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Wolfgang Rüger über das US-amerikanische Künstlerpaar Jane und Paul Bowles

Wahnsinnig verrückt

Wolfgang Rüger


Jane Bowles (1951). Foto: Carl Van Vechten, wikimedia commons

„Jane und ich malten uns aus, wie lustig es wäre, wenn wir heirateten und jedermann einen Schreck einjagten, vor allem unseren Familien“, erinnert sich Paul Bowles in „Rastlos“. Die Hochzeit fand 1938, einen Tag vor Washingtons Geburtstag, in Manhattan statt – und niemand reagierte erschreckt. Wolfgang Rüger beschreibt das Werk, den ungleichen Erfolg und das wechselvolle Eheleben des nicht heterosexuellen Schriftsteller-Paares Jane und Paul Bowles, das sich permanent auf Reisen befand.

 

Sex ist kein Muss in der Ehe. Der Bund für’s Leben sollte andere Fundamente haben: Freundschaft, Vertrauen, Respekt, Verlässlichkeit, Verantwortung. Paul und Jane Bowles haben 1938 geheiratet und blieben bis zu Janes Tod 1973 ein platonisches Liebespaar. Er war schwul, sie lesbisch. Für die damalige Zeit keine ungewöhnliche Paarkonstellation. Es war aber nicht nur die Wahrung einer bürgerlichen Scheinfassade, die beiden waren sich auch künstlerisch sehr zugetan. „Im Übrigen wäre es nett, wenn Du Deine Arbeit [The Sheltering Sky] nicht als Deinen ‚kleinen‘ Roman bezeichnen würdest, wie in Deinem Brief, denn ich bin überzeugt, er wird sehr stark und doppelt so gut wie meiner, und bestimmt auch erfolgreicher, genauso wie Dostojewski und Sartre.“

Jane Bowles‘ Buch „goNza magilla. Ein Leben in Briefen“ dokumentiert eine unwiederholbare Zeit und eine Philosophie der Libertinage. Wenn man diese teils sehr langen Briefe liest, wird einem klar, wie radikal sich die Kommunikationswege und Reisemöglichkeiten in den letzten 80 Jahren verändert haben. Das Ehepaar Bowles war sehr reisefreudig, vor allem Paul war ständig unterwegs, fast ausschließlich mit dem Schiff. Ausgetauscht haben sich die beiden per Brief und Telegramm. Heute unvorstellbar, dass man auf drängende Fragen manchmal Wochen auf die Antwort warten musste. Gleichzeitig faszinierend, dass die Post ihren Empfänger, wo immer er sich gerade aufhielt, doch erreicht hat. Jane und Paul hatten jahrelang keinen gemeinsamen festen Wohnsitz, zogen von einer billigen Absteige zur nächsten oder kamen kurzfristig bei Freunden unter. 

Erstellungsdatum: 08.08.2026