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Wolfgang Rüger über Richard Brautigan und die Tochter Ianthe Brautigan

Leben und Sterben

Wolfgang Rüger


Ianthe Brautigan und Richard Brautigan. Buchcover/Ausschnitt

Jenseits der weisen Sprüchen um das Leben vor und nach dem Tod kann man davon ausgehen, dass, kommt es zum Letzten, das Leid an den Weiterlebenden hängen bleibt. Im Fall des Schriftstellers Richard Brautigan, der von den Höhen des Erfolgs in die Tiefen der Nichtbeachtung versank und schließlich von eigener Hand starb, war es seine Tochter Ianthe Brautigan, die den Tod des geliebten Vaters lange nicht verwinden konnte. Wolfgang Rüger hat in ihren Erinnerungen, „Den Tod holen“ gelesen.

 

Das Leben ist nichts - ohne Tod. Er krönt das Vorangegangene. Über die Geburt hat man kein Selbstbestimmungsrecht. Über das Lebensende schon. Die Mehrheit der Menschheit frönt dem Wahn, ewig leben zu wollen. Was für ein elitärer und egoistischer Anspruch. Aber es gibt auch eine Minderheit, die – aus welchen Motiven auch immer – zu dem Ergebnis kommt: genug ist genug und den „Tod als Befreiung vom Leben“ (Wilhelm Schmid) sieht. Die Tapferen von ihnen nehmen das dann selbst in die Hand und verstoßen damit gegen alle Konventionen.

Es gibt eine Reihe berühmter Autoren, die ihrem Leben selbstbestimmt ein Ende gesetzt haben: Ernest Hemingway, Sylvia Plath, Virginia Woolf, Stefan Zweig, Paul Celan, Anne Saxton, Cesare Pavese, Yukio Mishima, Jack London, Klaus Mann, David Foster Wallace, um nur einige aus dem zwanzigsten Jahrhundert zu nennen. Richard Brautigan gehört auch dazu.

Die Gründe mögen vielfältig und verschieden gewesen sein. Sie stehen allerdings exemplarisch dafür, dass „eine Möglichkeit der Lebenskunst ist, das Leben selbst zu beenden“ (Wilhelm Schmid). Der Umgang mit Freitod ist in den allermeisten Fällen ein Problem für die Hinterbliebenen. „Die Alleingelassenen“ (Norbert Elias) sind in der Regel unvorbereitet und hilflos. Sie wollen diesen Tod nicht akzeptieren und geben sich oft eine Mitschuld, weil sie ihn nicht verhindern konnten.

Was der freiwillige Tod ihres Vaters mit ihr gemacht hat, beschreibt Ianthe Brautigan in ihrem Buch „Den Tod holen“ eindrucksvoll und schonungslos. Sie war drei Jahre alt, als sich ihre Eltern trennten. Fortan pendelte sie zwischen den wechselnden Wohnsitzen der Mutter und des Vaters. Bis zum Schulabschluss besuchte sie zwölf verschiedene Lehranstalten. Zu ihrem Dad hatte sie ein fast klischeehaftes Vater-Tochter-Verhältnis. „Manchmal übernimmt die Liebe zu meinem Vater mein ganzes Selbst, und ich will in die Luft springen und jede mögliche Farbe festhalten, um damit meinem Herzen einen Ausdruck zu geben.“

Erstellungsdatum: 15.07.2026