Norbert Rojan über die Wandlung des Henry Jaeger
Varianten einer Biografie

Es hat sicher mit ihrer gefährlich exzentrischen Erfahrung zu tun, dass Autoren mit krimineller Vergangenheit eine besondere Anziehungskraft ausstrahlen. Hinzu kommt die Selbstermächtigung: Im Gefängnis sich schreibend aus dem „Milieu“ zu entfernen, gilt als starke emanzipatorische Leistung. Wenn die Bücher auch noch gut geschrieben sind und darüber hinaus die Neugier auf ruchlose Informationen versprechen, mag der Erfolg mit Händen zu greifen sein. Aber auch die Literatur der Gesetzlosen hat ihre Konjunktur. Der Schriftsteller Henry Jaeger ist durch Höhen und Tiefen gegangen, und Norbert Rojan hat seine Geschichte notiert.


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Matthias Buth über Clara und Robert Schumann
Schumanns 12. September 1840

Clara und Robert Schumann – ein Paar wie aus dem Bilderbuch. Und doch: Von der mühsam errungenen Hochzeit bis zu Krankheit und Tod Roberts und darüber hinaus wirkt beider Biografie neben und eben bei höchsten Ansprüchen verschattet. Sie, die Komponistin und berühmte Pianistin, die als Witwe ihre kompositorische Tätigkeit einstellte; er, der bedeutendste Komponist der Romantik, der auch als Redakteur der Neuen Zeitschrift für Musik schwer zu überbietende Maßstäbe gesetzt hat, – es wurde ihnen nicht leicht gemacht. Matthias Buth beschreibt die hellen und dunklen Seiten beider Menschen.


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Jutta Roitsch über Bally Bagayoko, den neuen Bürgermeister von Saint-Denis
Das Gesicht der Pariser Banlieues

Fast konnte man glauben, dass die gegenseitige Blockade der politischen Kräfte in Frankreich sich verewigen. Überraschungen können in Prognosen über Machtverhältnisse nicht vorkommen. Aber vorkommen können sie schon. In Saint Denis, im nördlichen Teil der Métropole du Grand Paris gelegen, ist der schwarze und muslimische Bally Bagayoko zum Bürgermeister und Kommunalpräsident gewählt worden. Die französische Nation ist nicht untergegangen, und von einer Konterrevolution ist nichts zu spüren. Jutta Roitsch schreibt über einen Politiker, der sich den Problemen seiner Wähler widmet.


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Rainer Erd über die Brandkatastrophe am „Markt der roten Kinder“ in Paris
Adieu, les enfants rouge

Die Bibliothek von Alexandria ist abgebrannt, Rom hat gebrannt, jüdische Ghettos wurden abgebrannt, Moskau wurde in Brand gesetzt, Wohnhäuser, Opern und Krankenhäuser in der Ukraine wurden mit Feuer zerstört, Kathedralen und neuerdings auch Rathäuser brannten, – das Feuer vernichtet unwiederbringlich alles von gesellschaftlicher und ideeller Relevanz, selbst wenn es rekonstruiert werden kann. Nun wurde im Pariser Viertel Marais der „Markt der roten Kinder“ Opfer der Flammen. Rainer Erd skizziert die Geschichte der Einkaufshalle und fügt sie seinen Pariser Geschichten bei.


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Wolfgang Rüger über die Neue Berliner Illustrierte Zeitung
Plädoyer für Papier

Nicht alle Zeitungen, die von Obdachlosen Berlins ausgetragen werden, sind Obdachlosenzeitungen. Die Neue Berliner Illustrierte Zeitung, die im Januar 2024 vom Designer Johannes Beck gegründet wurde, setzt nicht nur die Tradition von ehemaligen Berliner Illustrierten fort. Sie setzt noch eins drauf: Mit ihren hohen Ansprüchen an Texte und Bildern, mit attraktiven Themen abseits des Mainstreams bekennt sie sich zum antizyklischen Vorgehen. Das ist eine gute Nachricht. Wolfgang Rüger hat sich mit dem Qualitätsblatt befasst.


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Cornelia Wegerhoff lenkt den Blick auf sudanesische Kunst und Literatur
Ein flüsternder Damm

„Sudan – neu erzählt“: Mit einem vielseitigen Veranstaltungsformat rückt der Verein „Afrikanische Perspektiven“ die Vielfalt sudanesischer Kunst und Literatur in den Mittelpunkt. So öffnet sich ein anderer Blick auf das von Krieg und Flucht gezeichnete Land. Es sind Geschichten von Menschen, in denen sich die tausend Gesichter des Sudans spiegeln. Cornelia Wegerhoff war bei den Veranstaltungen in Münster dabei und hat mit den Künstlerinnen Ola Hassanein und Amna Elhassan gesprochen.


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Hans-Jürgen Linke über S.A.D.O.: Johann Fritz Tannhäuser. Die wiedergefundenen Meisterwerke
Der Prinz auf dem Granatapfel

Das Sinnhafte ist in den meisten Fällen Anliegen und Ziel künstlerischen Arbeitens. Der Unsinn dagegen gehört zu den Extraleistungen, die zu wagen auch extra Mut und Aufwand erfordert. Wenn also konventionell gewandete Musiker die Disziplin aufbringen, alles Bekannte zu vermeiden, und dennoch im ernsten Unernst ihre Distanz selbst zum eigenen Konzertieren hörbar machen, lässt sich nur Unerwartetes erwarten. Hans-Jürgen Linke hat sich die „wiedergefundenen Meisterwerke“ des Johann Fritz Tannhäuser angehört.


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20-jährige Jubiläumsfeier zur „Bibel in gerechter Sprache“ in Frankfurt/M.
Diverse Debatten

Vor 20 Jahren, am Reformationstag 2006, wurde die „Bibel in gerechter Sprache“, die BigS, der Öffentlichkeit übergeben. Sie macht vor allem die Frauen in den biblischen Erzählungen, Gesetzen und Gebeten sichtbar. Sie geht neue ökumenische Wege in der Wertschätzung des Judentums, und sie zeichnet die sozialen Verhältnisse der biblischen Welt verständlich nach. „Diverse Debatten“ – unter diesem Motto steht ein Fest zum 20-jährigen Jubiläum der BigS. Es findet am Sonntag, dem 25. Oktober 2026, 14–18 Uhr in den Räumen der Friedenskirche in Frankfurt am Main statt.


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Empfehlung: Textland Literaturfest 2026 zum Thema Hoffnung in Frankfurt/M.
Textland in der Evangelischen Akademie Frankfurt

Der Auftakt des diesjährigen Textland Literaturfests findet am 30.10. bis 31.10. in der Evangelischen Akademie Frankfurt statt. Von Freitag bis Samstag Abend ergründen namhafte Autor:innen in Lesungen, Gesprächen und Diskussionen, wie sich Hoffnung ohne Realitätsbeschönigung bewahren lässt und was Literatur in einer von Gewalt, Spaltung und Verunsicherung geprägten Zeit hierzu beitragen kann. Ein Novum ist der Live-Podcast mit Hadija Haruna-Oelker, Max Czollek und Alice Hasters, die über den Zusammenhang von verdrängter Geschichte und gesellschaftlicher Gegenwart diskutieren.


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Empfehlung: Veranstaltungsreihe Liebknecht200 in Gießen
Ars Democratica

Mit der Veranstaltungsreihe Liebknecht200 erinnert die Stadt an Wilhelm Liebknecht, der am 29. März 1826 in Gießen geboren wurde und am 7. August 1900 in Berlin starb. Er war Mitbegründer der deutschen Sozialdemokratie, eine der prägenden Figuren der Arbeiterbewegung und leidenschaftlicher Parlamentarier. Als Festival und Kongress verbindet die Ars Democratica performative Methoden mit politischer Bildung.


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