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Jahresausstellung des Berufsverbands bildender Künstler:innen Hamburg

Für die jährlich im Kunsthaus stattfindende Mitgliederausstellung des BBK Hamburg hat eine fünfköpfige Fachjury aus 145 Einreichungen 30 Positionen ausgewählt. Unter dem Titel Systemfehler Mensch? widmet sich die Schau dem Fragilen, dem Unfertigen und dem Widersprüchlichen. Jeder Mensch ist ein Geflecht aus Routinen, Überzeugungen und Versuchen, Ordnung herzustellen.
Defekte, Störungen und Irritationen werden oft als Bedrohungen verstanden. Doch was, wenn sie unser eigentliches Potenzial sind? Gerade dort, wo etwas kippt oder sich widerspricht, öffnet sich Raum für neue Wahrnehmung und Erfahrung. Die Ausstellung Systemfehler Mensch? versammelt Arbeiten, die diese Zwischenräume erkunden. Sie widmet sich jenen Momenten, in denen Systeme ins Stocken geraten und Menschlichkeit sichtbar wird. Zwischen analogem Material und digitalem Code, zwischen Erde, Stoff, Metall und Pixeln, verhandeln die ausgewählten Arbeiten Fragen nach Verlust und Neubeginn. Manche zeichnen Linien durch überhitzte Landschaften, andere lassen Spuren von Kommunikation, Erinnerung oder Widerstand aufleuchten.

So unterschiedlich die künstlerischen Mittel sind – Malerei, Druck, Installation, Film, Textil, Klang –, sie alle suchen nach Resonanzräumen im Ungewissen. Sie zeigen Risse als Öffnungen, Brüche als Übergänge, Irritationen als Ausgangspunkt für neue Formen des Miteinanders. Ob in Stoff, Farbe, Linie oder Linse – überall zeigen sich Momente, in denen das Vertraute ins Wanken gerät und Unerwartetes eintritt. Diese Augenblicke des Abweichens sind keine Defekte, sondern Ausdruck einer lebendigen Suche nach Orientierung. Die Künstler:innen fordern das Fehlbare ein – als poetische, politische und materielle Gegenbewegung zu den Versprechen von Perfektion und Kontrolle.

Inmitten globaler Krisen und digitaler Überforderung entsteht hier ein vielstimmiges Plädoyer für die produktive Kraft des Fehlers. Die Ausstellung lädt ein, das Unklare nicht zu verdrängen, sondern als Teil unserer Orientierung zu begreifen: als feine, fluktuierende Linie, die uns – trotz aller Unterschiede – miteinander verbindet. Sie versteht den „Systemfehler“ nicht als Defizit, sondern als ästhetisches Prinzip.
Jury: Anja Giese, Barbara Maahs, Sibylle Mayr, Maryam Naderi, Avid Saeed
Klosterwall 15
20095 Hamburg
7.2.–15.3.2026
Ausstellungseröffnung
Fr. 6.2.2026
19 Uhr
Erstellungsdatum: 25.01.2026