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Ausstellung Annegret Soltau im Kunstforum Darmstadt

Ab dem 18. Januar 2026 präsentiert das Kunstforum der TU Darmstadt als Partner der World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 »Design for Democracy: Atmospheres for a better life« die Ausstellung „Annegret Soltau VATERSUCHE“. Annegret Soltau gehört zu den bedeutendsten feministischen Künstlerinnen der Gegenwart.
Sie beschäftigt sich seit den 1970er Jahren mit Fragen der persönlichen und sozialen Identität und reflektiert dabei ihre Position als Frau im Konstrukt ihrer eigenen Familie. Anlässlich ihres 80. Geburtstages präsentiert die Ausstellung »Annegret Soltau VATERSUCHE« im Kunstforum der TU Darmstadt zwei zentrale Werkserien von Annegret Soltau in einer besonderen Konstellation: Die Arbeit »Vatersuche« (1988 – heute) wird in vollständiger Form gezeigt und dokumentiert die Suche Soltaus nach ihrem Vater, den sie nie kennengelernt hat. Gegenüberstellend ist erstmals die Serie »Tagesdiagramme« zu sehen – 58 Einzelblätter, die die Künstlerin 1977 während ihrer ersten Schwangerschaft wie ein visuelles Tagebuch mit Filzstiften, Aquarelltechnik und einer Schreibmaschine auf einfachen DIN A4 Bögen geführt hat. Die Künstlerin skizziert darin ihre eigenen Gefühlslagen und Zustände, aber auch die Beziehungen zu anderen Personen, sehr offen. Beide Serien laden dazu ein, von den Besucher*innen Blatt für Blatt erschlossen zu werden.

Zur Serie »Vatersuche« (1988 – heute) Wie eine scheinbar endlos ausgezogene Schublade eines Aktenschanks erstrecken sich die 69 Blätter der Arbeit »Vatersuche« in den Raum. Die Serie resümiert die Geschichte von Annegret Soltaus Suche nach ihrem Vater, den sie nie kennengelernt hat. Obwohl in der Familie nie darüber gesprochen wurde, beschäftigt sie die Frage nach der Identität ihres Vaters seit jeher. Schon früh beginnt sie deshalb, Informationen über ihn zu sammeln. Von ihrer Mutter erfährt sie lediglich einen Namen und erhielt ein einziges Foto, das ihn zeigt. 1988 wendet sich Soltau erstmals an eine offizielle Suchstelle. Seither unternimmt sie immer wieder unterschiedlichste Versuche, mehr über ihren Vater zu erfahren. »Als Ausgangsmaterial für meine künstlerische Arbeit verwende ich die Dokumente meiner jahrelangen, erfolglosen Suche nach meinem verschollenen Vater. Die Arbeit besteht bisher aus 69 Selbstportraits. In mein Gesicht habe ich die Original-Briefe der Behörden z. B. Rotes Kreuz, Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. oder Deutsche Dienststelle für Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen Deutschen Wehrmacht eingenäht. Somit wird meinen Selbstportraits die ungelöste Schicksalsgeschichte infolge des Zweiten Weltkrieges förmlich ins Gesicht geschrieben, aber diese förmlichen Antwortschreiben bleiben wie eine leere Stelle in meinem Gesicht, wie ein weißer Fleck.« Annegret Soltau Angesichts der unzähligen ernüchternden Antwortschreiben, entscheidet sie sich 2003, das gesammelte Material zu einer künstlerischen Arbeit zu transformieren, die bis heute fortgeführt wird. Hierfür verwendet Soltau verschiedene Selbstporträts, aus denen sie ihre Gesichtspartie herausreißt und die gesammelten Dokumente mit Nadel und Faden an die herausgetrennte Stelle näht.

Während ihrer ersten Schwangerschaft 1977 begann Annegret Soltau, ein Jahr lang täglich auf DIN-A4-Blättern zu notieren und zu zeichnen, was sie beschäftigte. Aus dieser kontinuierlichen Auseinandersetzung entstanden die 58 Blätter der Serie »Tagesdiagramme«, ausgeführt mit Filzstift, Aquarell und Schreibmaschine. Gerade weil die »Tagesdiagramme« keinerlei direkte Körperlichkeit zeigen, handelt es sich um eine der intimsten Arbeiten der Künstlerin. Im Gegensatz zu den Werken, die Soltau für die Öffentlichkeit bestimmt hat, erlauben sie einen Blick hinter die Fassade des komplexen Systems Annegret Soltau. Die Künstlerin skizziert darin ihre eigenen Gefühlslagen und Zustände, aber auch die Beziehungen zu anderen Personen, sehr offen. Mit den Tagesdiagrammen unternimmt Soltau den Versuch einer täglichen phänomenologischen Selbstanalyse, ausgehend von sich selbst und der eigenen Wahrnehmung. Der konkreten Bildlichkeit der Schreibmaschinenschrift, setzt Soltau eine farbbetonte, oft abstrakte Bildebene gegenüber. Die kleinen Zeichnungen, farbigen Linien und aquarellierten Oberflächen kontrastieren mit den getippten Worten und erfassen den Menschen in seiner ganzen leiblich-sinnlichen Dimension. Die Tagesdiagramme entstanden zeitgleich mit dem Werkkomplex »Schwanger« und thematisieren erst den empfundenen Kinderwunsch und begleiten später die Schwangerschaft. Annegret Soltau gehört zu den ersten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts, die ihre Schwangerschaft zentral in ihrem Werk thematisieren – auch mit der politischen Absicht, zu beweisen, dass eine Frau gleichermaßen Künstlerin und Mutter sein kann. Heute wird sie für ihre Arbeit als Pionierin der feministischen Avantgarde gefeiert.
Kunstforum
der TU Darmstadt
Hochschulstraße 1
64283 Darmstadt
Vernissage
Samstag, 17.01.2026
18:00 Uhr
18. Januar bis 7. Juni 2026
Erstellungsdatum: 08.01.2026