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Nathalie Grenzhaeuser Ausstellung im Kunstverein Familie Montez, Frankfurt/ M.

Unterströmung


2024 Portrait Hospitalhof Stuttgart Raum Nathalie Grenzhaeuser

Für die Ausstellung Unterströmung entwickelt Nathalie Grenzhaeuser eine besondere auf den Ort bezogene Präsentationsform: ein Unterwasserszenario, in dem sich Dimensionen von architektonischen und fluiden Räumen sowie von Meerestieren verändern und verwandeln.

 

Die Künstlerin strebt in dem unter einer Brücke gelegenen Galerieraum eine immersive Raumerfahrung an, die auf unterschiedliche Weise Zeigen, Sehen, Bewegen und Fühlen verbindet. Die Werke verknüpfen verschiedene Aspekte in einem choreografisch aufeinander abgestimmten Zusammenspiel. Eine besondere Rolle spielen die prägenden Rundbogenfenster des Raumes, die transluzentes Licht verbreiten. Zarte Wasserpflanzen und einzelne Mikroorganismen sind in einer Strömungssituation festgehalten. Fotografische Großdrucke wirken hingegen eher bedrohlich: Dunkles Wasser flutet beispielsweise ein weißes klassizistisches Gebäude, hart gegengeschnitten mit einer amorph-abstrakten Landschaft. Sachlich anmutende Fotografien von „Forschungsorten“ (Bibliothek, Konferenzraum, Labor) der wissenschaftlichen Station wirken hingegen wie aus der Zeit gefallen. Sie bilden den Übergang zum dokumentarischen Film, der sich auf die Arbeitsprozesse und Routinen der Meeresbiologen konzentriert, die die Künstlerin im Zuge ihrer Arbeitsaufenthalte auf der White Sea Biological Station begleitet hat. Sie bindet die wissenschaftlichen Tätigkeiten in die zyklischen Abläufe der Natur wie Gezeiten, Jahreszeiten, Tag und Nacht ein. Mit dem Film The White Sea Cycle zeichnet Nathalie Grenzhaeuser ein überaus vielschichtiges Porträt der Forschungsarbeit, die das Bewusstsein für die Veränderungen schärfen soll, denen der maritime Raum ständig ausgesetzt ist.


Unterstroemung. Montez Tales of Water #2 (Scientific Pantheon), 2024, Digital Print. Nathalie Grenzhaeuser

 

Unabhängig davon, an welchem Punkt der Besucher startet, kann er alle künstlerischen Teile aufeinander beziehen und Aufsichten, Untersichten Durchsichten und Innensichten erleben, die zu einem atmosphärischen Ganzen verwoben werden. Wasser im Allgemeinen und Meere mit ihren Bewohnern im Besonderen werden als ständig veränderbar und überaus komplex erfahrbar. Diese fluiden, dynamischen Räume sind faszinierend und von großer Schönheit, sie können bedrohlich werden und sind als Lebensraum mitunter selbst gefährdet. Das dabei möglicherweise aufkommende Gefühl von Unsicherheit lässt sich als künstlerisch beabsichtigte Unterströmung auffassen. Seit mehr als zehn Jahren setzt sich die Künstlerin Nathalie Grenzhaeuser in Fotografie und Film mit Wasser als Element und Lebensgrundlage sowie mit seiner Bedeutung als Lebensraum und ökologischem System auseinander. Durch Aufenthalte auf der Meeresbiologischen Station Kartesh und die Auseinandersetzung mit der Arbeit der Naturwissenschaftler*innen wurde das Augenmerk der Künstlerin besonders auf die Forschung an wirbellosen Tieren gelenkt. An Quallen und anderen Meerestieren interessiert sie neben der Rhythmik ihrer Bewegungen und ihrer Gestalt auch der Aspekt, morphologisch gesehen, Speicher von Zeit zu sein. (Jule Reuter)


Nathalie Grenzhaeuser. Making off underwater

 

Rahmenprogramm, Öffnungszeiten:

Die Ausstellung Unterströmung wird am 14. August 2026 um 18 Uhr mit einer dialogischen Führung von Nathalie Grenzhaeuser und Dr. Jule Reuter, der Kuratorin der Ausstellung, eröffnet. Am 20. August 2026 findet um 18 Uhr ein Künstlerinnen-Gespräch mit Dr. Sebastian Baden, Direktor der Schirn Kunsthalle Frankfurt, statt. Die Ausstellung läuft vom 15. August bis 13. September 2026 und ist täglich dienstags bis sonntags von 13 – 19 Uhr geöffnet. Die Ausstellung endet am 13. September 2026 mit einer Finissage in Anwesenheit der Künstlerin.

Nathalie Grenzhaeuser hat von 1992–1998 an der Frankfurter Städelschule interdisziplinäre Kunst bei Herman Nitsch studiert. Sie ist Stipendiatin der Hessischen Kulturstiftung (1998 zusammen mit Minka Maslowski) und Preisträgerin des Maria Sybilla Merian Preises (2007). Nathalie Grenzhaeusers Arbeiten waren bereits in zahlreichen Ausstellungen in Frankfurt/Main vertreten und sie sind Teil der Sammlung der DZ Bank, des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach und der Oberfinanzdirektion Frankfurt/Main. Die Ausstellung 2026 im Kunstverein Familie Montez, Frankfurt/Main setzt inhaltlich die Ausstellung Black Ice /White Sea fort, die 2020 in der Weißfrauen Diakoniekirche gezeigt und von der Stadt Frankfurt unterstützt wurde.Die Künstlerin arbeitet im AtelierFrankfurt und in Berlin.

Dr. Jule Reuter
Studium Kunstwissenschaft an der Humboldt-Universität Berlin und Promotion ebenda. Seit 1998 als Kuratorin zeitgenössischer Kunst in Berlin tätig. Sie realisierte Ausstellungen mit den Schwerpunkten Installation (u.a. Folke Köbberling/Martin Kaltwasser, Helgard Haug, Stella Geppert) und Fotografie/Video (Christian Borchert, Tina Bara, Melanie Manchot). 2002/2003 kuratierte sie die Fotochronik in der Ausstellung „Berlin – Moskau, Moskau – Berlin 1950–2000“ im Martin-Gropius-Bau Berlin. Mitarbeit in internationalen Ausstellungen des Martin-Gropius-Baus und der Nationalgalerie (Rebecca Horn, Dani Karawan). Seit 2013 Kuratorin an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, u.a. Themenausstellungen zum Traum, zu Fremdsein und zum Risiko.

 

 

 

Kunstverein Familie Montez

Honsellbrücke am Hafenpark
Honsellstraße 7
60314 Frankfurt am Main

Eröffnung: 14. August 2026
18 Uhr 
Die Künstlerin ist anwesend)
Laufzeit: 15. August bis 13. September 2026

Erstellungsdatum: 14.07.2026