerin in Deutschland. Rund 100 Werke, darunter Gemälde, Zeichnungen, Fotografien, Kostüme, Masken und Bücher geben einen umfassenden Einblick in ihr faszinierendes Œuvre.
Geboren in Buenos Aires und aufgewachsen in Triest, blieb die Autodidaktin trotz ihrer Nähe zum Surrealismus zeitlebens künstlerisch unabhängig. Beeinflusst von Renaissance, Symbolismus, deutscher Romantik und magischem Surrealismus entwickelte Fini eine unverwechselbare Bildsprache zwischen Traum, Mythos, Fantasie und theaterhaften Inszenierungen. In ihrem charakteristischen, altmeisterlichen Stil schuf sie traumartige Szenen mit Priesterinnen, Sphinxen und hybriden Wesen, die klassische Geschlechterrollen umkehren. Es entstanden kraftvolle Darstellungen von Frauen und androgynen Figuren, häufig als Neuinterpretationen historischer Vorbilder. Emanzipation, Genderfluidität, Eros, Okkultismus, Tod und Verwandlung durchziehen ihr Werk ebenso wie der spielerische Umgang mit Masken, Kostümen und Rollenbildern. Die Auseinandersetzung mit ihrer Position als Frau und Künstlerin ist ein zentrales Thema ihres Werks. Von Beginn an inszenierte sich Fini selbstbewusst als freigeistige, glamouröse Ikone und verwischte bewusst die Grenzen zwischen künstlerischer Schöpfung und gelebter Existenz. Die Ausstellung zeichnet mit Werken aus rund sieben Jahrzehnten ihre außergewöhnliche künstlerische Entwicklung nach.

SEBASTIAN BADEN, DIREKTOR DER SCHIRN: „Bereits 2020, in unserer Ausstellung ‚Fantastische Frauen‘ über die Künstlerinnen des Surrealismus, konnten die Besucher*innen Leonor Fini kennenlernen. Mit ihrer vielschichtigen und zutiefst originellen Handschrift hat sie die europäische Kunstgeschichte nachhaltig geprägt. Seitdem haben wir das Anliegen verfolgt, Finis einmaliges Schaffen umfassender vorzustellen. Und ich freue mich sehr, dass es gelungen ist, mit dieser Retrospektive eine der bislang ambitioniertesten und umfassendsten Würdigungen auf internationaler Ebene zu realisieren. Durch intensive Recherche ist es gelungen, in der Retrospektive hochkarätige Werke aller Phasen aus nationalen und internationalen Privatsammlungen sowie Museen zu versammeln, die nur äußerst selten zusammen an einem Ort präsentiert werden können.“

INGRID PFEIFFER, KURATORIN DER AUSSTELLUNG: „Leonor Fini entwickelte ein vielfältiges und eigenständiges künstlerisches ‚Universum‘, in dem selbstbestimmte, machtvolle Frauenfiguren im Mittelpunkt stehen. In symbolisch-mythologischer oder fantastischer Weise verkörpern sie Finis eigene Weltsicht. Die kontinuierliche Befragung und Verwandlung ihrer Rolle als Frau und Künstlerin, Finis Rebellion und Unabhängigkeit, ihr virtuoser Malstil, ihre moderne Adaption klassischer Mythen und ihre Selbstinszenierung als Modeikone erscheinen erstaunlich aktuell. Finis Bildwelten sind ohne den surrealistischen Kontext kaum denkbar, eine eindeutige Zuordnung zur Bewegung lehnte sie jedoch vehement ab. Trotz dieser Gegenposition war Leonor Fini eine der Protagonist*innen der bedeutendsten surrealistischen Ausstellungen ihrer Zeit und bleibt es bis heute.“
Erstellungsdatum: 16.09.2026