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Gedicht von Ingrid Mylo

Helle Zimmer

Ingrid Mylo



Hast du nicht mit den Mirabellen
einst auch die Melancholie
in die Stunde geholt, kaum Süße im Mund:
daß du, was du vermißt, nicht gewußt hast,
gehörte zum Spiel. Wie die hellen Zimmer,
die Türen, die weit offenstanden, der warme Wind,
der nichts weiter bewegte als Katzenhaar und Gardinen. 
Reifen dauerte, damals. Nie vor der Zeit. 

Wo sind, wenn du jetzt Mirabellen ißt, 
Sommer und Müßiggang.
Was trügt eher: Erinnerung. Oder die Welt, 
in der eine Rose 
keine Rose mehr ist und erst recht 
keine Rose. 

 

 

Aus: Ingrid Mylo, Überall, wo wir Schatten warfen. Gedichte. Edition Azur 2021

 

 

Erstellungsdatum: 10.02.2026