Rainer Erd über Stefan Müller-Doohms Buch „Frankfurt als geistige Lebensform“
Von der Provinz in die Metropole am Main

„Geistige Lebensform“ ist zwar, wie so vieles in Frankfurt, eine selbstironische Bezeichnung der kleinen Großstadt, aber sie deutet an, was dort einige Jahrzehnte zu erleben war: reger Austausch der Einsichten zu Politik und Kultur sowie Offenheit für, Furchtlosigkeit, manchmal auch Respektlosigkeit gegenüber der Theorie und eine enorme Produktivität auf allen Ebenen. Einer der Biografen der Wissenschafts- und Literaturzentrale, der 80 Jahre gewordene Stefan Müller Doohm, hat in seinen Erinnerungen und Essays Persönliches eingebracht. Rainer Erd schreibt von seinem Lesevergnügen.


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Michael Eschmann über die neu herausgegebenen Gedichte Danny Gürtlers
Zwischen Gefängnis und Irrenhaus

Heutige Psychiater haben sicher die passenden Diagnosen für das Verhalten des Kabarettisten und Schauspielers Danny Gürtler, der von 1875 bis 1917 lebte. Dessen Späße und Sottisen richteten sich gegen die Autoritäten an der Spitze der irdischen Hierarchie, aber auch gegen die bigotte Wahrung von Sitte und Anstand in den Kaiserreichen. Und Gedichte und Prosa schrieb er auch noch. So jemand gehörte selbstverständlich weggesperrt. Wilfried Ihrig hat die Gedichte des Darmstädter Künstlers neu herausgegeben, und Michael Eschmann stellt das Buch vor.


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Thomas Rothschild über die Demokratie und die Künste
Hinter vorgehaltener Hand

Die Göttin der Demokratie ist nicht für die Künste zuständig. In der Antike waren dafür Musen unter ihrem Schirmherrn Apollon verpflichtet. Neun waren es zuletzt. Eine Göttin für eine volksherrschaftliche Organisation gab es gar nicht. Demokratie war und ist Angelegenheit der Bürger selbst. Nicht nur in der gegenwärtigen Diskussion werden Demokratie und Kultur als gegenseitige Schutzmächte begriffen. Thomas Rothschild widerspricht, stellt unangenehme Fragen und gibt ebensolche Antworten.


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Volker Wackerfuß über den ewigen Mambo-König Pérez Prado
Spitze Trompeten, tiefe Saxophone und „Ugh“

Auf Kuba wurde in den 1930er Jahren der Mambo geboren. Die Verknüpfung unterschiedlicher Musikrichtungen ist längst in die Populärmusik eingesickert und auch in deutschen Hitparaden präsent. Diese Stücke lassen sich aber nur bedingt mit den Kompositionen von Dámaso Pérez Prado vergleichen, der als Urheber und „König des Mambo“ gilt. Volker Wackerfuß erinnert an den 1989 verstorbenen Musiker und ermuntert dazu, dessen vielfältiges Werk wieder zu entdecken.


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Eran Rolnik über die gegenwärtige politische Situation in Israel
Ein starker Führer für ein geschwächtes Israel

Wem die Emanzipation zu anstrengend ist und wer stattdessen die Erfüllung politischer Wünsche in die Hände eines Führers legt, macht sich damit von ihm abhängig. Dass dieser – so viel weiß man immerhin – seine Entscheidungen im eigenen Interesse fällt, das nicht das der Geführten sein muss, gehört zu den offenen Widersprüchen gesellschaftlicher Selbstorganisation. Eran Rolnik hat die Abhängigkeit der israelischen Gesellschaft vom Sinnen, Trachten und Handeln ihres Ministerpräsidenten analysiert und empfiehlt ihr, sich davon zu befreien.


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Walter H. Krämer über den Katalog zur Ausstellung Yayoi Kusama
Ich habe den Urknall gesehen

Punkte ohne Ende. Der Minimalismus in der bildenden Kunst, der sich in Amerika mit Reduktion, Übersichtlichkeit und serieller Fertigung von den künstlerischen Entwicklungen europäischer Provenienz absetzte, sollte sich selbst vom gestaltenden Menschen emanzipieren. Yayoi Kusama, in Japan geboren, nach den USA ausgewandert und mittlerweile 97 Jahre alt, gehört seit den 1960er-Jahren zur New Yorker Avantgarde. Die Retrospektive ihrer Werke, die noch bis zum 11. September in Europa zu sehen sind, ist im Ausstellungskatalog zusammengefasst, den Walter H. Krämer vorstellt.


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Gedicht von Betânia Ramos Schröder
Mein Werk sind Blätter in Bewegung

Deutsch und Português


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Empfehlung: Heute Abend an der Kunstsäule Frankfurt
220 Köpfe – 220 Gedanken mit Philipp Mosetter

Freitag, 10. Juli um 19.30, Brückenstraße/Ecke Gutzkowstraße: Ein kleiner Rundgang um die Frankfurter KunstSäule mit Philipp Mosetter. Ein Kopf ohne Gesicht ist kein Kopf, sondern nur eine Kartoffel (beispielsweise). Im Gegensatz dazu kann jede Kartoffel (beispielsweise), sobald sich darauf ein Gesicht zeigt, ein Kopf sein. Nun ist es aber so, dass in einer Kartoffel (beispielsweise) wenig Gedankliches zu finden ist …


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Empfehlung: Ausstellung im Deutsches Architekturmuseum Frankfurt am Main
TOO HOT – Heiße Städte, neue Wege

Städte werden durch den Klimawandel immer heißer – mit spürbaren Folgen. Hitze, Dürre, Wasserknappheit und Überschwemmung machen deutlich, wie dringend urbane Räume neu gedacht und gestaltet werden müssen. Da Städte den größten Anteil an CO₂-Emissionen verursachen, tragen sie eine besondere Verantwortung, etwa beim Umbau von Infrastruktur und öffentlichem Raum. Viele von ihnen wollen in den nächsten fünfzehn Jahren klimaneutral werden. Was bedeutet das für die Zukunft – für Planung, Architektur und Leben in der Stadt?


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Empfehlung: Das 80. Festival d'Avignon – bis 25. Juli
Festival d'Avignon

Im Jahr 2026 begrüßt das Festival d’Avignon nach Englisch, Spanisch und Arabisch eine asiatische Sprache, die heute weltweit Anklang findet: Koreanisch. Die südkoreanische Kultur fasziniert die ganze Welt: K-Pop, Kino, Serien, Literatur… Doch über diese „Soft Power“ hinaus möchten das Festival den Reichtum der koreanischen darstellenden Künste offenbaren. Es setzt dabei auf ein überwiegend von Frauen geprägtes Programm. Im Jahr 2026 leiten zum ersten Mal mehrheitlich Frauen die am Festival präsentierten Aufführungen: 27 Frauen, 16 Männer und 6 Kollektive.


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