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Maria Lassnig und Edvard Munch in der Hamburger Kunsthalle

In einer großen Doppelschau führt die Hamburger Kunsthalle erstmalig Werke der österreichischen Künstlerin Maria Lassnig (1919–2014) und des norwegischen Malers Edvard Munch (1863–1944) zusammen. Obwohl die beiden ein halbes Jahrhundert trennt, gibt es erstaunliche Parallelen, die Munchs Einfluss auf das Schaffen von Lassnig nachvollziehbar machen.
Auf zwei Geschossen in der Galerie der Gegen- wart werden Gemälde, Arbeiten auf Papier, eine Skulptur, Filme und Fotografien präsentiert. Zu den knapp 200 Exponaten der umfangreichen Schau zählen berühm- te Arbeiten wie Madonna (1893–1895) von Edvard Munch und weniger bekannte wie Traditionskette (1983) von Maria Lassnig, ein Schlüsselwerk der Schau.
Die Exponate bieten einen Einblick in die jeweilige Biografie ihrer Erschaffer*innen und zeichnen ein vielschichtiges Porträt ihrer Entstehungszeit. Beiden gemeinsam ist nicht nur ihr einzigartiger Umgang mit Farbe als Gestaltungs- und Ausdrucks- element, auch in ihrer lebendigen Pinselführung und in ihren freien Experimenten der Maltechnik finden sich verblüffende Parallelen. Zugleich sind es auch oftmals unbeachtete Empfindungen und ihre besonderen Wahrnehmungsweisen, die künstlerisch reflektiert zu neuen Bilderfindungen führen. Innere und äußere Wel- ten erzeugen auf diese Weise eine unmittelbare emotionale Spannung, der man sich kaum entziehen kann. Während bei Munch die großen Emotionen – Trauer, Verzweiflung, Angst, Zorn, Freude – im Mittelpunkt stehen, widmet sich Lassnig insbesondere körperlichen Empfindungen. Der Untertitel der Ausstellung Malfluss = Lebensfluss ist dem Titel eines Kunstwerks von Lassnig entnommen und drückt eine untrennbare Verflechtung von Kunst und Leben aus.

Die Ausstellung ist in 13 Kapitel plus Prolog und Epilog eingeteilt und bietet einen Rundgang, der sich von den frühen Selbstporträts über die Doppelporträts, Geschlechterbeziehungen und anderes immer weiter ausdehnt, bis er in die Dimension des Weltalls hineinführt. Exemplarische Themen wie Frauenbilder, die Beziehung von Mensch und Tier, Resonanzraum Natur, das Innere Sehen, Hände, Krankheit & Tod oder auch Lebenszyklus sind einzelne Stationen auf diesem cho- reografischen Gang durch die Ausstellung.
Die Ausstellung der Hamburger Kunsthalle entsteht in Kooperation mit dem Kunst- haus Zürich – beide Häuser besitzen zusammen den größten Munch-Bestand außerhalb Oslos – sowie in Zusammenarbeit mit der Maria Lassnig Stiftung in Wien und dem Munchmuseet in Oslo. Die aus diesen Institutionen erstmalig zusammengeführten Werke werden um Leihgaben weiterer internationaler Museen und Privatsammlungen ergänzt.

Das vielseitige Begleitprogramm zur Ausstellung bietet Audiotouren in der App der Hamburger Kunsthalle für Erwachsene in deutscher, englischer sowie in Leichter Sprache (deutsch) an, gesprochen von Lina Beckmann und Mirko Kreibich (beide Deutsches Schauspielhaus Hamburg). Eine speziell erar- beitete Szenische Lesung in Kooperation mit dem Deutschen Schauspielhaus Hamburg findet sowohl am 11. als auch am 25. Juni 2026 statt. Das Metropolis Kino zeigt in Kooperation mit der Hamburger Kunst- halle ein Filmprogramm begleitend zur Ausstellung. Vorträge und die Diskussionsrunde Life Talk in Kooperation mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und der Norwegischen Botschaft Berlin erwei- tern die Perspektiven und vertiefen unterschiedliche Aspekte der Ausstellung. Neben den öffentlichen Führungen zur Schau werden regelmäßig Tandemführungen mit dem Fokus auf Körperbewusstseinsbil- dung unter dem Titel Der Körper in der Kunst von Maria Lassnig und Edvard Munch angeboten, die mit einer Mischung aus kunsthistorischen Impulsen und einfachen Übungen aus der Körperarbeit ein vertiefendes Führungserlebnis schaffen. Am 16. April findet zudem das erfolgreiche Veranstaltungsformat Salon statt, das mit spannenden Gästen gesellschaftsrelevante Themen in Lesungen, Performances, Diskussionen und Konzerten aufgreift und sich in dieser Ausgabe unter anderem den Körperbildern von Lassnig und Munch widmet.

Begleitend erscheint ein umfangreicher Katalog (DISTANZ Verlag, 304 Seiten, 204 Abbildungen, in einer deutschen- und einer englischen Ausgabe), der neben Beiträgen der Kurator*innen und weiterer Autor*in- nen auch ein Interview mit der amerikanischen Schriftstellerin Siri Hustvedt und für diesen Anlass extra verfasste Texte der Künstler*innen Andreas Eriksson, Sheela Gowda, Ulrike Ottinger, Ashely Hans Scheirl und Luc Tuymans enthält. Er ist im Museumshop zum Preis von 38 Euro sowie im Buchhandel (48 Euro) und über www.freunde-der-kunsthalle.de erhältlich.
Maria Lassnig und Edvard Munch. Malfluss = Lebensfluss wandert von Hamburg aus in leicht veränderter Form an das Kunsthaus Zürich (2. Oktober 2026 bis 21. Februar 2027).
Kuratorisches Team: Dr. Brigitte Kölle (Hamburger Kunsthalle), Prof. Dr. Hans Dieter Huber (Gastkurator) und Dr. Sandra Gianfreda (Kunsthaus Zürich) | Assistenzkuratorin: Dr. Johanna Hornauer
Eine Ausstellung der Hamburger Kunsthalle und des Kunsthaus Zürich.
Erstellungsdatum: 11.05.2026