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Gedicht von Tamara Labas

meine großmütter trugen das schweigen

Tamara Labas



meine großmütter trugen das schweigen
wie ein heiliges brokatkleid
sprachen nicht vom inferno und von schattenrissen
sie erschufen eine realität aus leichtigkeit und hunger
ein paradies aus widersinn

das neugeborene kam als stern
und verglühte

sie aber erzählten von seuchen
die an unreifen äpfeln hingen
verblümte geschichten
verwischten die feinen schmutzpartikel sorgfältig
führten krieg gegen den kosmischen staub
mehrmals und immer zur falschen zeit
hissten sie das schneeweiß auf wäscheleinen

ich kratzte an ihrer haut
das drama enthüllte sich hinter dem abgezogenen fell.

 

 

Aus: Tamara Labas: „ein windstoß aus fehlern und zeit“, Edition Faust, Frankfurt 2026

 

 

 

Erstellungsdatum: 19.09.2026