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Breidecker, Volker

Dr. Volker Breidecker, Kunst- und Literaturwissenschaftler und Politologe, lebt als freier Autor, Herausgeber und Publizist in Frankfurt am Main. Für die Reihe „Die Andere Bibliothek“ erschloss er Leben, Werk und Schicksal der Schriftstellerin Grete De Francesco (Margarete Weissenstein, Wien 1893 - KZ Ravensbrück 1945) und gab deren wiederentdecktes Werk von 1937 „Die Macht des Charlatans“ heraus. Ebenfalls in der „Anderen Bibliothek“ edierte er erstmals nach dem Typoskript von Joseph Roths letzter Hand den großen Essay „Die weißen Städte“ und erschloss den ostgalizisch-jüdisch-französischen Kontext dieses Schlüsseltexts für Roths Leben und Werk. (Joseph Roth, Rot und Weiss. Wanderer zwischen Städten“, Berlin 2022)

Volker Breidecker. Foto: Alexander Paul Englert

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Volker Breidecker über Schwarze Avantgarden

Der Kitsch, der Tod, die Gewalt und ihre Liebhaber

Black is Back. Vor dem Terroranschlag auf die Besucher des Berliner Christopher Street Day hatte Abdul B. vorübergehend schwarze Kluft angelegt, um in vollständiger Vermummung vor der laufenden Videokamera seines Mobiltelefons eigens einen Treueschwur auf den „Islamischen Staat“ (IS) abzulegen. Volker Breidecker geht in diesem Essay der profanen Frage nach, was den IS für frustrierte junge Männer so besonders attraktiv macht und was das alles im Zusammenspiel von Thrill, Faszination und Schrecken, von Sex, Gewalt und Horror mit Pop-Kultur zu tun hat.

Volker Breidecker erinnert an den G8-Gipfel von Genua vor 25 Jahren

Ragazzi dell’Europa

Italien hat ein massives Gewaltproblem: Femizide geraten zur virilen Seuche, kaltblütig exekutierte Selbstjustiz wird von namhaften Politikern der Rechten gefeiert, exzessive, zuletzt tödliche Polizeigewalt von denselben Politikern gerechtfertigt, während ein neuer ultrarechter Shooting-Star KI-generierte Hinrichtungsphantasien verbreitet. – Wie an einen traumatischen Wendepunkt des Landes erinnert sich die italienische Zivilgesellschaft in diesen Tagen an eine gespenstische, blutig verlaufene politische Veranstaltung vor genau 25 Jahren, im Jahr 1 der Ära des Trump-Vorläufers Berlusconi. Volker Breidecker war damals Zaungast.

 

Volker Breidecker über Guido Cavalcanti als mittelalterlicher Vorläufer von Bob Dylan

Der Schwierige, federleicht

Boccaccio verewigte ihn in einer Novelle des Decameron: Nicht ganz so berühmt wie sein Jugendfreund Dante Alighieri, gilt der Florentiner Guido Cavalcanti gleichwohl als Hauptvertreter des „dolce stile nuovo“, mit dem die Liebeslyrik der Troubadoure ein neues, sublimeres Niveau erlangte. Als Flüchtling vor den Bürgerkriegen in seiner Heimatstadt hatte er selbst größten persönlichen Schaden genommen und doch stets seine Haltung und Würde bewahrt. – Volker Breidecker holt den Poeten in die Gegenwart zurück.

Volker Breidecker über die alte Hafenstadt Genua, ihren Sänger und das Meer

Creuza de Mä

Christoph Kolumbus, schon als Jugendlicher auf den Schiffen, war Freibeuter, Entdecker, Vizekönig der indischen Länder und vieles mehr. Wer weiß, dass er aus Genua kam, den überrascht das nicht. Das Meer hat die Stadt hervorgebracht; als Seemacht und Handelsmetropole ist sie in den Geschichtsbüchern verzeichnet. Aber Genua ist auch die Hauptstadt des Canzone, in der alte Liedtraditionen wie die der Tralaleros gepflegt werden und Lieder aus Fenstern und Gassen springen. Volker Breidecker hat die ligurische Capitale porträtiert.

Volker Breidecker auf den Spuren von George Sand

Im Schwarzen Tal des Indre

Die französische Schriftstellerin George Sand, deren Todestag sich zum 150. Male jährt, lebte so frei, wie es ihr nur möglich war; sie rauchte Zigarren und trug auch mal Hosen, was im 19. Jahrhundert unüblich war. Die große Liebende und unermüdlich Schreibende – etwa 180 Werke soll sie verfasst haben – war umfassend gebildet und wissbegierig, zugewandt nicht nur den Lebenden, sondern auch dem Personal ihrer Romane und dem Ambiente, das sie realen Vorbildern entnahm. Volker Breidecker erzählt von George Sand und benennt einige Orte im Leben der Autorin und Schauplätze ihrer Romane.

Volker Breidecker über Joseph Roths Suche nach der verlorenen Kindheit Europas (und der eigenen)

Rote Korallen, weiße Städte

Joseph Roth, der in seinen Romanen die Verfassung des modernen Menschen angesichts der Katastrophen und Verwerfungen seines Jahrhunderts so treffend schilderte wie kein anderer, weitete in seinen Essays, Reportagen und Feuilletons den Blick über die Straßen, Plätze und Winkel des europäischen Ostens wie Westens und zeigt sich (wie Patrick Modiano über ihn schreibt) „durch die verzehnfachte Aufmerksamkeit für die Umwelt, durch den Sinn für Detail und Atmosphäre“ als der „hellsichtigste aller Beobachter!“. Volker Breidecker schreibt über den großen Europäer Roth. 

 

Grete De Francesco. Die Macht des Charlatans

Der Charlatan als Präsident

Der Wunsch als Vater des Gedankens beeinträchtigt unseren Verstand, dessen wir uns als aufgeklärte Menschen bedienen sollten. Der Scharlatan bedient diesen Wunsch so, dass die innere Warnung vor seinem Geschwätz verblasst. Grete De Francesco hat in ihrem 1937 erschienenen Buch „Die Macht des Charlatans“ diese Methode gründlich beschrieben – zu einer Zeit, als zwei bis drei größenwahnsinnige Scharlatane ganze Völker um den Verstand gebracht hatten. Volker Breidecker klärt über die Autorin und ihr Buch auf.

 

Zum Tod von Alexander Kluge

Hingabe an die Zufälle des Lebens

Nicht nur die Oper war für Alexander Kluge ein Kraftwerk der Gefühle. Die leitende, planende und gestaltende Vernunft erkannte er stets vom Antirealismus des Gefühls verschoben und verrückt. So wie er als Jurist, der er ja auch war, eine formale Stärke ins Spiel brachte, so ließ er als Poet ohne lyrische Ambitionen die Disziplinen des Films, des Gesprächs, der Musik, des Essays und der Erzählung durchlässig werden. Die Weltliteratur war ihm ein Gespräch über die Jahrhunderte hinweg, und er wurde nicht müde, daran teilzunehmen. Volker Breidecker erinnert an die Frankfurter Poetikvorlesung des universalen Intellektuellen und Künstlers.

Elitennetzwerke

Innenansichten aus deutschen Herrenzimmern

Wie einflussreiche Eliten in Deutschland über Jahrzehnte hinweg Netzwerke knüpfen, sich gegenseitig schützen und selbst schwerste Vergehen relativieren: Volker Breidecker wirft einen Blick hinter die Fassaden der Macht. Von NS-Verbrechen bis zu zeitgenössischen Missbrauchsskandalen zieht sich ein roter Faden aus Korpsgeist, Loyalität, Schweigen und Selbstgerechtigkeit – und wirft Fragen nach Schuld und Mitschuld auf, nach Verantwortung und Mitverantwortung.