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Studio-Show Frankfurt Porzellan und Malerei

WE HERE ist die Frankfurter Studio-Show der Porzellan-Künstlerin Sandra Nitz und dem Maler Carsten Fock übertitelt. Über viele Jahre stand der Gedanke einer gemeinsamen Arbeit im Raum, nun wird er erstmals konkret in eine bemalte Porzellan-Edition umgesetzt.
Ausgehend von Nitz präziser Arbeit mit Porzellan an der Töpferscheibe und Focks zeichnerischer Praxis entstehen Arbeiten, in denen Material, Schrift und Bild miteinander verschmelzen. Die Zeichnung wird Teil des keramischen Körpers.
Für Carsten Fock ist der Umgang mit Schrift ein wiederkehrendes Element. Worte erscheinen bei ihm nicht als erläuternde Texte, sondern als Setzungen im Bildraum, geschrieben, überlagert und teilweise entzogen. Auch in dieser Edition behaupten sie keine starre Bedeutung. „Here“ und „We“ sind elementare Wörter. In ihrer Reduktion fungieren sie als Markierungen, nicht als Aussagen. „Here“ setzt einen Ort, ohne ihn zu bestimmen. Das Wort bleibt an die Oberfläche gebunden – an Becher und Teller – und ist zugleich nicht eindeutig lokalisierbar. „We“ behauptet ein Gemeinsames, ohne es zu definieren. Wer damit gemeint ist, bleibt offen - und genau darin liegt seine Schärfe. Die Frage nach dem „Wir“ stellt sich konkret: Wen meint dieses „We“? Wer spricht und wer wird mitgemeint, ohne angesprochen zu sein? Wer bleibt ausgeschlossen, obwohl das Wort für Gemeinschaft steht?

In einer Situation, in der kollektive Begriffe häufig vereinnahmt werden, halten die Arbeiten diese Fragen offen. Sie zeigen das „Wir“ nicht als gegeben, sondern als Setzung, die sich im Moment ihres Erscheinens bildet - und zugleich unsicher bleibt. Dass diese Setzungen auf Gebrauchsgegenständen erscheinen, ist wesentlich. Becher und Teller sind in alltägliche soziale Situationen eingebunden. Das „Wir“ tritt hier im Gebrauch auf, nicht nur als abstrakte Idee – und wird gerade so in seiner Fragilität erfahrbar. Den Schriftarbeiten stehen ornamentale und landschaftliche Motive gegenüber. Sie operieren ohne Sprache, sind jedoch nicht weniger bestimmt. Linie, Rhythmus und Verdichtung übernehmen die Funktion, die den Worten in den Schriftarbeiten zukommt. Bedeutung entsteht durch Wiederholung, Variation und Differenz. So bewegen sich die Arbeiten zwischen Lesbarkeit und Entzug. Schrift wird Bild, Bild wird Zeichen, ohne dass sich eines im anderen auflöst. Alle Arbeiten sind in Kobaltblau von Hand gezeichnet. Die Edition umfasst jeweils 20 Becher und 20 Teller, unterteilt in Schrift- und ornamentale Motive. Im Werkzusammenhang ist die Edition keine isolierte Objektserie. Sie überführt zentrale Aspekte von Focks Arbeit – Zeichnung, Schrift und Setzung – in ein neues Material. Bedeutung entsteht im Verhältnis von Oberfläche, Geste und Wiederholung. Die Arbeiten bleiben dadurch offen, ohne beliebig zu werden.
Andrea Richter
Nitz Porzellan-Werkstatt
Gutzkowstraße 10/ Hinterhof
60594 Frankfurt-Sachsenhausen
6. bis 9. Juni 2026
Samstag und Sonntag
11 bis 18 Uhr
Montag und Dienstag
12 bis 18 Uhr
Nach Vereinbarung:
post@nitz-porzellan.de
oder
Tel: +49 176 2549 9620
Erstellungsdatum: 29.05.2026