Wolfgang Rüger über Erika Thomalla: Gegenwart machen. Eine Oral History des Popjournalismus
Archäologie der Gegenwart

Soll alles bleiben, wie es ist, muss sich alles ändern. Die Geschichte der Künste bestätigt das. Stets hat der Traditionsbruch zur Erhaltung der Tradition geführt. Er hat sie immer belebt. Ob nun die Ars nova alles Vorhergehende als Ars antiqua, nämlich für erledigt erklärte oder, im letzten Jahrhundert, eine avantgardistisch gesinnte Jugend die etablierten ästhetischen Maßstäbe aufbrechen oder in die Tonne treten wollte, – sie haben sich wiederum Maßstäbe und Regeln gegeben, die sich bald erledigt hatten. Erika Thomallas Geschichte des Popjournalismus belegt diesen Prozess. Wolfgang Rüger hat ihr Buch gelesen. 


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Marli Feldvoß über Ken Loach
Klassensprecher

Er ist gerade 90 Jahre alt geworden und wird dereinst mit erhobener Faust ins Pantheon des Kinos einziehen. Unter Margaret Thatcher bekam es der sozial engagierte Filmregisseur, Drehbuchautor und Trotzkist, Ken Loach, mit Zensur und Verboten zu tun. Das hat ihm geschadet, aber nicht verhindern können, dass er als Repräsentant des sozialrealistischen Films in Großbritannien und weltweit große Anerkennung erfährt. Marli Feldvoß hat ihn porträtiert.


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Matthias Buth über „Poesiealbum“, ein Gedichtkosmos von Bernd Jentzsch von Plauen bis in die Eifel
Von Dylan Thomas bis Bob Dylan

Die ärmste Schwester der Bibliothèque de la Pléiade war und ist für schreibende Menschen das Poesiealbum. 1967 vom Lyriker, Verlagslektor, Erzähler, Übersetzer und Essayisten Bernd Jentzsch in der DDR gegründet, erscheint es alle zwei Monate, seit 2007 im Märkischen Verlag in Wilhelmshorst. Es kostet nicht viel, ist aber mit seinem aufs lyrische Profil zielenden Auswahl von höchstem Wert, – eine Auszeichnung für Poeten aller Geschlechter. Matthias Buth lenkt unsere Aufmerksamkeit auf Bernd Jentzsch und das Poesiealbum.


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Cinzia Sciuto über eine Demokratisierung der Technologie
Eine mögliche Agenda

Es stellt sich gar nicht mehr die Frage, ob wir von Eroberungs- und Vernichtungskriegen, also mit physischer Gewalt, bedroht werden oder über die Informations- und Desinformationsstrategien der herrschenden Digitalkonzerne. Beide Zerstörungsprozesse sind gegenwärtig, wirklich und wirksam. In der öffentlichen Diskussion wird die mediale Bedrohung aber gewöhnlich unterschätzt. Cinzia Sciuto, Leitende Redakteurin der Zeitschrift „MicroMega“, hat ein Themenheft über die digitalen Oligarchien und die Gefahr, die sie für die Demokratie bilden, herausgebracht. Im Vorwort erklärt sie den Sachverhalt.


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Achim Heidenreich über Henzes Oratorium „Floß der Medusa”: dennoch zu pessimistisch für die „DDR“-Kulturkommunisten
Ging tatsächlich ‘rüber

Hans Werner Henze, der gerade seinen hundertsten Geburtstag hätte feiern können, wenn er nicht im Jahre 2012 gestorben wäre, hat eine zeitlang gerne mit Sprüchen provoziert wie: „Ich bin Kommunist. Und meine Musik soll der Arbeiterklasse zum Sieg verhelfen.“ – Was jeder und jedem, die oder der Augen und Ohren hatte, als ein absurder Widerspruch erscheinen musste. Achim Heidenreich hat in den Akten der Akademie der Künste einen Vorgang gefunden, der die doppelte Havarie von Henzes Oratorium „Floß der Medusa“ in Ost und West belegt.


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Peter Kern über „Biomimetik und Klinische Konstruktion“ von Johannes Hätscher
Kein Greenwashing: Mimesis

Sieht man von den mitunter verheerenden Folgen von Blitzen, Vulkanausbrüchen und Meteoriteneinschlägen ab, muss die Welt ohne den Menschen paradiesisch gewesen sein. Obgleich selbst Teil der Natur setzt dieser dem Planeten beträchtlich zu. Peter Kern stellt das neue Buch von Johannes Hätscher vor, das aus einem Projekt der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung hervorgegangen ist und in der Biomimetik die Möglichkeit eines Auswegs aus der Selbstzerstörungsspirale sieht.


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Nina Wood über die Performancekünstlerin Julia Hainz und die Ausstellung „Ruins of Refueling“
Ein Schattendasein queeren

Der Begriff Schattendasein meint im Deutschen mangelnde Beachtung. In der Ausstellung „Ruins of Refueling“ verleiht die Künstlerin Julia Hainz der Redewendung eine andere Bedeutung. Visuell und performativ lässt sie auf ihren Photographien Personen das Schattendasein nicht erleiden, sondern lustvoll begehren und als queere Bühne erproben. Nina Wood macht mit den Arbeiten der Künstlerin vertraut und wird im Rahmen der Ausstellung mit Julia Hainz auch einen Artist Talk über das Zusammenspiel von geworfenen Schatten und körperlicher Präsenz in ihren Werken führen.


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Ein Gedicht von Jane Wels
Ich lasse die Türen weit offen

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Empfehlung: Wiederaufnahme der Theaterproduktion in Frankfurt
Die Ilias – Jetzt erzähle ich

Im europäischen Kulturraum gilt die „Ilias“ als grundlegende Erzählung über das menschliche Miteinander und der damit verbundenen Feindseligkeiten. Die Homer zugeschriebene Schilderung des trojanischen Krieges betrachtet das Geschehen jedoch allein aus männlicher Perspektive und zelebriert die Stärke und Vorherrschaft der Männer. Diese Inszenierung von Barbara Englert jedoch erteilt Frauen das Wort, die auf die Taten vermeintlicher Heroen schauen und von ihnen widerfahrenen Gräuel berichten. Die 24 Gesänge der „Ilias“ sind hierbei auf das Wesentliche reduziert und werden von Kalliope, der Muse der epischen Dichtung, nacherzählt.


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