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Gedicht von Felix Philipp Ingold

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Felix Philipp Ingold


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Was bringt die Antwort? ‒ Wo es keine Frage

gibt! ‒ Treibt ein Stein

auf der Aare ist das ja wohl Frage

genug. ‒ Oder auch bloss

eine Form des Vergessens. – Also nimm

deine Augen und geh. Geh

wohin die Rache will. ‒ Aber über

die Erinnerung kommt keine

Rache hinaus. ‒ Aus gutem Grund

haben die Augen ein Gesicht.

Auch wenn's nur deins ist oder das

des Freiers von gestern

der heute so unbequem liegt und

um seinen Namen ringt.

 

 

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Ja! die Antwort. Nein? die Antwort ist

das Pech der Frage. Rage noch so eigenmächtig

der Begriff oder – weit über ihn hinaus ‒

der Name. Aufmerksame Gaffer sind um vieles

rarer als die dreisten Rechthaber und

Ratgeber von nebenan. Eben angekommen

reisst sich der ehrlich engagierte

Fragesteller zusammen um nicht schon wieder

der Voreilige zu sein. Die Dinge (die

echt fraglichen Dinge jedenfalls) lassen sich

allzu leicht überstürzen und eine Kunst

sind sie auch nicht. Wer kein Schweigen kann

der braucht umso dringlicher das kalte

Augenlicht und den schmutzigen Daumen rechts.

 

 

 

 

 

aus dem Band Märzember (Sprüche und Gedichte), Wien/Wuppertal 2024

 

 

Erstellungsdatum: 27.03.2025