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Buchpräsentation mit Ruth Zylberman und Ela zum Winkel in Frankfurt/M

Rue Saint-Maur 209


Rue Saint-Maur209 Innenhof

Ein Pariser Wohnhaus und seine Geschichten. „Was ist hinter der Tapete“, fragte Georges Perec in seinem Buch über das Infra-Gewöhnliche. Die gleiche Frage stellte sich auch Ruth Zylberman, als sie in ihrem vielfach prämierten Dokumentarfilm Les enfants du 209 rue Saint-Maur, Paris Xe (2018) den Mikrokosmos eines Pariser Mietshauses unter der deutschen Besatzung rekonstruierte.

 

Zwei Jahre später setzte sie ihre Spurensuche in dem Buch 209 rue Saint-Maur, Paris Xe. Autobiographie d’un immeuble fort. In Frankfurt spricht sie mit der Übersetzerin Ela zum Winkel im Rahmen einer zweisprachigen Lesung und Diskussion über das Buch, das 2025 auch auf Deutsch erschienen ist. 


Rue Saint-Maur209 Tafel

 

Ruth Zylberman war auf der Suche nach einem Haus, das sie Schicht um Schicht und von oben bis unten erkunden würde – es war der Zufall, der sie bei einem ihrer Streifzüge durch die Stadt in die Rue Saint-Maur vor das Haus mit der Nummer 209 führte. Später erfuhr sie, dass vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges rund dreihundert Menschen dort lebten, oft Einwanderer aus Ost- und Südeuropa, etwa einhundert von ihnen Juden, von denen viele aus Rumänien, Polen und aus Deutschland nach Frankreich geflohen waren. 52 der jüdischen Bewohner wurden zwischen 1941 und 1944 deportiert, unter ihnen neun Kinder. Mit den Namen dieser neun Kinder begann eine lange Suche: Mit detektivischer Akribie studierte Ruth Zylberman Volkszählungen, wälzte Telefonbücher, durchforstete Zeitungen und Archive, traf über Jahre frühere wie gegenwärtige Hausbewohner, fand Überlebende in Tel Aviv, New York, Melbourne und an verschiedenen Orten Frankreichs. Sie bilden den Kern dieser außergewöhnlichen Erzählung, die von 1850 über die Pariser Kommune, den Ersten und Zweiten Weltkrieg bis zu den Attentaten 2015 reicht. Ruth Zylberman ist der Ausdruck der „Erinnerungsarbeit“ verhasst – eher glaubt sie an eine unsichtbare Verbindung zu jenen, die uns vorausgegangen sind, und jenen, die uns nachfolgen werden: Eine Form der Nachbarschaft, wie sie in dieser Autobiografie eines Mietshauses, das zum kollektiven Gedächtnis seiner Bewohner wird, deutlich zutage tritt.


Institut français Frankfurt

Zentralbibliothek Frankfurt
Hasengasse 4
60311 Frankfurt am Main
Deutschland

11. Mai 2026
19:30 - 20:45

Erstellungsdatum: 03.05.2026