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Gedicht von Betânia Ramos Schröder

Mein Werk sind Blätter in Bewegung

Betânia Ramos Schröder


 

antwortete ich jener zarten, noch gesichtslosen Stimme.
Eine ruhige, freundliche, neugierige Stimme.

Ich suchte meine Worte in der Erinnerung.
Wie sind Texte entstanden, Gedichte, lose Sätze?
Aus welchem tiefen Impuls heraus findet das Wort in mir Zuflucht?

Ich blicke um mich.
Auf meinen Weg zwischen Welten und Empfindungen.
Wege durch verschiedene Landschaften, Böden, Geschichten, Menschen.

Ich spüre den Puls des Daseins in mir,
overwhelmed,
Einsamkeit.

Im geschriebenen Wort fand ich die Begleitung,
die mir einen geschützten Ort in mir selbst zurückgab.

Genährt von der Größe der Welt,
von ihren Bewohnern,
von den Bedeutungen des Lebens.

All das - Sprachen, fremde Klangwelten, Geschmäcker, Staunen - fand in Papierblättern und im Stift den Ort, an den ich mich zurückziehen konnte, wenn ich mich in den Geräuschen um mich verlor, in Empfindungen, die mich überstiegen.

Schreie, Schmerzen, Lust, Gesänge, Geheimnisse.
Alles eingeschrieben in Blätter, Papierfetzen, Ausschnitte, Post-its, hastig bewahrte Reste.

Diese zarten Blätter in Bewegung
ließen mich dichte Wälder der Trauer durchqueren.
Sie gaben den Tränen Rast,
die am Fuß eines Visgueiro* zu Boden sanken,
dessen Wurzeln sich um meine eigenen Wurzeln legten,
dort, wo der Körper einer Liebe begraben lag.

Im Sand der Wüsten meiner Verstörungen
zeichnete ich Worte.
Worte, die mir mein Innerstes offenbarten.
Erinnerungen, die mich zurückholten,
wie heiße Stürme,
mit ihrer ungreifbaren Kraft.

Brände großer Leidenschaften.
Pororocas** der Verzweiflung.

Gerufen, aus meinem Wasser-Ich hervorzutreten,
wartend darauf, einzumünden
in die Begegnung mit anderen Worten.

Blätter.
Sie schwanken.
Sie wirbeln.
Leicht.
Von mir gelöst.
Und doch standhaft,
zeichnen sie Wasser
auf die trockene Erde.

 

Anmerkungen / Notas

* Visgueiro: in den tropischen Wäldern Mittel- und Südamerikas heimischer Großbaum, bekannt für seine mächtigen Wurzeln und seine weit ausladende, majestätische Krone. Im Gedicht erscheint er als Bild von Verwurzelung, Schutz und Erinnerung.

** Pororoca: Naturphänomen an Flussmündungen Amazoniens, bei dem die Flut mit großer Wucht flussaufwärts drängt; im Gedicht erscheint sie als Bild von innerer Erschütterung, Aufprall und überwältigender Bewegung.


A minha obra são folhas em terno movimento

 
 

respondi àquela voz terna, ainda sem rosto.
Uma voz serena, amigável, curiosa.

Busquei minhas palavras na memória.
Como surgiram textos, poemas, frases soltas?
Em que impulso profundo a palavra encontra abrigo em mim?

Olho ao redor de mim.
Minha trajetória entre mundos e sentires.
Caminhos percorridos em diversas geografias, solos, histórias, gentes.

Sinto o pulsar do existir em mim,
overwhelmed,
solidão.

Na palavra escrita encontrava a companhia
que me devolvia um lugar seguro em mim.

Alimento-me da grandiosidade do mundo,
de seus habitantes,
dos sentidos dados ao existir.

Tudo aquilo - línguas, fonéticas desconhecidas, sabores, espantos - encontrava nas folhas de papel e na caneta o abrigo onde eu me recolhia, quando me perdia nos sons ao redor, nos sentires que me transbordavam.

Gritos, dores, gozos, cantos, segredos.
Tudo cravado em folhas, pedaços de papel, recortes, post-its, restos guardados às pressas.

As folhas ternas em movimento me permitiam atravessar florestas densas do luto.
Encontrar repouso para as lágrimas escorridas aos pés de um visgueiro* suntuoso,
cujas raízes abraçavam as minhas próprias raízes,
ali onde jazia, enterrado, o corpo de um amor.

Nas areias dos desertos das minhas vertigens,
eu desenhava palavras.
Palavras que me revelavam o mais profundo de mim.
Lembranças que me traziam de volta,
como tempestades quentes,
com sua força impalpável.

Incêndios de grandes paixões.
Pororocas** de desespero.

Chamada a sair do eu-d’água,
aguardando o desembocar
no encontro com outras palavras.

Folhas.
Balançam.
Rodopiam.
Leves.
Livres de mim.
E, ainda assim, firmes,
desenham água
sobre terra seca.

 

 

 

Erstellungsdatum: 06.07.2026