MenuMENU

zurück

Ausstellung Achim Freyer Stiftung in Berlin

Sonntag


Ausstellungsansicht Matthias Dornfeld. Fotos: Roman März © ACHIM FREYER STIFTUNG 2025

Im Mittelpunkt von Matthias Dornfelds Schaffen steht nicht das Motiv, sondern der Akt des Malens selbst – nicht das ›was‹, sondern das ›wie‹. Bewusst bricht er in seiner Malerei mit allen klassischen Konventionen. Er beschäftigt sich zwar mit kunsthistorischen Genres wie Porträt, Stillleben und Landschaft, deren einengende Regularien lehnt er aber nachdrücklich ab.

 

Dornfeld konzentriert sich auf ungewöhnliche Perspektiven, schlichte Formen und kräftige Farben. Ein spielerisch-emotionaler Prozess ist dabei die Quelle seines Schaffens. Gegenüber theoretischen oder ideologischen Zwängen findet er so intuitiv einen unmittelbaren und vor allem freien Ausdruck. Fern von Erwartungen, Gewohnheit und Klischees ›entrümpeln‹ seine Bilder unser erwachsenes Sehen, bis der Blick wieder frisch und ›unverstellt‹ scheint.

Beinahe zumindest… Denn mit fortschreitender Erfahrung ist eine solche Sichtweise der Welt nur noch schwerlich aufrechtzuhalten. Sehnen wir uns nicht alle mit Paul Klee nach ursprünglicher Einfachheit und wissen doch mit Francis Picabia um die skrupellose Künstlichkeit der Welt? Ein Lebenskonflikt im Wissen um diese Unmöglichkeit und den Wunsch nach wiedererlangter, kindlicher Unschuld, den Dornfeld in seinen Bildern inszeniert und wie auf dunklen Bühnen zur Aufführung bringt:

Buntfarbig treten Figuren aus düsteren Gründen hervor und schwanken zwischen frontaler Zuwendung und gleichzeitiger Abkehr. Gesichter blicken uns an, bleiben in ihrer grotesken Maskenhaftigkeit jedoch unergründlich und halten sich in unüberwindbarer Distanz. Geometrische Elemente drängen die figürlichen Motive zurück und sperren beispielsweise das ungehinderte Erkennen des fantasievollen Dekors einer Vase. Bei aller Anmut entzieht sich das Innerste unserem Blick.Und in üppig leuchtenden Blumenarrangements symbolisieren verblasste oder gebrochene Blüten zugleich den unaufhaltsamen Verfall von etwas Lebendig-Schönen.


Ausstellungsansicht Matthias Dornfeld. Fotos: Roman März © ACHIM FREYER STIFTUNG 2025

 

Raue Texturen, dichte Übermalungen und geschichtete Farben weisen auf diese im Untergrund schwelende Auseinandersetzung. Im vielschichtigen Miteinander der Elemente, Motivstücke und Farben zeigen sich immer wieder verspielte und experimentelle Ansätze. Tropfen, Rinnsale und Spritzer, Schrammen und Abschabungen geben spontane Gesten zu erkennen, während der pastose Farbvortrag vorhergehende Zustände und Befindlichkeiten ahnen lässt, langwieriges Abwägen.

Matthias Dornfelds Werk offenbart ein komplexes Zusammenspiel von Reflexion und Empfindung, das gerade aus jenen Gegensätzen seinen Reiz und seine Wirkung entfaltet. Und weil es ein Menschlich-Ungelöstes ans Licht bringt, bewegt es uns so sehr.

Die Ausstellung wurde Kuratiert von Sabine Bayer und Johannes Odenthal.

 

 

 

 

 

 

Kunsthaus der

ACHIM FREYER STIFTUNG

Kadettenweg 53
12205 Berlin

18.01. – 29.03.2026

Erstellungsdatum: 03.02.2026