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Barbara Zeizinger über Matthias Buth: Dichter-Jurist-Essayist

Wie sicher er die große Geste ausführt! Der Dichter, der im Kleinen das Große aufspürt und dabei so nebenbei die Zeugen aus dem Gedächtnis der langen poetischen Tradition herbeiruft, der Jurist, geschult am Versmaß seiner Zunft, der auf der Einhaltung der Gesetze besteht und gegen Anmaßung anschreibt: Barbara Zeizinger porträtiert den Dichter-Juristen Matthias Buth, der kürzlich 75 Jahre alt geworden ist. Man muss sich ihn als einen rastlosen Menschen vorstellen.
Während der Buckelwal Timmy leblos vor der Küste Dänemarks liegt, erreicht mich das Gedicht „Wallos“ von Matthias Buth:
Wir sind Wal
Wir wollen nicht sterben
Wollen zurück ins Offene
Weg vom Strand der nicht ruhen läßt
Der Todesboje ist
Wollen ihm alle Schwimmkontainer geben
Die zärtlichsten Namen mit y am Schluß
Ihn wegräumen aus dem Sichtfeld
Mit ihm davonlieben, davontauchen bis nach Grönland
Und andere Wolkeninseln
Die Ukraine vergessen Gaza Iran Sudan und andere Todesstätten
Wir müssen nun bleiben denn
Das von Möwen beflogene Gerippe ist aufgetaucht
Die Skelettharfe die weiterspielt im Wiegala der Wellen
Das Lied des Sterbens das uns meint
Uns singt
Sich nicht löschen läßt
Geh aus mein Herz
Wiegala wiegala weier
Dieses Gedicht ist ein treffendes Beispiel für die Lyrik von Matthias Buth. Denn er greift hier nicht nur ein brandaktuelles Thema auf, sondern nimmt dieses zum Anlaß, über die conditio humana zu schreiben. Das Schicksal des Wals steht für unsere Sehnsüchte, unsere „Wolkeninseln“, die mit Timmys Tod ein jähes Ende finden. Das Ende ist ein „Lied des Sterbens“, das auch uns meint. Der Tod des Wals als Metapher für die Endlichkeit unseres menschlichen Daseins. Aktuelle Todesstätten zeigen, wie fragil unser Leben ist und immer war. Das wird noch betont durch die Zeilen aus dem Kinderlied Wiegala, stammt dieses doch aus der Feder der 1944 in Auschwitz ermordeten Ilse Weber.
„Er verschwistert Prägnanz und Poetizität, die seiner Lyrik Tragfähigkeit und Ausstrahlung verleihen“, schreibt Karl Krolow und benennt damit zwei wesentliche Merkmale der Literatur des „Dichterjuristen“.
Seit 1973 hat er 20 Lyrikbände veröffentlicht, dazu unzählige Essays, die in Zeitschriften und Büchern veröffentlicht werden. Um Matthias Buths Wirken aufzuzählen, benötigt Wikipedia vier Seiten. Seine Gedichte wurden in viele Sprachen übersetzt und von Komponisten aus Deutschland, Israel und Rumänien vertont. Er wurde mit dem Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen, dem rumänischen Kulturverdienstorden und dem Nikolaus-Lenau-Preis ausgezeichnet.
1951 wurde er in Wuppertal-Elberfeld geboren, heute lebt er in Hoffnungsthal. Als Jurist promovierte er zum Militärstrafrecht der DDR und war unter anderem Referatsleiter zur Kultur der Deutschen in Ostmitteleuropa im Bundesministerium des Inneren und im Kanzleramt zuständig für die Rechtsaufsicht über die Deutsche Welle und zuletzt als Justiziar bei den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM). Seitdem ist er Rechtsanwalt.
Dichterjurist werden Autoren genannte, die auf der Grundlage der Jurisprudenz literarisch tätig sind, ein Begriff, den Google seitenlang aufblättert und dem Buth im Online Magazin TEXTOR bei der Suche nach den Quellen der Dichtung nachspürt. Das liegt nahe; denn er ist ein Dichterjurist von hohen Graden. Dies hatte früh im Darmstädter Echo Krolow erkannt und die beiden Facetten seiner Literatur bezeichnet: Prägnanz und Poetizität. Für erstere kommt ihm seine an den Rechtswissenschaften geübte Ausbildung zugute, die Disziplin und Sprachtraining verlangt. So zählt er in dem Essay im Magazin TEXTOR vom Sommer 2026 „Chinesen dichten immer – Professoren in Deutschland auch“ von Ferdinand von Schirach über Juli Zeh, Goethe und Kafka eine Reihe erfolgreicher Dichterjuristen auf. An anderer Stelle fügt er noch Gryphius und Novalis hinzu. Aber das ist nur der eine Teil seiner dichterischen Voraussetzung. Für den anderen, den poetischen Augenblick, zitiert er den berühmten Haikudichter Matso Bashō:
Der alte Teich
Ein Frosch springt hinein
Das Geräusch des Wassers
Denn, so sagt Matthias Buth: „Sprache ist ein zu schleifender Stein, präzise sein, ist das, was ich mir vornehme und das Schwebende der menschlichen Beziehungen einfließen zu lassen.“
Den von Bashō dargestellten Augenblick finden wir auch bei Matthias Buth, wie beispielsweise in „Mitten in Paris“ aus dem Lyrikband „Paris regnet“ (Edition Offenes Feld 2017), in dem er zuerst Boulespieler beschreibt und dann fortfährt:
Am Teich wo Kinder weiße Segelschiffchen
Mit Stöcken vom Ufer abstoßen damit sie Fahrt gewinnen
Um die Mitte der Meere erreichen
Bleiben sie stehen
Kapitäne des Glücks
Um diese kurzen Momente geht es ebenso in dem bemerkenswerten Bildband „Im Augenblick“ (PalmArtPress 2025), den Matthias Buth zusammen mit dem Fotografen Wolf Birke über seine Heimatstadt Wuppertal und die Welten zwischen Berlin und Paris gestaltet hat. Und wer hätte besser von der Vergänglichkeit und der Bedeutung eines Augenblicks schreiben können als Andreas Gryphius. Folgerichtig wurde dessen Gedicht „Augenblick“ dem Band vorangestellt:
Mein sind die Jahre nicht, die mir die Zeit genommen;
Mein sind die Jahre nicht, die etwa möchten kommen;
Der Augenblick ist mein, und nehm ich den in acht,
So ist der mein, der Jahr und Ewigkeit gemacht.
Autor und Fotograf erkunden die Stadt, besuchen Orte, Tiere, Pflanzen, Menschen und lassen Bild und Sprache in einen Dialog treten. Innerhalb und außerhalb der Else Lasker-Schüler-Stadt an der Wupper, zu der Buth im Herbst 2026 den Band „Wuppertal Erlesen“ in der bekannten Reihe des Wieser Verlages „Europa Erlesen“ herausgeben wird.
Viele seiner Gedichte haben einen politischen Bezug. Es gibt nun mal das politische Weltgeschehen, woran er sich orientiert, sich erschüttern lässt.
Neunjährig
Wie soll ich Dich nun umarmen
Mutter
Fragt er weiter und weiter
Der Junge aus Gaza
Liebt ohne Arme
Weggeschossen in dem Streifen Land
Das kein Land ist
Das WorldPress-Foto von einer Frau erfasst
Die noch keine Mutter ist
Nicht ausgesetzt einer Umarmung die ausbleibt
Wie weiterswitchen wie weiterschlafen
Um arm end
Stehen wir unter dem Kreuz
Das in Gaza steht
In uns
Wie soll ich Dich nun umarmen
Buths Gedichte, die sich mit den Zumutungen und Schrecken der Gegenwart (und der Vergangenheit) befassen, sind keine lyrischen Essays, sie sind Sprachverdichtung, seine poetischen Miniaturen erfassen viel Welt im Fingerhut, denn er ist ein „Meister der Reduktion“. Durch ihre Bilder fordern sie den Leser auf, die Wirklichkeit unter einem neuen Blickwinkel zu erfassen und so quasi ein zweiter Autor zu werden. Seine Metaphern vermitteln dem Leser eine Mehrdeutigkeit, die neben der Realität auch eine weitere, darüberhinausgehende sinnliche Ebene enthält. Buth sieht die Welt durch Blicke hinter die Realität. Das macht Dichtung aus.
Himmel
Das blaue Beet
Wolkenbataillone verheeren
Die Aussaat der Augen
Täglich wenn an rostiger Winde
Die Meere steigen
Uns einschweigen
Mit stahlkalten Zungen
„Diese Gedichte sind romantisch, sie benennen vieles, ihr Zentrum haben sie jedoch im Unbenennbaren. Demjenigen, was sich entzieht, was man ersehnt“, schreibt Jiří Gruša, der in Buths Lyrik Reflexionen über Geschichte und existentiellen Befund erkennt.
Buths Gedichte lassen ein stetes Unterwegssein und Unbehaustsein erkennen, besonders in den naturnahen Texten. Man sollte die Lyrik von Matthias Buth lesen, schreibt Axel Vieregg in der FAZ, weil „sie die Gleichberechtigung allen Lebens begründet. Ist das nun existentielle Lyrik? Ist es Naturlyrik? Es ist beides, in hohem Maße.“ Und der aus Rumänien stammende Germanist Peter Motzan erkannte „Konstanten einer elegisch getönten Textgrammatik. Die Natur ist gleichermaßen Erfahrungsrealität und Reservoir bedeutungsträchtiger Chiffren.“ Und, so schreibt Motzan weiter, „anregende Impulse vermittelten dem intensiven Lyrikleser der Salzburger Georg Trakl, die späten Verse Peter Huchels und Guiseppe Ungarettis, der den Botschaften des Regens nachhorchende Günter Eich und die „Imagination in Reitersprüngen“ des jungen Federico García Lorca.“
Das Bewusstsein der befristeten Lebenszeit hat Matthias Buth schon vor dem Band „Die weiße Pest – Gedichte in Zeiten der Corona“ (PalmArtPress 2020) mit einem ausschwingenden Nachwort des Klagenfurter Germanisten Torten Voss gesetzt, es ist ein Grundton, der immer wieder durchklingt seit 1973 und so auch in „Die Stille nach dem Axthieb“ (Heiderhoff Verlag 1997), wie es Peter Motzan differenziert darstellt.
Friedhof
Grabsteine
Ballast den die Toten
Abgeworfen haben
Aufgegebene Rätsel
Unter dem Paßbild
Der Verzweiflung
Die Erlen über uns
Wissen eher
Wenn der Morgen zurückkommt.
Eine Sammlung von Rhapsodien, 780 Kurzprosa-Miniaturen von hoher sprachlicher Präzision und Eleganz, hat Buth im Band „Im Zwischenland“ (PalmArtPress 2022) zusammengestellt. Das sind, wie Bernd Leukert schrieb, „Auszüge aus einem künstlerischen-intellektuellen Leben, die ihre Niederschrift in Minitaturen des Wahrgenommenen samt Reflexion und Assoziation verwandelte.“ Gleichzeitig wird in dieser Gattung auch Buths Affinität zur Musik deutlich, deren Rhythmen seine lyrische Stimme geweckt haben. Viele seiner Gedichte beschäftigen sich mit Musikern und Musikerinnen.
Und Clara Haskil erfindet sich ein neues Bukarest
Sie flieht nicht mehr vor der Wehrmacht nach Marseille und
In die Schweiz zu Ferruccio Busoni und dessen Bach-Chaconne
Sie spielt sich mit Mozart weiter ins Überall der Musik
Ihr schwarzes Grab eine Engelsstelle
Beschützt von Jeanne ihrer Schwester
Bunte Blätter
Die Schumann vom Alten Friedhof aus Bonn schickt
Halten die Partituren
Diese Strophen über die berühmte rumänische Pianistin aus dem Gedicht „Paris regnet“ stehen in dem Buch „Der Schnee stellt seine Leiter an die Ringmauer – Poetische Annäherungen an Rumänien und andere Welten“ (Pop Verlag 2020), in dem Matthias Buth sich in Gedichten, Kurzprosa und Essays hauptsächlich mit Rumänien beschäftigt, und von dem Markus Bauer in seinem Nachwort schreibt: „Nicht von ungefähr ist es die Musik, die den Rhythmus des Bandes grundiert.“ Nach Rumänien, in die România, hat ihn schon sein Beruf geführt. In das „Ovid-Land“ voller Poesie, voller Musik, und so lesen wir Texte über Paul Celan und Nikolaus Lenau, über Dinu Lipati und wieder über Clara Haskil. Unzählige weitere Namen schließen sich an. Das einleitende Gedicht „Gemeinde“ hat er dem großen über neunzigjährigen Eginald Schlattner aus Siebenbürgen gewidmet. „Rumänien – wo liegt es?“ lautet der Titel des Essay-Teils und bei dieser Suche nimmt er uns mit in Orte, zu Namen, zu Geschichten. Auch schwierige Themen werden nicht ausgespart, wobei ihm manchmal ein einzelner Satz genügt, um eine ganze Geschichte zu erzählen: „Transsilvanien eine Zwillingsschwester von Transnistrien.“ Mit dieser Zeile weckt er Assoziationen an Paul Celan beziehungsweise an dessen Eltern, die 1942 dorthin deportiert wurden und das Lager nicht überlebten. Der Vater starb an Typhus, die Mutter wurde erschossen.
In den Rumänien-Kosmos gehören auch die beiden folgenden berührenden Gedichte.
Romania-Kokon
Sie war ihre Mutter und war es nicht
Die Securitate nahm sie ihr steuerte das Muttersein
Saugte die Wärme weg ließ nackt sie zurück
So blieb sie auch nach 35 Jahren und noch mehr
Die Besuche nach Hause ließ sie frieren
Immer wieder versuchte sie es
Bis sie aufgab um ihr Leben nicht weiter zu zerfasern
Die Nächte konnte sie nicht abschalten
Die Heimkehr ins Mütterliche das es nicht gab
Sie begann alles abzustreifen was wärmte
Die Musik die Gedichte die Worte die sich ihr näherten
Wie Fohlen wie Schafe die sicher weideten
Dann stieß sie die naß-zärtlichen Nasen zurück
Und weinte ohne Tränen
Ganz wie die Mutter die verloren blieb
Ganz eingepuppt im Securisten-Kokon der Mutter
Peter Motzan
Ist das weiße Gedicht das weiße Gesicht
Sieben
Bürgens
Und die gläsernen Berge dazwischen
Sah die Raben kommen und fliehen
War und ist in sich selbst
Auf der Suche ins Innere Ich
Wollte bleiben und dennoch gehen
Gehen und Gedicht sein
Kein Land am Nebentisch
Wollte die Flüsse befahren
Die Donau stromab
Zu rundgeschliffenen Ufern
Dorthin wo sich das Schwarze Meer
Den Versen öffnet
War immer im Verstummen zu Hause
In immer weniger
Zigarettenklein und schmal wurden seine Briefe die
Er in Mails versteckte
Weiß wie er
Suchend mit aller Kraft die ihm bleibt
Ihn verzehrte und stets
Mit der Würde und Eleganz eines Enjambements
Ein Mutmacher unter den Mutlosen
Einer der in sich Diotima suchte und in den Versen
Der anderen ein weißer Hölderlin
Der sich Gedichte verschwieg und doch ihr
Singen hörte wie Wale die sich verständigen
Er kannte den Klang der ungeschriebenen Gedichte
Sie sind immer Gegenwart
Das zärtliche Dennoch gegen alle Vernunft
Das Verschwistern von Rhein und Donau
Das bleibt wie er
Der Peter der zu den Gedichten spricht
Wie Franz
Romania ist eine Geliebte der Gedichte
Wie er
Die Auseinandersetzung mit der Shoa durchzieht Buths gesamtes Werk. Auschwitz sei eingeschrieben in die „Gedächtnishaut der Deutschen“, schreibt er als Einführung zu dem von ihm herausgegebenen Band „Der Himmel über Philomena – Auschwitz sieht uns an“ (Pop Verlag 2022). Dieses Buch mit dem Untertitel „Eine Anthologie zur Kulturgeschichte“ versammelt Aufsätze und Vorträge, die 2022 zu Ehren der hundertjährigen Sinteza Philomena Franz geschrieben und bei einer Festveranstaltung gehalten wurden. In den Beiträgen geht es nicht nur um das bewundernswerte Leben und Überleben Philomenas in mehreren Konzentrationslagern, sondern auch darum, inwiefern Sinti und Roma mit ihrer Musik, ihrem Lebensgefühl, ihrer Literatur die europäische Kultur bereichert haben. Die Stärke des Bandes besteht in seiner Vielfältigkeit, denn die Autoren und Autorinnen kommen aus der Politik, aus der Wissenschaft, der Literatur. In einem großen Essay berührt Matthias Buth die Frage, inwiefern Auschwitz zur Identität der Bundesrepublik beiträgt, wobei er über Celans Todesfuge sagt: „Es ist das Gedicht, das emotional und auch geschichtlich Deutschland fast mehr und tiefer begründet als das Grundgesetz.“
2021 hat er das Philomena-Franz-Forum gegründet, unter Philomenas Motto „Wenn wir hassen, verlieren wir, wenn wir lieben, werden wir reich.“ Es soll Menschen eine Plattform geben, um das kulturelle Miteinander und die soziale Verantwortung zu fördern. (PHILOMENA-FRANZ-FORUM e.V.)
Matthias Buths Fähigkeit, sich sowohl politischen, in diesem Zusammenhang auch juristischen Fragen, anzunehmen sowie sich tiefgehend mit Literatur zu befassen, wird in dem Band „Die Verfassung der Dichter“ (Wieser Verlag 2024) deutlich. Darin sind seine zahlreichen Essays enthalten, die er im Laufe der Zeit in dem Online-Magazin Faust Kultur veröffentlicht hat. Wie oft bei Buth geht es im ersten Teil darum, wie Kultur unter den politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen, mit ihren Grenzen und Bedingungen gelebt werden kann. Hier ist in mehreren Essays eher der Jurist am Werk, wenn er sich über Merkels Begriff „Staatsräson“ auslässt oder erläutert, weshalb die meisten NS-Täter nicht verurteilt wurden. Im zweiten Teil begibt er sich wieder auf das Terrain der Literatur und der Musik. Und immer treibt ihn die Frage um, in welchem (kulturellen) Land wir leben, welche Macht die Sprache hat. Daß mit der Macht der Begriffe auch fahrlässig, ja auch missbräuchlich umgegangen werden kann, zeigt er in einem im Online Magazin Textor veröffentlichten aktuellen Essay. „Auch Staaten haben Seele“, in dem er ein wichtiges Buch von Ruth Hoffmann diskutiert und bedauert, daß weder die Politik noch die Akademien oder die beiden PENs die staatrechtlichen Begriffe des Grundgesetzes wie Staat und Volk ausleuchten und so den AfDisten überlassen. Von der Sorge getrieben, der Schneeball AFD sei längst eine Lawine geworden, stellt er die Frage, wie die kultur- und verfassungsrechtliche Lage des Grundgesetzes in Artikel 116 GG ist und stellt das bekannte Böckenförde-Diktum in den Mittepunkt, wonach ein Minimum an staatlichem Bewusstsein und Zusammengehörigkeitsgefühl von Nöten sei bzw. ob und welche Seele Deutschland habe, die im Wesentlichen in der Musik wurzele, um dann festzustellen, „Recht und Gesetz, Gewaltenteilung im demokratischen Verfassungsstaat geben Kohärenz. Ethos nicht Ethnie.“ Das sei die Schicksalsfrage der Republik.
Matthias Buth ist ein wichtiger Dichter und ein brillanter Essayist, für den Sprache auch immer Musik, eine Rhapsodie ist. Die Novalisfrage „Wohin wollen wir? Immer nach Hause.“ bleibt offen. Denn was ist das „Zu Hause“? Die Sprache, die Musik, Gott? Buth meint: „Jeder Satz, jedes Wort ist Zuhause und Exil zugleich.“
Erstellungsdatum: 14.06.2026