Ria Endres zum 80. Geburtstag von Elfriede Jelinek
Es wird alles immer schlimmer

Die Ambivalenz des Wortes „aufziehen“ strahlt in manchen Familien mechanisch bis in die Aufzucht aus. Da werden die ehrgeizigen Wünsche der Eltern in die Kinder eingepflanzt und rücksichtslos verwirklicht. Die Folgen eines solchen Zuchtprogramms hat Elfriede Jelinek 1983 in ihrem Roman „Die Klavierspielerin“ bis in die letzten psychosozialen Winkel verfolgt. Nun, 43 Jahre später und nach aufsehenerregenden Erfolgen als Bühnenautorin, wird die österreichische Schriftstellerin 80 Jahre alt. Ria Endres erinnert noch einmal an die grandiose „Klavierspielerin“.


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Doron Rabinovicis Rede zur Demo „Wien gegen Antisemitismus“
Me too – even if you’re a Jew!

In seiner Rede bei der Demonstration „Wien gegen Antisemitismus“ am 11. Oktober 2026 thematisiert Doron Rabinovici die Zunahme antisemitischer Anfeindungen und die Situation jüdischen Lebens in Österreich und weltweit. Er setzt sich mit der Instrumentalisierung des Nahostkonflikts, verschiedenen Erscheinungsformen des Antisemitismus und der Verantwortung der Mehrheitsgesellschaft auseinander: Der Kampf gegen Antisemitismus ist nicht allein eine Aufgabe jüdischer Menschen – er ist vielmehr eine gemeinsame Verantwortung für Freiheit, Demokratie und für eine offene Gesellschaft.


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Martin Lüdke über die große Franz-Marc-Ausstellung in Düsseldorf
Blaue Pferde, gelbe Kühe & ein Maler auf unsicherem Weg

Wie sieht ein Pferd die Welt? Das kann man als Mensch nicht wissen. Die Frage lenkt aber den Blick auf die Möglichkeiten unerprobter Sichtweisen. Franz Marc hat im Laufe seines kurzen Lebens mehrere ausprobiert, einen Weg gesucht, die Erscheinung jenseits unserer Gewohnheiten wahrzunehmen. Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen hat mit ihrer großen Franz Marc-Ausstellung „Die Suche nach einer besseren Welt“ die Entwicklung der künstlerischen Suchbewegungen sichtbar gemacht. Martin Lüdke hat die Schau gesehen.


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Ewart Reder über Lola Landaus „Variationen der Liebe“
Das Besondere, das schwer zu ertragen ist

Es geht wieder um Thema Nr. 1. In sieben Kapiteln beschäftigen sich sieben männliche und sieben weibliche Personen mit dem, was man heute pauschal Sex nennt. Geschrieben hat den Reigen Lola Landau, die 1892 in Berlin geboren wurde, nach 1910 erste Gedichte im Berliner Tageblatt veröffentlichte, als Lehrerin arbeitete, nach zwei Ehen und der Machtübernahme der Nazis 1935 nach Palästina floh, schrieb dort bis zu ihrem Tod 1990 in Jerusalem weiter Erzählungen, Gedichte, Theaterstücke und Hörspiele. Ewart Reder hat die 1973 erschienenen „Variationen der Liebe“ aufgefunden.


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Rainer Erd über den Start des Netflix-Films „Dix pour cent Le Film“ in Frankreich
Jetzt streiten sie wieder

Einst nannte man so etwas „Straßenfeger“, weil die Bevölkerung geschlossen vor dem Fernsehapparat saß, um einen fesselnden Mehrteiler zu sehen. Die Bildschirmverführten jüngerer Generationen halten sich jetzt mit ihren smarten Minikinos wieder auf der Straße auf, die Mehrteiler heißen Serien und sind bestenfalls entfesselnd. In Frankreich aber haben sich die richtigen Leute mit den besten Ideen zusammengefunden, um mit einer 10-Prozent-Serie die Straßen zu leeren, – ein Ereignis für Rainer Erds Pariser Geschichten.


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Wolfgang Bock zur Relektüre von Sartres Roman „Zeit der Reife“
An der Wirklichkeit vorbei

Was bleibt von der Freiheit, wenn sie sich nur um sich selbst dreht? In Jean-Paul Sartres „Zeit der Reife“ verdichten sich zwei Tage im Paris des Jahres 1938 zu einem Reigen aus Begehren, Eifersucht, Selbsttäuschung und existenzieller Entscheidung. Mathieu Delarue möchte frei bleiben und verliert dabei genau das, was ihn mit anderen Menschen verbindet. Eine Relektüre von Wolfgang Bock folgt Sartres Figuren durch diese Welt aus Philosophie und Kolportage und fragt, ob hinter dem großen Thema der Freiheit am Ende nicht vor allem die alten Klischees von Liebe, Alter, Geschlecht und Begehren sichtbar werden.


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Kenneth Koark über die Ausstellung im Kunst Archiv Darmstadt „Lager Zwei“ von Simon Gilmer
Das leere Dazwischen

Die Leere ist seit dem 20. Jahrhundert eine viel genutzte Komponente der bildenden Kunst. Mit der Leere sieht man mehr, sie fördert die Konzentration auf das Wenige, das es zu sehen gibt. Im Kunstarchiv Darmstadt ist die Ausstellung „Lager Zwei“ des Künstlers Simon Gilmer zu sehen, die im Rahmen des Jahresprojekts World Design Capital 2026 und dessen Motto „Design for Democracy. Atmospheres for a better life“ stattfindet. Kenneth Koark reflektiert die ungewöhnlich Präsentation.


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Empfehlung: Heute Abend Preisverleihung im Dante 9 in Frankfurt/M
Horst Bingel-Preis für Literatur 2026

Mit diesem Preis werden Arbeiten in der „Kleinen Form“ gewürdigt (Lyrik, Erzählung, Kurzprosa, Essay, Reportage oder Blog), deren literarische Qualität auch als gesellschaftliches Engagement zu lesen ist. In diesem Jahr gibt es zum ersten Mal drei Lyrikpreise. Die diesjährigen Preisträger:innen sind: Henning Ahrens, Daniela Danz und Tom Schulz. Die Laudatio hält Alexandru Bulucz.


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Literaturstipendien im Künstlerhaus Otto Ubbelohde „Zwei Raben"
Schnell noch bewerben!

Das ehemalige Wohn- und Atelierhaus des Malers Otto Ubbelohde befindet sich inmitten von Wiesen am Ortsrand von Lahntal-Goßfelden, ca. zehn Kilometer von Marburg an der Lahn entfernt. Umgeben von Bienen, Schafen und Alpakas finden Schriftstellerinnen und Schriftsteller hier die notwendige Ruhe, um konzentriert an ihren Projekten zu arbeiten oder sich von der Natur des Lahntales inspirieren zu lassen. Die Ausschreibung für 2027 läuft noch bis zum 30. Oktober 2026.


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Empfehlung: Textland Literaturfest 2026 – Thema Hoffnung
Textland in der Evangelischen Akademie Frankfurt

Der Auftakt des diesjährigen Textland Literaturfests findet am 30.10. bis 31.10. in der Evangelischen Akademie Frankfurt statt. Von Freitag bis Samstag Abend ergründen namhafte Autor:innen in Lesungen, Gesprächen und Diskussionen, wie sich Hoffnung ohne Realitätsbeschönigung bewahren lässt und was Literatur in einer von Gewalt, Spaltung und Verunsicherung geprägten Zeit hierzu beitragen kann. Ein Novum ist der Live-Podcast mit Hadija Haruna-Oelker, Max Czollek und Alice Hasters, die über den Zusammenhang von verdrängter Geschichte und gesellschaftlicher Gegenwart diskutieren.


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