Klaus Reichert über die Arbeit mit John Cage
Die Erotik der Stimme

John Cage war die äußerste Provokation für das europäische Musikdenken. Er mied die Intention, den künstlerischen Anspruch, die eigenschöpferische Autorschaft und vor allem die Musik, mit der sich eine Tradition fortsetzt. Der Anglist, Übersetzer, Lyriker und Essayist Klaus Reichert hatte in den 80er-Jahren die Gelegenheit, mit John Cage zusammenzuarbeiten. Seine Erinnerungen an den großen amerikanischen Komponisten sind als Buch mit dem Titel „I welcome whatever happens next” im Wolke Verlag erschienen, woraus wir das Kapitel „Alphabet. Ein Geistertrio“ vorstellen.


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Ellen Wagner über den steirischen herbst 2026
Keine Angst vor Kollision

Das seit seiner Gründung 1968 in avantgardistischer Tradition stehende Festival steirischer herbst nimmt sich 2026 unter dem Titel „Red Flags“ die Triggerpunkte unserer polarisierten Gesellschaften vor. In einem ehemaligen Schnitzellokal am Griesplatz spuken personifizierte Ideologien durch materialreiche Assemblagen, mit stereotypen Zuspitzungen buhlen diverse Videoarbeiten um unsere Aufmerksamkeit. Ellen Wagner vergleicht die dabei entstehenden Überlagerungen gegensätzlicher Perspektiven und Weltanschauungen. 


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Andrea Pollmeier über die 60. Römerberggespräche
Teile des Problems

Dass die Hoffnung zuletzt stirbt, lässt hoffen. Wenn also einer Referats- und Gesprächsveranstaltung wie den Frankfurter Römerberggesprächen das Thema „Machtübergabe? Wie geht es weiter, wenn der demokratische Liberalismus abgewählt wird“ aufgetragen wird, dann in der Hoffnung, einen Weg aus der lähmenden Ratlosigkeit angesichts des erstarkenden Rechtsextremismus gewiesen zu bekommen. Andrea Pollmeier berichtet vom Kongress: Von staatlichen Institutionen wird es keine Hilfe geben können.


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Jutta Roitsch über den Verlauf der Schülerproteste in Frankreich
Um ihre Zukunft betrogen

Fehlende Lehrkräfte, überfüllte Klassen und marode Schulgebäude treiben französische Gymnasiasten auf die Straße. Doch hinter der Wut über diese unhaltbaren Zustände steht mehr: die Angst vor einer Zukunft, in der soziale Herkunft und Wohnort über Bildungschancen entscheiden. Jutta Roitsch zeichnet den Verlauf der Schülerbewegung nach, die das republikanische Versprechen von Gleichheit und Aufstiegsmöglichkeiten infrage stellt und deren Anliegen im politischen Machtkampf unterzugehen droht.


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Marli Feldvoß' Anmerkungen zu Agnès Vardas Film „Vogelfrei“
Ein Plädoyer für Mona?

Was bedeutet Freiheit, wenn sie in die Einsamkeit führt? Agnès Vardas Film Vogelfrei begleitet die junge Tramperin Mona auf ihrer Reise durch die winterliche Provence. Sie lehnt gesellschaftliche Regeln und jede feste Bindung ab – und gerät dabei zunehmend an die Grenzen ihrer selbst gewählten Freiheit. „Von der Freiheit als ein Recht auf Glück redet keiner mehr“. Marli Feldvoß analysiert ein Roadmovie, das sich dem Bewegungsdrang des Genres verweigert und aus der Geschichte einer Aussteigerin eine grundsätzliche Frage nach Freiheit, Gesellschaft, Leben und Tod stellt.


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Peter Kern über die erschöpften Ressourcen nachmetaphysischen Denkens
Der Bereich des Göttlichen

Es geht um den alten Streit zwischen Metaphysik und naturwissenschaftlich orientierter Aufklärung. Der Freiburger Fundamentaltheologe Magnus Striet geht in seinem Buch Im Abgrund der Gottesfrage den „Spuren des Diskurses über Glauben und Wissen“ nach und sucht bei Jürgen Habermas nach Verbindendem und Trennendem. Dabei ist seine Nähe zu Habermas größer, als man erwarten durfte. Doch bei dessen pragmatischer Auffassung von der gesellschaftlichen Aufgabe der Kirchen widerspricht Magnus Striet dem Philosophen. Peter Kern aber sieht den Widerspruch schon beim Verfasser des Buches.


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Volker Wackerfuß über Trachten als Ausdruck von Kulturgeschichte
Von Moden unberührt

Für den, der mit der Mode geht, gehört die Tracht ins Museum. Wenn man von einigen Regionen wie Oberbayern absieht, wo man die Traditionsgesinnung am Leibe trägt, ist das sicher auch so. Trachten mögen individuell ausgestaltet sein und zu bestimmten Anlässen angelegt werden – sie bewahren einen Entwicklungsstand der Bekleidung, der vor mehr als 200 Jahren nicht weiter auffiel. Niemand aber erwartet, dass die pittoresken, Stand und Vermögen repräsentierenden Kostüme in einen zeitgenössischen Alltag integriert werden könnten. Es sei denn, um sich von allem andern zu distanzieren. Volker Wackerfuß über Trachten und ihr Vorkommen.


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Heute Abend beginnt das Textland Literaturfest 2026 – Thema Hoffnung
Textland in der Evangelischen Akademie Frankfurt

Der Auftakt des diesjährigen Textland Literaturfests findet am 30.10. bis 31.10. in der Evangelischen Akademie Frankfurt statt. Von Freitag bis Samstag Abend ergründen namhafte Autor:innen in Lesungen, Gesprächen und Diskussionen, wie sich Hoffnung ohne Realitätsbeschönigung bewahren lässt und was Literatur in einer von Gewalt, Spaltung und Verunsicherung geprägten Zeit hierzu beitragen kann. Ein Novum ist der Live-Podcast mit Hadija Haruna-Oelker, Max Czollek und Alice Hasters, die über den Zusammenhang von verdrängter Geschichte und gesellschaftlicher Gegenwart diskutieren.


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Empfehlung: Elektroakustisches Konzert im Kunstverein Familie Montez, Frankfurt/M.
Elektroakustische Musik in Raum und Zeit

Die Elektrifizierung der Klangerzeugung hat dem vertrauten Hörbild der Instrumentalmusik eine wundersame Alternative angefügt, deren Möglichkeiten, ins Neue, Unvertraute zu geraten, gar nicht alle erforscht und genutzt werden können. Und zweifellos ist das Musik. Elektrisierende Musik. Bernd Leukert und Jan Jacob Hofmann laden Sie dazu ein, dieses Konzert im Liegen zu erleben. Gerne Iso- oder Yogamatten und Kissen mitbringen. Hocker und Stühle sind vor Ort vorhanden, für alle, die sich im Sitzen wohler fühlen.


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Empfehlung: Jonas Englerts „Movimento“ in der Frankfurter St. Katharinenkirche
„Tempus fugit – zwischen Zeit und Ewigkeit“

Was bleibt, wenn die Zeit vergeht? Kunst, Musik und geistliche Tradition laden dazu ein, Vergänglichkeit, Schönheit und Ewigkeit neu zu erfahren. Im Zentrum steht die Videoinstallation „Movimento“ von Jonas Englert: Durch extreme Verlangsamung wird Zeit sichtbar und der gewohnte Zeitfluss irritiert. Als künstlerisches Kontinuum verbindet die Installation Gottesdienste, Konzerte, Vorträge und Begegnungsräume. Musikalischer Schwerpunkt ist Händels Oratorium The Triumph of Time and Truth. Ergänzt wird es durch drei Konzerte mit Werken Paul Hindemiths.


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Empfehlung: Textland Literaturfest am 7. November im Literaturhaus Darmstadt
Hoffnung in bewegten Zeiten

Am Samstag, 7. November gastiert das Literaturfest Textland erstmals in Darmstadt. Von 15 bis 21 Uhr laden herausragende Autorinnen und Autoren dazu ein, Hoffnung in einer krisengeschüttelten Welt neu zu entdecken: als Widerstand gegen Gewalt und Verzweiflung, als ethische Haltung und als Kraft der Liebe: Mit den Autor:innen Ursula Krechel, Karosh Taha, Ilma Rakusa, Helmut Böttiger, Dana Vowinckel, Maryam Kishawarz und Daniel Schreiber sowie den Moderator:innen Leon Joskowitz, Beate Tröger, Shirin Sojitrawalla, Alexandru Bulucz und Astrid Vehstedt.


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