Martin Lüdke über die Ausstellung „Monets Küste“ im Städel in Frankfurt a.M.
Ins rechte Licht gesetzt

Die eine Attraktion ist die Steilküste, die von stürmischen Meereswellen zum gigantischen Bauwerk geformt wurde; die andere ist das wechselnde Licht, das die Maler für ihre Inszenierung dieser Architektur nutzten. Eine Ausstellung im Frankfurter Städel zeigt, wie Claude Monet, seine Vorgänger und seine Nachfolger im Fischerdörfchen Étretat in der Normandie die Natur zur Kunst machten und sich als Geburtshelfer des Impressionismus erwiesen. Martin Lüdke, der die Schau besuchte, hat dort das Erhabene gefunden.


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Helmut Ortner über ein „westdeutsches“ Doppelleben
„Bereicherung der Fakultät“

Man hatte sich verpflichtet. „Meine Ehre heißt Treue“ war auf Koppelschloss und Ehrendolch eingraviert. Das hatten die Kameraden nach dem Krieg bei aller Camouflage nicht vergessen. Ein neues Buch zeigt die Metamorphose des SS-Hauptsturmführers Hans Ernst Schneider, der als Hans Schwerte zum Uni-Rektor und Vorzeigedemokraten konvertierte. Es schildert, wie Karrieren belasteter Nationalsozialisten in der Bundesrepublik verlaufen konnten. Helmut Ortner stellt das Buch vor.


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Peter Kern über Karl Heinz Haags Kritik der Naturwissenschaften
Rettung aus Äußerstem

Auch im Alltag ist der Unterschied zwischen Glauben und Wissen oft nicht mit Sicherheit auszumachen. Geht es aber um Glaubensdinge im engeren Sinne, also um die Dogmen der monotheistischen Religionen, tritt im Konfliktfall der Glaube in Opposition zum Wissen, besonders wenn es um die Hegemonie über die Weltanschauung geht. Der 2011 gestorbene Philosoph Karl Heinz Haag hat solch radikalen Dualismus nicht akzeptiert und, wie Peter Kern ausführt, das Verfahren der Kritischen Theorie für die Theologie vorgeschlagen.


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Shila Balfanz spricht mit drei Iranerinnen, die in Deutschland leben
Frausein – Beständiger als die Herkunft

Als Tochter einer iranischen Mutter ist Shila Balfanz mit persischer Lebensart aufgewachsen, hat iranische Frauen erlebt und ihre Stärke innerhalb und außerhalb der Heimat bewusst wahrgenommen. Inzwischen ist Shila selbst Mutter und beobachtet, wie sehr sich die Spielräume für Begegnung inmitten politischer Verwerfungen und eskalierender Gewalt verändern. Im Gespräch mit drei iranischen Frauen, die seit langem in Deutschland leben, fragt sie nach der ihnen eigenen weiblichen Kraft. 


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Walter Krämer über Marina Abramovićs Katalog, Ausstellung und Performance
Ich bereue gar nichts

Die Performancekünstlerin Marina Abramović hat, was einer emphatischen Kunsterwartung entspricht, stets die Grenzen ihrer Kunst verschoben. Mit einer Unbedingtheit geht es ihr darum, das Bewusstsein des Menschen zu verändern, dass sie ihn, geht er darauf ein, auf seine eigenen Tabus stößt, seine eigenen, uneingestehbaren Wünsche. Dabei forscht sie die Herausforderungen der Intimität aus und setzt ihren eigenen Körper aufs ernste Spiel. Walter H. Krämer schreibt über ihre Berliner Ausstellung und Performance und den dazugehörenden Katalog.


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Barbara Zeizinger über Matthias Buth: Dichter-Jurist-Essayist
Die Welt im Fingerhut

Wie sicher er die große Geste ausführt! Der Dichter, der im Kleinen das Große aufspürt und dabei so nebenbei die Zeugen aus dem Gedächtnis der langen poetischen Tradition herbeiruft, der Jurist, geschult am Versmaß seiner Zunft, der auf der Einhaltung der Gesetze besteht und gegen Anmaßung anschreibt: Barbara Zeizinger porträtiert den Dichter-Juristen Matthias Buth, der kürzlich 75 Jahre alt geworden ist. Man muss sich ihn als einen rastlosen Menschen vorstellen.


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Jamal Tuschick über Jürgen Ploog als Visionär der inneren Astronautik
Eine poetische Rebellion

Mit seinen Cut-ups, Collagen und entgrenzten Visionen sowie den selbstreflexiven Essays war Jürgen Ploog der deutsche Protagonist der New Yorker Avantgarde-Szene. Er schrieb schon während der 33 Jahre, die er als Langstreckenpilot arbeitete. Die Relativität von Ort und Zeit, die sich thematisch durch sein Werk zieht, war ihm professionell vertraut. Jamal Tuschick versucht, das Phänomen Ploog begrifflich und analytisch zu fassen.


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Empfehlung: Film zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann
Jemand, der einmal ich war

Zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann gelingt Regisseurin Regina Schilling eine so sinnliche wie intellektuelle Annäherung an eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts. Durch die kraftvolle Interpretation von Sandra Hüller und meisterhafte Archivmontagen wird Bachmanns Sprachgewalt im Kino unmittelbar erfahrbar. INGEBORG BACHMANNJEMAND, DER EINMAL ICH WAR ist ein filmisches Porträt, das die Zerbrechlichkeit und Kraft einer Künstlerin feiert, die sich jeder Vereinnahmung entzog und deren Werk bis heute eine visionäre Wucht besitzt.


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Empfehlung: Ausstellung im Caricatura Museum Frankfurt am Main
Katharina Greve – Qualitätsideen seit 1972

Katharina Greve zählt zu den profiliertesten Stimmen der zeitgenössischen Komischen Kunst. Ihr Werk ist geprägt von einer einzigartigen Symbiose, denn hier trifft der analytische Verstand einer Architektin auf den gnadenlosen Humor einer scharfen Beobachterin: Ob sie nun das höchste Comic-Hochhaus der Welt errichtet oder die Absurditäten unseres Alltags in pointierten Cartoons seziert. Die Werkschau im Caricatura Museum bietet einen umfassenden Einblick in Greves künstlerische Entwicklung. Von Cartoon und Comic über Malerei, Foto- und Filmarbeiten bis zu Texten und Objektkunst veranschaulicht die Einzelausstellung ihre thematische und formale Bandbreite.


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