Matthias Buth zu Reiner Kunzes 93. Geburtstag
Ohne Dichtung wäre Deutschland ein Irrtum

Im Jahr der „Machtergreifung“ kommt im Erzgebirge Reiner Kunze zur Welt. Totalitäre Staaten prägten das Leben des Dichters. Die Diktatur des Proletariats hatte kein Nachsehen mit den häretischen Ansichten des Arbeiterkinds. Spätestens nach der gewaltsamen Beendigung des Prager Frühlings und dem darauf folgenden Austritt Kunzes aus der SED legt das Ministerium für Staatssicherheit über ihn eine Akte mit dem Namen „Lyrik“ an. 1977 wurde er ausgebürgert und siedelte in die Bundesrepublik Deutschland über. Matthias Buth schlägt einen großen Bogen von der politischen Gegenwart zum Werk des Jubilars.


Weiterlesen →
Wolfgang Rüger über das US-amerikanische Künstlerpaar Jane und Paul Bowles
Wahnsinnig verrückt

„Jane und ich malten uns aus, wie lustig es wäre, wenn wir heirateten und jedermann einen Schreck einjagten, vor allem unseren Familien“, erinnert sich Paul Bowles in „Rastlos“. Die Hochzeit fand 1938, einen Tag vor Washingtons Geburtstag, in Manhattan statt – und niemand reagierte erschreckt. Wolfgang Rüger beschreibt das Werk, den ungleichen Erfolg und das wechselvolle Eheleben des nicht heterosexuellen Schriftsteller-Paares Jane und Paul Bowles, das sich permanent auf Reisen befand.


Weiterlesen →
Felix Philipp Ingold über Ernst Bloch als Schriftsteller
Gegen den Strich

Seine Stimme, die mit polemischem Donnergrollen und appellativer Emphase seine Sätze und Setzungen intonierte, gab eine Ahnung von dem, was man von ihm zu lesen bekam. Ernst Bloch war als Redner eine Autorität, als Schriftsteller nicht weniger eigenmächtig. Felix Philipp Ingold ist seinem Unbehagen bei der Lektüre seines Vorbilds Bloch nachgegangen und ist auf Sprachgestalt als Personifikation gestoßen.


Weiterlesen →
Rainer Erd über den Banknotenfälscher Czesław Jan Bojarski
„Cezanne“ hinter Gittern

In der öffentlichen Anerkennung gilt der Kleinkriminelle oft als verachtenswert, wohingegen der Serien- oder Großverbrecher mit offener oder heimlicher Bewunderung rechnen kann. Im Fall des Banknotenfälschers Czesław Jan Bojarski tat die Hochschätzung seiner handwerklichen Meisterschaft ein übriges. 13 Jahre lang konnte er mit seiner Frau von diesem freien Gewerbe leben. Ebenso lange ging er dafür ins Gefängnis. Rainer Erd hat die Geschichte des honorigen Künstlers – zumal sie jetzt in die Kinos kommt – in seine Pariser Geschichten aufgenommen.


Weiterlesen →
Marli Feldvoß über Alain Tanner, den melancholischen Bilderstürmer
Die Handschrift der verlorenen Utopie

„Jonas, der im Jahr 2000 25 Jahre alt sein wird“ kam 1976 in die Kinos und begeisterte das Publikum. Unvergessen sind Szenen wie die mit der Blutwurst im Klassenzimmer oder Mathieu, der mit der Mistgabel vor Männern in schwarzen Anzügen steht und erklärt: „Ich bin der König des Misthaufens.“ Der Film ist antiautoritär, antibürokratisch und antikapitalistisch – ein sozialkritisches Kino, das nah an der prekären Lebenswirklichkeit bleibt. Alain Tanner wurde damit zu einer prägenden Figur des linken Kinos. Marli Feldvoß porträtiert den Schweizer Regisseur.


Weiterlesen →
Eran Rolnik über das politische Aufschieben in Israel
Die Illusion des Danach

Wie die Christen, die die Einlösung ihrer Heilsversprechen erst nach ihrem Ableben vorsehen, oder die Kommunisten, die das Arbeiterparadies in die Zeit nach der Revolution verschieben – wo die Mühen der Ebenen endlos sind, hoffen die Israelis, dass die Koinzidenz von Souveränität, Sicherheit, kollektiver Selbstbehauptung und Gerechtigkeit, Gleichheit, universeller Menschenwürde nach den Wahlen Wirklichkeit wird. Eran Rolnik beschreibt die israelische Gesellschaft aus psychoanalytischer Sicht.


Weiterlesen →
Gedicht von Friederike Haerter
Aber diesmal bleib ich

Weiterlesen →
Empfehlung: Wiederaufnahme der Theaterproduktion in Frankfurt
Die Ilias – Jetzt erzähle ich

Im europäischen Kulturraum gilt die „Ilias“ als grundlegende Erzählung über das menschliche Miteinander und der damit verbundenen Feindseligkeiten. Die Homer zugeschriebene Schilderung des trojanischen Krieges betrachtet das Geschehen jedoch allein aus männlicher Perspektive und zelebriert die Stärke und Vorherrschaft der Männer. Diese Inszenierung von Barbara Englert jedoch erteilt Frauen das Wort, die auf die Taten vermeintlicher Heroen schauen und von ihnen widerfahrenen Gräuel berichten. Die 24 Gesänge der „Ilias“ sind hierbei auf das Wesentliche reduziert und werden von Kalliope, der Muse der epischen Dichtung, nacherzählt.


Weiterlesen →
Empfehlung: Riccarda Gleichaufs Buchpremiere in Frankfurt am Main
Aussichten einer Empfangsdame

Riccarda Gleichauf erzählt in ihrem Romandebüt „Aussichten einer Empfangsdame“ mit scharfem Blick und feiner Ironie von der Realität prekärer Beschäftigung in einer scheinbar modernen Arbeitswelt. Der Empfangstresen wird dabei zum Transitort eines Ichs, das zwischen Anpassung und innerem Widerstand schwankt – und zum literarischen Brennpunkt einer Gegenwart, in der Bildung, Arbeit und Identität immer öfter auseinanderdriften. Buchpremiere: ist am 20.08., 19:30 Uhr bei Buch & Wein. Moderation: Julia Mantel.


Weiterlesen →
Empfehlung: Die sechzehnte Hochstädter Lyriknacht in Maintal-Hochstadt
Hochstädter Lyriknacht

Die Hochstädter Lyriknacht in Erinnerung an Horst Bingel gibt es seit 2010. Namhafte Lyriker:innen, aber auch Preisträger:innen des Jungen Literaturforums Hessen- Thüringen stellen ihre Gedichte vor. Die Lesungen werden von Musik begleitet, und in der Pause bleibt bei Snacks und Getränken ausreichend Zeit für Gespräche.


Weiterlesen →

Die Frankfurter Buchmesse 2026 findet vom 7. bis zum 11. Oktober 2026 statt. Unsere Standnummer lautet: 3.0 D69.

Als Service für die Leserinnen und Leser empfehlen wir eine individuelle Auswahl an bundesweiten Tipps aus Kunst, Literatur, Musik und Bühne.


Kulturtipps ansehen →
Ihre Spende zählt!

Das freie Kulturportal TEXTOR bietet Autorinnen und Autoren sowie relevanten Debatten eine Bühne. Mit Ihrer Spende helfen Sie uns, die Website auf dem neuesten technischen Stand zu halten.

KONTOVERBINDUNG:
Förderkreis Frankfurt e.V. – Kultur & Diskurs
Kulturportal TEXTOR
GLS Bank
IBAN DE57 4306 0967 6025 3827 42

Vielen Dank!
Ihre TEXTOR-Redaktion


Per PayPal spenden →

Über uns →

TEXTOR
Brückenstr. 57
60594 Frankfurt am Main
Deutschland

E-Mail: redaktion@textor.online
Web: textor.online
Facebook
Instagram


Newsletter abmelden