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Epen auf dem Tennisplatz und in Musik und Literatur

Tenniskünste

Matthias Buth


A Rally (1885). Gemälde von John Lavery. Wikipédia

Beim Tischtennis ist Technik, Reaktionsschnelligkeit und Instinkt gefragt. Tennis auf rotem Sand aber ist nicht nur von der Tagesform abhängig, sondern mit einer Überzahl an Gefühlen belastet, kennt größte Hoffnung und tiefste Verzweiflung. Und jähe Wut lässt schon mal den Tennisschläger in Trümmer gehen. Die körperliche Intensität macht Tennis zum Ringkampf auf Distanz. Doch es setzt sich auch, wie Matthias Buth schreibt, mit musikalischen Spannungsverhältnissen in Vergleich und mit der großen Klanggeste.

 

Nur in der Einsamkeit kann jeder ganz er selbst sein; in ihr allein ist Freiheit.

Das wusste der Philosoph Arthur Schopenhauer, ein Experte der Einsamkeit. Diese Erkenntnis spiegelt sich mit dem, was der Dichter Friedrich Schiller über das Spiel meinte: nur im Spiel könne der Mensch ganz zu sich selbst finden, ganz bei sich sein. Das Spiel schafft also einen Raum der inneren Freiheit.

Auf dem Tennisplatz ereignet sich beides. Das körperlose Spiel mit und gegen einen anderen zieht an, weil man sich selbst erleben kann. Im Duell ist jede und jeder einsam, nämlich auf sich selbst gestellt, auf die eigenen Fähigkeit mit Schläger und Ball, auf sein Können, das wächst oder mit dem Alter vergeht. Auf der roten Asche gelingen die meisten Schläge nicht, entsprechen die Kross‘ und Longlines, die Lobs und Stopps nicht dem inneren Bild. Und dennoch versucht man es immer wieder, die Sehnsucht nach dem perfekten Schlag bleibt. Tennismatches sind auch Klang. Denn das krachende Plopp beim Aufschlag verrät schon einiges über die Geschwindigkeit des Balles; bei den schnellen Bällen mit der Vorhand ist es nicht anders. Zudem liest man die Körpersprache des Gegenübers, um dessen Aktion zu antizipieren, sieht an den Laufbewegung und am Ausholen, wohin der Ball gesetzt werden soll.

Anne Sophie Mutter ist eine Geigerin auf allen Podien der Welt, ihr Spiel bezwingt, entführt in andere Sphären und öffnet den Himmel – in uns. Alle bedeutenden Komponisten der Welt haben ihr Werke geschrieben, auch ihr letzter Ehemann André Previn. Bei ihr klingen Mozart und Beethoven geradezu atmend und wie nur für uns heute geschrieben. Bei den Violinkonzerten von Mendelssohn, Bruch und Schumann ist es ebenso.

Erstellungsdatum: 08.04.2026