Claus Leggewies Gedanken nach dem Kinobesuch „Vaterland“ und einer Landtagswahl
Fremd im eigenen Land

Ob er mit Arturo Ui eine reale Person meinte, hat Bertolt Brecht wohlweislich nicht bekannt. Doch 1941 war das ohnehin nicht von Interesse. Dem Publikum mit einer gewissen Lesekompetenz war ja nicht entgangen, dass es um den „aufhaltsamen Aufstieg des Arturo Ui“ ging, also etwas, was man hätte verhindern können. Als im Sommer 1949 Thomas und Erika Mann Deutschland besuchten, was der Film „Vaterland“ thematisiert, sahen sie, dass man die Katastrophe nicht hatte verhindern wollen. Claus Leggewie, der aus dem Kino kam, findet sich im Ergebnis einer Landtagswahl wieder. „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch!“


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Martin Lüdke über die Eröffnung der neuen Spielzeit im Schauspiel Frankfurt
Der Knoten im Kanonenrohr der Dicken Bertha

Schwejk stolpert durch das Jahrhundert: Krieg, Europa und die Absurdität der Geschichte treffen auf der großen Bühne aufeinander. Jan-Christoph Gockel und Katrin Spira nehmen sich Hašeks Antihelden an und verbinden Brechts Bearbeitung mit den Katastrophen der Gegenwart. Ein ambitionierter Abend, der vor allem eines ist: großes Theater. Im Kammerspiel folgt mit Lisa Wentz’ Uraufführung „Der Abend vor dem danach“ ein Perspektivwechsel – vom heiteren Spiel hinein in den Schlamassel. Martin Lüdke hat beide Aufführungen gesehen.


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Peter Kern über den Strukturwandel
Das Unbehagen in der deutschen Kultur

Was darf ich hoffen? Nach dem Fürsorgeprinzip greift der Staat ein, wenn sich Menschen in Not befinden und bedürftig sind. Er greift ein und verliert damit die Wahlen. Staatliche Fürsorge gleitet in zynische Gedankenspiele ab. Durch Aktien finanzierte private Rente? Das nähert sich der Aufforderung, endlich mal im Lotto zu gewinnen, anstatt dem solidarischen Renten- und Versicherungssystem auf der Tasche zu liegen? Wo aber Gefahr ist, wächst / Das Rettende auch, schrieb Friedrich Hölderlin im Patmos. Peter Kern kommentiert die Situation.


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Stefan Fricke über die Anfänge der Internationalen Ferienkurse für Neue Musik Darmstadt (I)
Hin zur Neuen Musik

Vor 80 Jahren nahmen die Ferienkurse für Neue Musik ihren Anfang. Ursprünglich richtete der Kulturjournalist Wolfgang Steinecke auf der Mathildenhöhe Unterkünfte für bildende Künstler ein, doch als noch Schlafplätze übrig waren, vergab er die an „Musiker“. Die treibende Kraft der entstehenden Ferienkurse war neben Steinecke der spätere Opernintendant Rolf Liebermann, der darauf drängte, die ins Exil vertriebenen Komponisten der Neuen Musik als Lehrer nach Darmstadt einzuladen. Stefan Fricke erzählt in seinem Vortrag die Geschichte. Hier ist der erste Teil.


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Marli Feldvoß über „Die Band von nebenan“ von Eran Kolirin
Ins Meer der Melancholie

Eigentlich sollten sie zur Eröffnung des arabischen Kulturzentrums spielen. Die acht Musiker des ägyptischen Polizeiorchesters steigen jedoch in den falschen Bus und stranden in einer israelischen Wüstensiedlung. Inmitten der Ödnis gewährt ihnen Bistrobesitzerin Dina Gastfreundschaft. Was sich in dem Film „Die Band von nebenan“ dann entwickelt ist für Marli Feldvoß Völkerverständigung par excellence. Regisseur Eran Kolirin finde den „richtigen, nicht überdrehten Komödienton“ für sein Thema „Warten“: Die Musiker warten auf ihren Auftritt, die Dorfleute auf Frieden und das Ende von Langeweile und Einsamkeit.


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Walter H. Krämer über Marina Abramović' Balkan Erotic Epic
Den Regen aufhalten

Balkan Erotic Epic ist das ambitionierteste Werk meiner Karriere. Es gibt mir die Möglichkeit zu meinen slawischen Wurzeln und meiner Kultur zurückzukehren, auf alte Rituale zurückzublicken und mich mit Sexualität in Bezug auf das Universum und die unbeantworteten Fragen unserer Existenz auseinanderzusetzen. Mit diesem Projekt möchte ich Poesie, Verzweiflung, Schmerz, Hoffnung und Leiden zeigen und unsere Sterblichkeit reflektieren“, sagt Marina Abramović. Walter H. Krämer hat die vierstündige Performance bei der Ruhrtriennale gesehen.


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Matthias Buth über die Mietmütter-Industrie
Welch ein Irrtum!

Vielleicht hat der Wunsch nach einem eigenen Kind, nach eigen Fleisch und Blut, obwohl alle medizinischen oder physiologischen Umstände dagegen sprechen, mit dem unausweichlichen „Wachset und mehret euch“ zu tun – und nebenbei noch mit dem Sinn für Eigentum, der mit dem zeitgenössischen Outsourcing eine handelsübliche Problemlösung schafft? Leihmütter – oder wie Matthias Buth vorschägt: Mietmütter – sind Dienstleistende, deren Inanspruchnahme die elementare Mutter-Kind-Beziehung von Beginn an durchbricht. Und dann sieht er noch rechtliche Bedenken.


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Gedicht von Tamara Labas
meine großmütter trugen das schweigen

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Empfehlung: Literaturfest 2026 in Frankfurt und Rhein-Main
Textland

Was das Textland Literaturfest seit seinen Anfängen auszeichnet, bleibt auch in diesem Jahr sein Kern: die Vielfalt der Gegenwartsliteratur zu feiern, unterschiedliche Stimmen zusammenzubringen und einen offenen, lebendigen Diskurs über gesellschaftliche und literarische Fragen zu ermöglichen. Das diesjährige Motto „Hoffnung“ knüpft an Ernst Blochs Prinzip Hoffnung an. Textland fragt, welche Bedeutung Hoffnung für das literarische Schaffen der eingeladenen Autor:innen besitzt und welche Perspektiven ihre Texte auf Gegenwart und Zukunft eröffnen. Textland 2026 findet in der Zeit vom 30. Oktober bis zum 28. November in Frankfurt, Darmstadt, Oberursel, Wiesbaden und Hanau statt.


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Die Frankfurter Buchmesse 2026 findet vom 7. bis zum 11. Oktober 2026 statt. Unsere Standnummer lautet: 3.0 D69.

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