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Gedichte von Michael Krüger

Neue Gedichte

Michael Krüger


 

 

Das schöne Geschwätz des Regens,
der durch meine stille Strasse schleicht.
Vertrauen, Verlässlichkeit und Zuversicht,
sogar von Demut war häufig die zitternde Rede,
aber das ist nur ein Teil der Wahrheit,
die sich jetzt auflöst.
Gotteskrank war einst ein gebräuchliches Wort,
das heisst nun: bewaffneter Kampf.
Die Augenspur, die ich legen wollte,
um die Einfalt einzukreisen, sie hört nun auf,
wo die Kastanien ihre Kerzen zünden.
Dahinter Regen. Vom Balkon aus kann ich sehen,
wie der Postmann sich an die Hauswand drückt,
die Briefe hat er längst aufgegeben.

 

 



31. Mai 2025

Das Geschrei der Krähen. Über was? Manchmal von weither,
dann wieder sehr nah. Man muss Gott daran teilhaben lassen,
sonst geht es nicht gut aus. Aber er soll nicht zu Wort kommen,
sich nicht einmischen mit seinem allzulangen Schatten.
Nachts hat es geregnet, jetzt geben die Blumen sich Mühe,
ein wenig weise auszusehen. Und die Wolken? Sie ahnen,
dass sie nicht hierher gehören in diesen gnadenlosen Mai.
Die Bienen, gewiss, ich will sie nichts vergessen, sie sammeln
treu den Honig der Unberechenbarkeit, ach, und die Falter
vermehren den Vorrat an Trauer. An diesem schönen Morgen,
kann man sich mühelos ein langes Zitat erfinden
aus einem Text, der noch nicht geschrieben steht bisher.

 



7. Mai 2025

Windstille. Und dennoch bewegen sich die Wolken
so schnell, als hätten sie ein Ziel. Am Mittag war nichts
mehr von ihnen übrig ausser einen dünnen Schleifspur.
Die lapidaren Couplets der Taube, in Jahren der Wiederholung
zersungen, und die Amsel geht herum wie ein betrogenes Kind
auf der Suche nach einem goldenen Käfig.
Man sieht den Wind, wie er die Wiese neu ordnet, der Löwenzahn
jetzt ohne Schirme, nackt. Gestern der Zapfenstreich.
Heute müssen die winzigen Tiere die kleinen Schmerzen
addieren, bis ein richtig großer entsteht, ein Schmerz,
der sich sehen lassen kann im Kreise vollkommener Schmerzen.

 

 

 

Erstellungsdatum: 23.07.2026