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Lüdke, Martin

Martin Lüdke wurde 1943 in Apolda / Thüringen geboren und lebt, seit er lesen kann, in Frankfurt am Main. Er ist Literaturkritiker, hat aber auch als Professor für Neuere Deutsche Literatur an den Universitäten Frankfurt, San Diego, Gainesville, sowie für das Fernsehen des Hessischen Rundfunks und des Südwestrundfunks (»Literatur im Foyer«) gearbeitet.

Alle Beiträge

Isolde Ohlbaums Langzeitporträt Peter Handke

Wie Handke Handke geworden ist

Peter Handke teilt sich mit, indem er unaufhörlich schreibt. In Gesprächen dagegen zeigt er sich oft reserviert. Nun öffnet sich ein anderer Zugang zum Schriftsteller Handke, der seinen Werdegang und seine familiären Verhältnisse sichtbar macht. Die Fotografin Isolde Ohlbaum, die vor allem mit Autorenporträts bekannt geworden ist, hat über ein halbes Jahrhundert hinweg den nahe Paris lebenden, prominenten Autor mit zahllosen Momentaufnahmen abgelichtet und eine Auswahl daraus in Buchform veröffentlicht. Martin Lüdke ist davon beeindruckt.

Emily Brontës Roman „Sturmhöhe“ in Darmstadt

Erst braust es nur, dann braut sich was zusammen

„Was kann eine gute stehende Schaubühne eigentlich bewirken?“ Friedrich Schiller, der mit seiner Rede „Die Schaubühne als eine moralische Anstalt betrachtet“ darauf antwortete und forderte, dass das Theater sein Publikum erziehen und belehren und deshalb „jede Fessel der Künstelei und der Mode“ abwerfen sollte, wäre vermutlich mit dem heutigen Stand der darstellenden Kunst nicht glücklich gewesen. In Darmstadt wurde Emily Brontës Roman „Sturmhöhe“ gespielt und mit aktuellen Botschaften versehen. Martin Lüdke hat sich das angesehen.

Ein (Fabel-)Tier in der Kunst: Das Einhorn

Nichts, was es nicht gibt

Es gehört zu den wunderlichsten Rätseltieren und ist nicht frei von Frivolität. Und vor allem, wie gelangte es in die christliche Mythologie? „Das Einhorn entstand in den orientalischen Sagen und gehörte zu den Wundern der Welt. Auf verschlungenen Wegen kam es nach Europa und stachelte die Phantasie an.“, schrieb Ria Endres. Mit seinem gedrechselten Horn ist es in einer großen Ausstellung des Potsdamer Museums Barberini präsent, die Martin Lüdke gesehen hat.

Das Arbeits- und Sammlerleben des Verlegers Lothar Schirmer

Sein Leben: Bücher und Bilder

Genaugenommen ist Sammler kein Beruf, sondern eine Leidenschaft, oft eine Besessenheit. Bei Kunstsammlern tritt noch eine Mischung aus interessegeleitetem ästhetischen Begehren und Wert-Schätzung hinzu. Aber, wie die Bekenntnisse des Kunstbuch-Verlegers Lothar Schirmer nahelegen, sind Kenntnis und Genuss nicht die einzigen Kriterien, um von bedeutenden Werken fasziniert zu sein. Martin Lüdke hat sich von zwei Büchern des Verlegers aufklären und unterhalten lassen.

Gabriele Münters „Reise nach Amerika: Photographien 1899–1900“

Bilder aus Amerika

Bekannt ist sie als prominente Malerin des Expressionismus, auch als Zeichnerin, bis vor fast 20 Jahren das Münchner Lenbachhaus Gabriele Münters Fotografien ausstellte. Diese Fotografien, von Helmut Friedel in Buchform veröffentlicht, entstanden Ende des 19. Jahrhunderts in Amerika und zeigen einen eigenwilligen Zugriff auf die sichtbare Realität. Martin Lüdke hat sich von der Sammlung überraschen lassen.

Ausstellung „Kirchner. Picasso“ LWL Museum Münster

Eine Zeit lang: Zeitgenossen

Jeder Künstler ist ein Originalgenie und einzigartig. Es gibt also Tausende einzigartige Originalgenies, die sich vermutlich gegenseitig feindschaftlich hochschätzen. Tatsächlich könnte es für einen Künstler entwürdigend sein, wenn seine Werke mit denen anderer Künstler in Vergleich gezogen werden. Das aber findet tendenziell in jeder Gemeinschaftsausstellung statt. Das Anfang des letzten Jahrhunderts gegründete Museum des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) hat es nun gewagt, in Münster zwei Ikonen der Modernen Malerei gemeinsam zu präsentieren: Pablo Picasso und Ernst Ludwig Kirchner. Martin Lüdke hat genau hingesehen.

Brechts „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ in Frankfurt (1)

Was war denn da los? Irre viel!

Was 1941 mit Blick auf Deutschland geschrieben wurde, lenkt heute die Perspektive nach den USA. Zu viele Parallelen weisen das Vorgehen des Arturo Ui, wie Bertolt Brecht ihn – unwissentlich – charakterisiert hat, dorthin. Es sind die Strukturelemente diktatorischer Machtergreifung, die der Augsburger Dramatiker bühnenwirksam hervortreten lässt und schon damals in den Vereinigten Staaten ignoriert wurden. Die Frankfurter Inszenierung des epischen Dramas haben gleich zwei unserer Autoren besucht. Martin Lüdke schrieb uns: „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ geriet in Frankfurt zum Triumph.

Hans Joachim Schädlichs Band „Bruchstücke“

Aber hallo!

Man sollte erwarten, dass man zum Geburtstag – selbst zum 90. – Geschenke bekommt. Bei Hans Joachim Schädlich ist es umgekehrt. Er hat sich seine Gedanken gemacht, sie in Form von anekdotischen Notizen gesammelt und in ein Buch gepackt, das er seiner Leserschaft zum Jubiläum offeriert. Auf diese Weise ist es freilich auch ein Geschenk an sich selbst. Martin Lüdke hat nun in seinem Geburtstagsartikel seine Erinnerungen dazugelegt und sich am Buch erfreut.

„Antigone" von Sophokles in Frankfurt

Ein Triumph des ‚Theaters‘

„Das Gleiche lässt uns in Ruhe; aber der Widerspruch ist es, der uns produktiv macht“, erklärte Goethe seinem Eckermann anlässlich der „Antigone“. Lässt sich der Widerspruch nicht auflösen, spricht man von einer Tragödie. Und mit der „Antigone“ hat Sophokles das Modell aller folgenden, wahren Tragödien verfasst. In Frankfurt hat man es gewagt, den „Klassiker“ wieder auf die Bühne zu bringen. Martin Lüdke ist davon angetan.

Grusical „Das Sanatorium zur Gänsehaut“ von Ferdinand Schmalz

Na! Was ist denn das?

Nicht nur Dramatiker müssen sich heute fragen, ob das Schreckensszenario einer „schönen neuen Welt“ nicht längst ihren Schrecken verloren hat und wie man heute eine solche infernalische Gesellschaft thematisiert. Aber vor allem Theaterleute stehen vor der Aufgabe, dies mit den Mitteln der Kunst auch überzeugend realisieren zu müssen. – Das Schauspiel Frankfurt eröffnete die neue Saison mit einem „Grusical“ von Ferdinand Schmalz, und Martin Lüdke hat es gesehen.

Arthur Millers „Ein Blick von der Brücke“ im Schauspiel Frankfurt

Ganz schön, aber daneben

Aktualität ist gerade im Theater zu einem systemrelevanten Kriterium geworden. Das kann heißen, dass dem Publikum nicht mehr zugetraut wird, Dramen von gestern heute nachzuvollziehen. Es kann aber auch bedeuten, dass der einstige Konflikt inzwischen behoben ist oder wir uns an ihn gewöhnt haben. Arthur Millers Stück „Blick von der Brücke“ von 1955/56 spielt in den frühen 50er Jahren, als es in den USA eine Einwanderungsproblematik und Hungersnöte gab. Martin Lüdke hat in der Frankfurter Premiere die Aktualität verfehlt gesehen.

Ewalina Marciniak inszeniert den „Großen Gatsby“ in Frankfurt

Ein armes Würstchen

Vor hundert Jahren demonstrierte das Glamourpaar Zelda und F. Scott Fitzgerald den Hedonismus der begüterten Klasse Amerikas – bis zur permanenten Verschuldung. Das schloss nicht aus, dass der damals schon berühmte Schriftsteller Fitzgerald in seinem Roman „Der große Gatsby“ diese Partygesellschaft distanziert und mitleidlos schilderte. Ihn für die Bühne zu dramatisieren, ist sicher eine Herausforderung. Martin Lüdke beschreibt, was daraus geworden ist.

Ingmar Bergmans „Szenen einer Ehe“

Vom Regen in die Traufe?

Dass wir, wenn es um Gefühle geht, Analphabeten sind, muss ja nicht bedeuten, dass unsere Gefühle alphabetisierbar sind. Wer wollte Standardgefühle, die im Gefolge der Benennbarkeit entstehen, eintauschen gegen das Unsagbare, oft Unsägliche? Einst sprach man von der Verdinglichung der Gefühle, mit der nicht nur Hollywood Geschäfte machte. Ingmar Bergman hat in den frühen 70er Jahren des letzten Jahrhunderts die Spannung zwischen Verständigung, Verständnis und Ratlosigkeit gestaltet. Martin Lüdke hat die „Szenen einer Ehe“ in Form eines Bühnenstücks im Schauspiel Frankfurt gesehen.

Saisonstart: Goethes „Faust“ (1 & 2) in Frankfurt

Das fängt ja gut an

Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft – das sagt sich so mephistophelisch leicht dahin. Doch wer weiß denn, was damit gemeint ist? Goethe hat den ersten volkstümlich-kritischen Teil des „Faust“, aber auch den visionären, weit ausgreifenden zweiten Teil mit paradoxen und aporetischen Sentenzen durchsetzt, die einem zu denken geben. Dass der gesamte „Faust“ für allfällige gesellschaftspolitische Interpretationen taugt, beweist, dass er nicht von gestern ist. Die Version, die jetzt in Frankfurt Premiere hatte, ist bei Martin Lüdke auf positive Resonanz gestoßen.