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Gedicht von Jan Röhnert

Sturmgewölkjuli

Lyrik von Frauen aus Mittel- und Osteuropa

Zsuzsa Rakovsky

Diese Poesie ist in mehrfacher Hinsicht erlesen. Denn sie wird durch die Stimme und Gestaltungskunst einer einzigartigen Rezitatorin versinnlicht und zugleich inhaltlich reflektiert. Birgitta Assheuer hat in ihrer Reihe „Handverlesen“ 25 Gedichte aus 16 Ländern ausgewählt und gelesen, Lyrik von Frauen aus Mittel- und Osteuropa. Zugewandt und klug kommt uns ihre Dichtung entgegen, und wir müssen nur hören. Diesmal „Einbahnstraße” von Zsuzsa Rakovsky.

Vernissage

Lass‘ Hände sprechen

„Lass‘ Hände sprechen. Persönlichkeiten auf der Frankfurter Bühne: Wort- und Bildmächtige ringen um Worte“ – Fotografien von Barbara Walzer. Mit ihren Fotografien erzählt Barbara Walzer Geschichten von Menschen in Frankfurt, der Stadt, in der die Polin seit 1991 sehr gerne lebt und arbeitet. Hier nimmt sie ihre Umgebung mit allen Sinnen wahr. 

Textland: Video-Interview

Das Medium ist die Botschaft

Humor kann uns in Distanz zu den eigenen Schieflagen bringen und das Absurde bewusst machen. Zum Thema „Humor als Widerstand“ hat das Literaturfest Textland kurze Video-Interviews mit einigen Autor:innen geführt. „Wenn wir unter Literatur diesen Gattungsbegriff verstehen, der sich im 19. Jahrhundert in der bürgerlichen Gesellschaft geformt hat, dann sollten wir nicht zu viel von ihr erwarten“, findet Leon Joskowitz. Es handele sich „natürlich um ein ideologisches Konstrukt, das zur Abgrenzung und zur Elitenbildung dient.“ 

Open-Air-Ausstellung

„… endlich Frieden?!“

Die Open-Air-Ausstellung „… endlich Frieden?!” zeichnet ein historisch präzises Bild der Befreiung vom Nationalsozialismus Europas nach, für die es der vollständigen militärischen Niederlage Deutschlands, der Kapitulation der Wehrmacht und der anschließenden Besetzung bedurfte.

 

Polnischer Spielfilm

Asche und Diamant

Das Ende des Zweiten Weltkriegs wurde in Deutschland lange als Niederlage empfunden. Die darauf folgende Besatzungszeit, der Verlust der Ostgebiete sowie Millionen von Flüchtlingen und Vertriebenen waren der Preis für den von Nazi-Deutschland entfachten Krieg. Mit den Konsequenzen des Krieges hat das Land bis heute nicht abgeschlossen.

Performance

Kaspar Karl-Amadeus Frühling oder Dass Tote gut auskommen miteinander, versichert Sattler

Ein erschütterndes Kaleidoskop zwischen den Fragen nach Verortung und Identität im Spiegel der Nachkriegszeit. Die Performance von Peter Bähr steht unter dem Motto  'The past is never dead. It's not even past. - Das Vergangene ist niemals tot. Es ist nicht einmal vergangen.' (William Faulkner) ...

 

Sibylle Bergs „RCE #RemoteCodeExecution“ am Berliner Ensemble

Das abgründige Gute

Wenn Goethes Mephisto sich mit den Worten vorstellen lässt, er sei „ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft“, so erfahren wir im Alltag auch das teuflische Gegenteil, nämlich Gutwillige, die stets kräftig das Böse schaffen. Sybille Bergs Roman „RCE #RemoteCodeExecution“, der in der Bearbeitung von Kay Voges und Sibylle Baschung beim Berliner Ensemble auf die Bühne kam, arbeitet diese Erkenntnis aus, wie Walter H. Krämer berichtet.

Zschäpes Draht zum Verfassungsschutz

Beate Zschäpe, der NSU und der Inlandsgeheimdienst

Wie der Name schon sagt, ist der Geheimdienst ein geheimer, intransparenter Dienst. Er scheint manchmal dermaßen geheim zu sein, dass ihm selbst nicht bekannt ist, was er tut. Das aber wäre eine freundliche Interpretation seiner obskuren Tätigkeiten. Glaubt man ausnahmsweise der skandalgierigen Bildzeitung, dann waren die Beziehungen des Blattes zum „Nationalsozialistischer Untergrund“ enger, als man glauben möchte. Detlef zum Winkel kommentiert.

Gespräch in der Bibliothek der Generationen

Menschen erinnern. Migrationsgeschichte begreifen.

Gespräch in der Bibliothek der Generationen. Mit Bengü Kocatürk-Schuster, Lina Falivena (DOMiD) und den Kurator*innen der Ausstellung „Ende der Zeitzeugenschaft? Ein Erinnerungslabor“  Schon immer war Migration Bestandteil moderner Gesellschaften; gerade in und für Frankfurt spielte sie stets eine große Rolle. 

Gesprächsabend

Goethe Annalen 1825

Gespräch mit Anne Bohnenkamp, Ernst Osterkamp und Gustav Seibt. „Nachts brannte das Theater ab.“ Knapp notiert Goethe im Tagebuch am 21. März 1825 die Zerstörung seiner langjährigen Wirkungsstätte. Vom Hoftheater bleiben nur Trümmer, in denen Eckermann angebrannte Stück einer geschriebenen Rolle aufsammelt: „Es waren Stellen aus Goethes Tasso.“ 

Lyrik von Frauen aus Mittel- und Osteuropa

Maryja Martysievich

Diese Poesie ist in mehrfacher Hinsicht erlesen. Denn sie wird durch die Stimme und Gestaltungskunst einer einzigartigen Rezitatorin versinnlicht und zugleich inhaltlich reflektiert. Birgitta Assheuer hat in ihrer Reihe „Handverlesen“ 25 Gedichte aus 16 Ländern ausgewählt und gelesen, Lyrik von Frauen aus Mittel- und Osteuropa. Zugewandt und klug kommt uns ihre Dichtung entgegen, und wir müssen nur hören. Diesmal „Sie: Penelope” von Maryja Martysievich.

Ein Gespräch

Zurück zur Wirklichkeit

Daniel Cohn-Bendit und Claus Leggewie haben Teile aus ihren freundschaftlichen Gesprächen als Buch veröffentlicht: „Zurück zur Wirklichkeit. Eine politische Freundschaft". Sie kommentieren das politische Geschehen im postnationalsozialistischen Deutschland, im Frankreich der Nachkriegszeit, in Osteuropa und der Welt.

Louisiana Museum of Modern Art

Robert Longo

Schwarz auf Weiß. Zeichenkohle auf Papier. Schnappschüsse, aus der Zeit gemeißelt. Robert Longo fängt Motive aus dem Bilderwirbel, der uns umgibt, ein und vergrößert sie dann und baut sie Schicht für Schicht zu dramatischen und gigantischen Kohlezeichnungen auf. Die Ergebnisse sind episch in Format und Umfang und fesseln uns mit einer fast hypnotischen Kraft.

Aktiv für Demokratie

Woche der Meinungsfreiheit

Freie Meinungsäußerung und lebhafte Debatten sind unverzichtbare Elemente einer Demokratie. Da rechtsextreme Einstellungen und KI gesteuerte Algorithmen jedoch zunehmend die Werte der freiheitliche Ordnung bedrohen, rief der Börsenverein des Deutschen Buchhandels 2021 die bundesweite „Woche der Meinungsfreiheit“ in Leben. Die Geschichtswissenschaftlerin Margit Ketterle war an dem Vorstoß maßgeblich beteiligt, Doris Stickler hat mit ihr gesprochen. 

Textland: Video-Interview

Ich möchte einen Raum schaffen

Humor kann uns in Distanz zu den eigenen Schieflagen bringen und das Absurde bewusst machen. Zum Thema „Humor als Widerstand“ hat das Literaturfest Textland kurze Video-Interviews mit einigen Autor:innen geführt. Aileen Schneider will „einen Raum schaffen, in dem wir uns gemeinsam Fragen stellen und dadurch zu einem Verständnis kommen können, wie gewisse Mechanismen, Systeme und Strukturen entstehen, wie sie aufgebaut sind und funktionieren.“ 

Die Welt neu erzählen, eine Theorie der Praxis

Deberlinisierung

Am Ende des Jahrhunderts der Nationalismen in Europa und auf dem Höhepunkt der imperialen Expansion berief der Kanzler des Deutschen Reichs, Otto von Bismarck, 1884 in Berlin eine Konferenz ein, um die Aufteilung des afrikanischen Kontinents unter den industriellen und militärischen Mächten der Zeit zu organisieren.

Kinostart

Klandestin

Ein Thriller in Starbesetzung um das Flüchtlingsdrama in Europa. Karriere & Humanität, Gefühle & Politik – wie ehrlich sind Menschen, die sich für Flüchtlinge einsetzen wirklich? Ein Film von Angelina Maccarone mit Habib Adda, Lambert Wilson, Barbara Sukowa, Banafshe Hourmazdi, Katharina Schüttler u.a.

Ausstellung Köln

Francis Alÿs – Kids Take Over

Das Museum Ludwig präsentiert mit Francis Alÿs – Kids Take Over eine außergewöhnliche Ausstellung, in der Kinder im Mittelpunkt stehen. Der international hoch renommierte Künstler Francis Alÿs hatte große Einzelausstellungen im MoMA in New York, in der Tate in London, in zahlreichen Museen, darunter in Houston, Shanghai, Mexico City, Basel und auf der Biennale in Venedig 2022. 

Tagung Kunstmuseum Ahlen

Konkrete Kunst der Gegenwart

Ist die Konkrete Kunst nach hundert Jahren noch immer lebendig? Steckt zukunftsfähiges Potenzial in der Idee Konkret oder hat sie sichaufgebraucht? Wie weit hat sich das konkrete Universum seit dem Urknall im Jahr 1924 ausgedehnt? Und wo liegen seine Grenzen – inhaltlich, formal, künstlerisch, theoretisch? 

Ein Austausch mit Boualem Sansal in der Zeit des „Arabischen Frühlings“

Gefährlich ist der Moment, in dem man spricht

Seit Boualem Sansal, Träger des Friedenspreises 2011 und einer der bedeutendsten Schriftsteller Algeriens, im November 2024 in seiner Heimat verhaftet worden ist, setzen sich weltweit der Autorenverbund PEN International, solidarische Protestbewegungen und Intellektuelle wie der Politikwissenschaftler Claus Leggewie für die Freilassung des erkrankten, achtzigjährigen Autors ein. Sansal war sich seiner Gefährdung bewusst. In einem Gespräch, das er im Januar 2012 zu Beginn des von Hoffnung getragenen „Arabischen Frühlings“ mit Miriam Shabafrouz und Andrea Pollmeier in Frankfurt führte, sprach er über dieses Risiko und seinen Umgang mit Angst.

Schwarz-rote Bundeskulturpolitik

Wie gehabt

Dass sich die Koalitionsvereinbarungen zur Kulturpolitik einer Rede bei einer Landwirtschaftsausstellung aus Flauberts „Emma Bovary“ bedienen, wie Jürgen Kaube in der F.A.Z. schreibt, überrascht nicht. Copy & paste oder KI? Nicht nur Pathos und Ahnungslosigkeit kennzeichnen angemaßte Kompetenzen, sondern, wie der Dichter und Jurist Matthias Buth zeigt, der eigenmächtige Umgang der bundeskulturellen Einrichtungen mit unseren Gesetzen.

Theater in der Josefstadt

Das Vermächtnis

Das Vermächtnis von Matthew López. Frei nach dem Roman „Howards End“ von E. M. Forster. Aus dem Amerikanischen von Hannes Becker. Es wird das Theater-Highlight 2025, ein Opus Magnum, ein mehrfach preisgekröntes, international gefeiertes Bühnenepos, das das Publikum über mehrere Stunden in seinem Bann hält.

Lyrik von Frauen aus Mittel- und Osteuropa

Radmila Lazić

Diese Poesie ist in mehrfacher Hinsicht erlesen. Denn sie wird durch die Stimme und Gestaltungskunst einer einzigartigen Rezitatorin versinnlicht und zugleich inhaltlich reflektiert. Birgitta Assheuer hat in ihrer Reihe „Handverlesen“ 25 Gedichte aus 16 Ländern ausgewählt und gelesen, Lyrik von Frauen aus Mittel- und Osteuropa. Zugewandt und klug kommt uns ihre Dichtung entgegen, und wir müssen nur hören. Diesmal „Selbstbildnis” von Radmila Lazić.

Ausstellung RrOMA LEPANTO bei Kai Dikhas in Berlin

Wer ruderte die Galeeren in der Schlacht von Lepanto?

Eine Ausstellung von Kai Dikhas in Berlin erzählt die historische Seeschlacht von Lepanto aus der Perspektive der Roma neu und lädt dazu ein, genauer hinzusehen. Die ursprünglich auf der Biennale Venedig gezeigten Werke der beteiligten Künstler*innen wollen einen Diskurs über die (Un-)Sichtbarkeit und Anerkennung der Beiträge der Roma zur europäischen Geschichte und Gesellschaft initiieren. Noch bis Ende Mai ist die Gemeinschaftsausstellung in Kreuzberg zu sehen. Cornelia Wilß berichtet.

Interview mit Investigativjournalistin Kathrin Hartmann

Frontlinien der Klimakrise

Wer Öl ins Feuer gießt, entfacht bewusst einen noch größeren Brand. Die Journalistin Kathrin Hartmann analysiert – von den USA über Rügen bis Namibia – weltweit Projekte, die „global und gerecht“ aus Krisen herausführen sollen. Im Austausch mit Insidern vor Ort werden erschütternde Kontinuitäten einer profitgetriebenen Zerstörung erkennbar. Sachlich und einfühlsam zugleich beschreibt die Autorin die widersprüchlichen Effekte ökonomischer und technologischer Maßnahmen auf Mensch und Umwelt. Andrea Pollmeier hat mit der Autorin über ihre Recherchen gesprochen.  

Buchpremiere im Humboldtsaal

Mutig sein

Sie bietet Trump die Stirn: US-Bischöfin Mariann Budde im Gespräch mit Anja Wehler-Schöck (in englischer Sprache). Moderation: Anja Wehler-Schöck. In den ersten Wochen der zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump haben nur wenige gewagt, die Stimme gegen ihn zu erheben. Zu ihnen zählt die US-Bischöfin Mariann Budde.

Gedicht von Betânia Ramos Schröder

XI

Marine Le Pen und die „Justiztyrannei“

Vorsätzlich begangener Betrug

Nicht nur schlechtes Benehmen zeichnet die Repräsentanten rechtsextremer Parteien diesseits und jenseits des Atlantik aus, sondern auch unverhohlene Korruption, die dreiste Umkehrung des Täter-Opfer-Verhältnisses und die Akzeptanz der Gesetze nur zum Eigennutz. Will die Exekutive ihre Glaubwürdigkeit nicht verlieren, muss sie Gesetzesverstöße ahnden. Weil das in Frankreich jetzt geschah, mobilisiert Marine Le Pen ihre Anhängerschaft gegen die Justiz. Jutta Roitsch hat genau hingesehen.

A Wild Women Circus

Barbaren Barbies

Die Barbaren Barbies sind witzig, komisch, berührend und manchmal gar wütend – doch in jedem Fall ganz großartige Artistinnen! Sie widmen sich mit Verve und Wucht den Vorstellungen von Weiblichkeit, sezieren Männerrollen und Frauenbilder mit tobendem Humor, Lebensfreude und herrlich schockierender Albernheit.

Nationaltheater Mannheim

Die Schatten­präsidentinnen

Die Schatten­präsidentinnen. Oder: Hinter jedem großen Idioten gibt es sieben Frauen, die versuchen, ihn am Leben zu halten von Selina Fillinger | aus dem Englischen von Nico Rabenald. Eine gefeierte Broadway-Komödie über die Frauen, die das Oval Office am Laufen halten, während sie den großen Idioten babysitten, der das Präsidentenamt bekleidet – und über die Frage, warum sie das tun und wie lange noch.

Veranstaltungsreihe

Pavillon der Demokratie

In der Frankfurter Paulskirche wurde der Grundstein für die Demokratie in Deutschland gelegt. Dort tagte 1848 die Nationalversammlung und legte die erste gesamtdeutsche und demokratische Verfassung des Landes vor. Im Rahmen des 175-jährigen Jubiläums entstand vor zwei Jahren die Idee für einen „Pavillon der Demokratie“.

Centre Pompidou

Paris noir

Von der Gründung der Zeitschrift Présence Africaine bis zur Gründung der Revue noire zeichnet „Paris noir“ die Präsenz und den Einfluss schwarzer Künstler:innen in Frankreich zwischen den 1950er Jahren und 2000 nach. Sie beleuchtet 150 Künstler:innen aus Afrika, Amerika und der Karibik, deren Werke in Frankreich nur selten gezeigt wurden. 

Trump und die Welt des Karnevals

„Es lebe der König"

„Ich liebe die Ungebildeten“, bekannte der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Diese Selbstliebe aber muss auch das Wissen um die historischen Modelle ignorieren, die man selbst nachspielt. Und wäre die Situation nicht so ernst, könnten wir uns über die Narrengeschichten aus der Neuen Welt amüsieren. Die Archäologin und Historikerin Evangelia Kelperi führt mit Verweisen auf die Gegenwart Beispiele von der Antike bis zur Renaissance an, als Saturnalien und Karneval noch eine grundstürzende Bedeutung hatten.

Epikrise der russischen Selbstvergiftung

Pop-up-Propaganda 

Wie funktioniert Putins Propaganda? „Pop-up-Propaganda – Epikrise der russischen Selbstvergiftung“ ist eine so eindrucksvoll akribische wie düstere Bilanz, was Putins Propaganda mit Russland und seinen Bürgern gemacht hat. Ein abgrundtiefer Blick in die Methoden einer nahezu allumfassenden totalitären Bewusstseinsindustrie. Mit ihrem Buch hierzu hat Irina Rastorgueva den Leipziger Buchpreis gewonnen.

Gedicht von Julia Grinberg

von Ballerinas und Zinnsoldaten

Der Westen, Europa und seine Feinde (2. Teil)

Abrechnung (2)

Nur im gemessenen zeitlichen Abstand werden Historiker feststellen können, wann die neue Zeit begann. Was wir aber schon wissen, ist, dass die Deutschen, von deren Boden nach dem Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg nie wieder ein Krieg ausgehen sollte, die deshalb militärische Rüstung eher symbolisch verstanden und ihre Sicherheit den transatlantischen Verbündeten anvertrauten, durch Russlands Aggressionskrieg gegen die Ukraine und die antieuropäische Haltung der US-amerikanischen Regierung sich neu erfinden müssen. Der Politikwissenschaftler Claus Leggewie setzt sich mit Positionen, Theorien und der Realität auseinander. Wir bringen den Text in zwei Teilen. Hier ist Teil zwei.

Der Westen, Europa und seine Feinde (1. Teil)

Abrechnung (1)

Nur im gemessenen zeitlichen Abstand werden Historiker feststellen können, wann die neue Zeit begann. Was wir aber schon wissen, ist, dass die Deutschen, von deren Boden nach dem Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg nie wieder ein Krieg ausgehen sollte, die deshalb militärische Rüstung eher symbolisch verstanden und ihre Sicherheit den transatlantischen Verbündeten anvertrauten, durch Russlands Aggressionskrieg gegen die Ukraine und die antieuropäische Haltung der US-amerikanischen Regierung sich neu erfinden müssen. Der Politikwissenschaftler Claus Leggewie setzt sich mit Positionen, Theorien und der Realität auseinander. Wir bringen den Text in zwei Teilen. Hier ist Teil eins.

Programm und Kompromiss

Bett, Seife und Brot

Solange zwei Gewählte ihre Ungleichheit betonen, werden ihre großen politischen Entwürfe beim Kuhhandel enden, und die unredlichen Diskreditierungen werden kein Ende nehmen. Der Tauschhandel, der Existenzen von Migranten, Armen, Frauen und Müttern verdinglicht, kann dem Zynismus nicht entgehen. Peter Kern hat die Optionen der Verhandlungspartner in den Blick genommen.

Handverlesen

Lyrik von Frauen aus Mittel- und Osteuropa

Diese Poesie ist in mehrfacher Hinsicht erlesen. Denn sie wird durch die Stimme und Gestaltungskunst einer einzigartigen Rezitatorin versinnlicht und zugleich inhaltlich reflektiert. Birgitta Assheuer hat in ihrer Reihe „Handverlesen“ 25 Gedichte aus 16 Ländern ausgewählt und gelesen, Lyrik von Frauen aus Mittel- und Osteuropa. Zugewandt und klug kommt uns ihre Dichtung entgegen, und wir müssen nur hören. Hier „Zu spät" von Mirela Ivanowa.

„Briefe aus der Roten Wüste“ von Maria Borio und Tom Schulz

Die Pinie am Haus

Eigentlich gehört es sich nicht, fremde Briefe zu lesen. Und selbst wenn sie in Buchform erscheinen, fällt der Blick in eine sonst geschützte Privatsphäre. Zum Glück wird die Neugier beim lyrischen Paarlauf mit Maria Borio und Tom Schulz in berückende Bahnen geleitet, wo sie zwischen Eidechsen und Olivenbäumen mit kunstvoll zarten Versen belohnt wird. Bernd Leukert hat sich von den Briefen aus der Roten Wüste betören lassen.

Reimanns L`invisible an der Oper Frankfurt

Vom Ende zum Anfang

Selten wird die Tatsache, dass sich die reale wie metaphysische Welt aus unzähligen Fragmenten zusammensetzt, so klar widergespiegelt, wie in Aribert Reimanns letzter vollendeter Oper „L`invisible“ (das Unsichtbare). Einzelne Teile für sich betrachtet, hätten weder Bedeutung noch Überzeugungskraft. Erst durch das Zusammensetzen entsteht ein faszinierendes Gesamtbild immerwährender Transformation, zu der der Tod genauso wie das Leben gehört. In der Erstaufführung der Oper Frankfurt wird es, meint Andrea Richter, sinnlich erfahrbar gemacht.  

Ausstellung

Slide

Zwischen dem, was wir sehen und dem, was wir wahrnehmen liegt die Essenz von Friederike Walters Kunst. Ihre Gemälde beschreiben auf reduzierte Weise Raum und Licht. In ihrer Beschaffenheit geben sie ein gleichermaßen irritierendes wie stimulierendes Rätsel auf, weil sie subtil zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion der Raumwahrnehmung changieren.

Vor 80 Jahren wurde Georg Elser hingerichtet

Allein gegen Hitler

Vor achtzig Jahren – am 9. April 1945 – wurde der Schreinergeselle Georg Elser im KZ Dachau ermordet. Mit einer selbstgebastelten Bombe hatte er ein Attentat auf Hitler geplant, während dieser im Münchner Bürgerbräukeller eine Rede hielt. Doch der „Führer“ verließ vorzeitig den Saal und kam mit dem Leben davon. Elser wurde als „Sonderhäftling“ jahrelang inhaftiert – und kurz vor Kriegsende auf Befehl der Gestapo erschossen. Helmut Ortner schreibt über den Mann, der die Bombe baute, die Hitler töten sollte.

Uraufführung Theater Freiburg

Die Erwartung

Theresia Walser Die Erwartung. Bloß nicht nach Nord-Nordwest, oder warʼs Nord-Nordost? Ein gewaltiger Zyklon – groß wie ein halbes England – wird erwartet und versetzt alle in Ausnahmezustand: Wie Himmelsrichtungen bestimmen, wo sich in Sicherheit bringen und wem vertrauen? Schlummert im besten Freund womöglich ein „Panik-Berserker“? 

Gedicht von Felix Philipp Ingold

Rate mal!

Lyrik von Frauen aus Mittel- und Osteuropa

Tanja Stupar-Trifunović

Diese Poesie ist in mehrfacher Hinsicht erlesen. Denn sie wird durch die Stimme und Gestaltungskunst einer einzigartigen Rezitatorin versinnlicht und zugleich inhaltlich reflektiert. Birgitta Assheuer hat in ihrer Reihe „Handverlesen“ 25 Gedichte aus 16 Ländern ausgewählt und gelesen, Lyrik von Frauen aus Mittel- und Osteuropa. Zugewandt und klug kommt uns ihre Dichtung entgegen, und wir müssen nur hören. Hier „alte und goetter" von Tanja Stupar-Trifunović.

Friedman in der Oper Frankfurt

Die Knie beugen und den Ring küssen

Leoš Janáčeks letzte Oper „Aus einem Totenhaus“ nach den Aufzeichnungen Fjodor M. Dostojewskis aus seinen eigenen Erfahrungen erzählt von den Insassen eines Straflagers. Regisseur David Hermann versetzte das Werk in unsere Gegenwart und zeigt einen Journalisten, der in die Fänge eines repressiven Regimes gerät. Entlang dieser Handlung diskutierte Michel Friedman im Rahmen seiner Gesprächsreihe in der Frankfurter Oper sehr spannend mit dem Leiter des ZDF-Studios in Washington, Elmar Theveßen, die Frage von Opportunismus angesichts der Bedrohung durch autoritäre Staatsideen und -lenker.

Malerei und Lyrik

Easy Magic 123

Eine Ausstellung mit Gemälden von Julia Jansen und Bettina Sellmann – beide Meisterschülerinnen bei Thomas Bayrle – sowie Gedichten und Strickobjekten der Lyrikerin Julia Mantel in der Städtischen Galerie im Kunsthaus Troisdorf.

Susan Sontag

Sehen und gesehen werden

Die Autorin, Kritikerin und public intellectual Susan Sontag hat sich zeitlebens intensiv mit den visuellen Medien beschäftigt. Aus der Philosophie und Literaturwissenschaft kommend, erkannte sie hellsichtig den bestimmenden Einfluss der Fotografie in unserer medial geprägten Gesellschaft. 

Ewart Reders „Komisch, dass wir nicht merken, dass wir komisch sind“

Jenseits der Schubladen

Ephraim Kishon fragte einst: „Haben die Deutschen Humor? Wenn ja, warum nicht?“ Das traf nicht nur die Deutschen, die allzu oft keinen Zugang zum Kunstpalast des Unernstes finden. Auch die Nichtdeutschen stehen nicht selten fassungslos vor unserer absurden Komik, die es durchaus gibt. In seiner Textsammlung mit „Possen und Glossen“ hat Ewart Reder die freiwilligen und unfreiwillig komischen Abgründe überquert, und Paul-Hermann Gruner hat einen Blick darauf geworfen.

Staatstheater Wiesbaden

an grenzen

Özlem Özgül Dündars Text „an grenzen" wird uraufgeführt, als Hommage an all jene, die Opfer von rechter Gewalt geworden sind. „schau hin du kennst meine hände auf jeden fall sie gibt es millionenfach in deutschland sie haben eine lange reise hinter sich bevor sie hierher kamen und hier geht ihre reise immer weiter sie sind die angeworbenen hände die angemieteten hände und mit ihnen die angemieteten körper.“

Die AFD-Hochburg, der Kabarettist und das Erinnern

Kehrt Werner Finck nach Görlitz zurück?

Görlitz, am östlichen Rand der Republik, ist eine besonders schöne, geschichtsträchtige, auch zukunftsorientiere Stadt – und AFD-Hochburg. Hier wurde Werner Finck geboren, der Großmeister des politischen Kabaretts. Einst berühmt, heute bei vielen vergessen. Das soll sich jetzt ändern. Helmut Ortner erinnert an den großartigen Schauspieler und Kabarettisten und bringt ihn nach Görlitz zurück.

Kunstverein Familie Montez

Hoch hinaus! Die Europäische Zentralbank verändert ihr Viertel

Der Kunstverein zeigt Photographien von Peter Menne vom Bau des EZB-Doppelturms im Frankfurter Ostend, für den die von Martin Elsässer erbaute, denkmalgeschützte Großmarkthallle aufgeschnitten wurde. 

Festival zur Presse-und Kunstfreiheit

Echoes of freedom and justice

Am 3. Mai 2025, dem Welttag der Pressefreiheit, veranstaltet Projekt Moses Jugend- und Sozialwerk e.V. im Rahmen von "Ubuntu Passion Art" das Festival zur Presse- und Kunstfreiheit. Dieses Festival steht im Zeichen der Stärkung der Presse- und Kunstfreiheit in herausfordernden Zeiten.

Aus dem Notizbuch

Die persönliche Urne

Spirituosen. So nennt man geistige Getränke. Und tatsächlich gesellt sich auch der Weingeist, wenn er sich nicht als Gespenst erweist, gerne zu anderen geistigen Medien wie den Büchern. Eldad Stobezkis vagabundierende Notizen streifen Sicherungskopien, das messerscharfe Maß, den Maulbeerbaum, selbstgetöpferte Urnen, den Tod von Schmetterlingen und Menschen.

Giacomo Casanova zum 300. Geburtstag

Er war nie verheiratet

Am 2. April 2025 vor 300 Jahren wurde Giacomo Casanova geboren. Dass er zu einer prominenten Figur des 18. Jahrhunderts wurde, dafür hat er selbst gesorgt. Aus den vielen Facetten seines Lebens wurden aber immer nur wenige verbreitet, so dass jeweils ein verzerrtes, vergröbertes Bild von ihm existiert. Tatsächlich war er ein mannigfaltig talentierter Mann, der mit heute unvorstellbaren Methoden versuchte, seine Existenz und sein Leben zu retten. Nach einer kurzen biografischen Skizze eine Erinnerung an Lasse Hallströms „Casanova“-Film von Marli Feldvoß.

Theater Berlin

Die heilige Johanna der Schlachthöfe

Die heilige Johanna der Schlachthöfe von Bertolt Brecht. Chicago 1930: die Viehbörse wird vom "Fleischkönig" Mauler kontrolliert, die Fabriken sind geschlossen. Johanna Dark will den hungernden Arbeitern helfen, sie will wissen, wer an deren Elend schuld ist. In ihren drei Gängen "in die Tiefe" begegnet sie Mauler und glaubt ihn zur Menschlichkeit zu bekehren. 

Erzählung von Peter Bichsel

Ein Tisch ist ein Tisch

Es eint die Schriftsteller der Schweiz der Zweifel an der vorgefundenen Realität. Ob Friedrich Dürrenmatt, Max Frisch oder Peter Bichsel, der nun gestorben ist – sie trauen ihren Sinnen nicht. Sie könnten ja auch jemand anderes sein, und der andere ist möglicherweise nicht der, für den man ihn hält. Auch der Blick in die Welt ist durch Skepsis gefiltert. Wir erinnern an Peter Bichsel mit seiner kurzen Erzählung „Ein Tisch ist ein Tisch“, die einen trügerischen Ausweg aus der engen Beziehung von Ding und Namen bereithält.

30 wuchtige Thesen für die Gesellschaft und die Politik

Verspieltes Vertrauen zurückgewinnen

Vier Prominente der deutschen Gesellschaft haben an die Tür einer sich findenden Regierung 30 Thesen für einen handlungsfähigen Staat geschlagen, die auf Reformen, nicht auf Reformation hinauslaufen. Mit ihnen wird gefordert, die vernachlässigten Strukturen des Staates in einen funktionsfähigen Zustand zu versetzen. Jutta Roitsch hat sich das Papier genauer angesehen.

Die Theologin Katharina Staritz

Was Frauen möglich war

In der evangelischen Kirche war Frauen bis 1950 das Pfarramt verwehrt. Diesen Missstand beendete der Theologe Martin Niemöller mit Schaffung der deutschlandweit ersten Planstelle für eine Theologin, die er vor 75 Jahren mit einer außergewöhnlichen Frau besetzte. Doris Stickler gibt Einblick in das Leben von Katharina Staritz, die sich weder im NS-Regime noch im männerdominierten Nachkriegsdeutschland mundtot machen ließ.

Frauen in Indien

Die Ware Frau

Frausein in Indien ist immer noch belastet von Jahrhunderte alten Konventionen. Was das bedeutet, hängt davon ab, welcher gesellschaftlichen Klasse und Kaste die Frau angehört. Indien hatte eine Ministerpräsidentin zu einer Zeit, als das bei uns noch undenkbar schien. Die Schere der Chancen und Möglichkeiten geht und ging schon immer weit auseinander. Clair Lüdenbach hat sich über die Frau als Bewahrerin und Ware Gedanken gemacht.

Udo Bregers „Extraterritorial. Zeiten mit Carl Laszlo“

Einmal Hölle und zurück

Fünf Jahre mit einem hedonistischen, kunstbesessenen Psychoanalytiker, der sich als Teil der Avantgarde der 60er- und 70er-Jahre sieht. Da gibt es einiges zu erzählen. Die Berichte und Dokumente aus dieser Zeit haben Kultstatus. Der Übersetzer, Verleger und Beat-Generation-Experte Udo Breger hat mit „Extraterritorial. Zeiten mit Carl Laszlo“ ein weiteres Erinnerungsbuch veröffentlicht. Wolfgang Rüger hat es gelesen.

Weltfrauentag

Wir sind Wasser

Anlässlich des Internationalen Frauentags wurde im Kaisersaal des Frankfurter Römers die Choreografie „Corpus D'água“ von Bárbara Luci Carvalho aufgeführt. „Wir sind Wasser“ von Betânia Ramos Schröder ist ein Teil davon. Im Zentrum des Stücks stehen die Erfahrungen Schwarzer Frauen auf der Flucht, die Betânia Ramos Schröder in ihrem Text aus einer feministischen Perspektive eindringlich vor Augen führt.  

Gedicht von Julia Mantel

caring-career

Zum Tod von Peggy Parnass

Bella Ciao

Peggy Parnass, die am 12. März in Hamburg gestorben ist, hatte keine Kindheit, um die man sie beneiden müsste. Ein Kindertransport nach Stockholm rettete ihr 1939 das Leben. Nach sechs Jahren in zwölf verschiedenen Pflegefamilien kommt sie zu ihrem Onkel, der als einziger den Holocaust überlebt hatte, nach London. Sie geht nach Stockholm zurück und beginnt als Vierzehnjährige für ihren Lebensunterhalt zu arbeiten als Sprachlehrerin, Filmkritikerin, Dolmetscherin für die Kriminalpolizei, als Schauspielerin für Film und Fernsehen und als Gerichtsreporterin für die Zeitschrift konkret. Eva Demski erinnert an die engagierte Publizistin.

Demokratie und Ressentiment

Rechtspositivismus adé

Der Zug ist noch nicht abgefahren, aber die Weichen sind schon gestellt. Die angedachte große Koalition hat sich zwar unvorstellbar viel Stoff in den Tender geladen, wird aber einige Probleme auf der Strecke nicht bewältigen können, ohne Haltesignale zu überfahren. Peter Kern setzt seinen Kommentar über die Chemie unserer Demokratie und die sogenannte Politikwende im Zustand ihres Entstehens fort.

Ausstellung Amsterdam

Sag mir wo die Blumen sind

Zum ersten Mal in ihrer Geschichte vereinen das Van Gogh Museum und das Stedelijk Museum Amsterdam ihre Kräfte, um eine große Ausstellung über einen der wichtigsten Künstler unserer Zeit zu zeigen: Anselm Kiefer. Die Ausstellung, Sag mir wo die Blumen sind, die im Frühjahr 2025 eröffnet wird, stellt Anselm  Kiefer in den Mittelpunkt.

 

Aus dem Notizbuch

Ahle Worscht und Krinoline

Wenn er nicht aus seinem Buch liest, schreibt er eines. Eldad Stobezki notiert, was ihm widerfährt, wenn er Verständigungs- und Wahrnehmungslücken spürt, und immer wieder die Kuriositäten, die die Sprache bereitstellt. Neben der Ahlen Worscht, Kleiderfragen und Michelangelo Buonarotti, Ravel und die Empfängnis geht es um die Bedeutung des schönen deutschen Wortes „Zustrombegrenzungsgesetz“.

Contemporary African Photography

A World in Common

Inspiriert von dem kulturellen Reichtum Afrikas und seiner aktuellen soziopolitischen Landschaft bezieht sich die Ausstellung auf die Philosophie des kamerunischen Denkers Achille Mbembe, der uns dazu aufruft, eine „gemeinsame Welt“ zu imaginieren, indem wir „die Welt von Afrika aus denken“.

Ausstellung Berlin

Access Kafka

Kafka kommt nach Berlin! 100 Jahre nach Franz Kafkas Tod öffnet das Jüdische Museum Berlin mit seiner Aus­stellung Access Kafka neue Türen zu seinem Werk: Hand­schriften und Zeich­nungen aus Franz Kafkas Nach­lass begegnen Gegen­warts­kunst etwa von Yael Bartana, Maria Eichhorn, Anne Imhof, Martin Kippen­berger, Maria Lassnig, Trevor Paglen oder Hito Steyerl. 

Gendergerechtes Lexikon

Equalpedia

Frauen, queere Personen und andere marginalisierte Gruppen geraten in der digitalen wie in der analogen Welt ins Hintertreffen. So liegen im größten digitalen Lexikon Wikipedia die Beiträge über Frauen und die Anzahl der Autorinnen deutlich unter 20 Prozent. Um den überfälligen Wandel voranzutreiben, schritten Karin Kraus und Sonja Hintermeier zur Tat. Doris Stickler stellt die 2021 von ihnen gegründete Internetplattform Equalpedia vor.

Gedicht von Johanna Hansen

windau/ventspils

Gedanken zum Nouruz-Fest

Neuer Tag

Zum Frühlingsanfang um den 20. März wird in vielen Teilen der Welt, vor allem im iranischen Kulturraum, das Nouruz-Fest gefeiert. Das Fest geht auf einen dreitausend Jahre alten Ritus zurück, der das neue Jahr sowie den Frühling einläutet. Wörtlich übersetzt heißt Nouruz „Neuer Tag". Der Frühlingsbeginn symbolisiert den Triumph des Guten über das Böse und der Freude über den Kummer. Barbara Englert machte sich folgende Gedanken über den Frühling.

Eine Unterhaltung mit Micha Ullman

Wo man Bücher verbrennt

Wenn die Sonne die Seiten umblättert und die Lücken zwischen den Skulpturen sich zu Buchstaben formen, sind wir bei Micha Ullman. Der Künstler, der 1939 in Tel Aviv geboren wurde, in Jerusalem und London studierte, in Düsseldorf und Haifa lehrte, in Berlin lebte und von 1991 bis 2005 eine Professur für Bildhauerei in Stuttgart innehatte, schuf in Berlin das Denkmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennung und in Jerusalem das Buchstabenfeld. Christel Wollmann-Fiedler unterhielt sich mit ihm über seine Herkunft und seine Arbeit.

Interview mit hr-Musikchef Michael Traub

Erfolgreicher YouTube-Kanal des hr-Sinfonieorchesters

Das hr-Sinfonieorchester betreibt seit 2012 einen YouTube-Kanal. Er hat sich seitdem zum weltweit erfolgreichsten nicht kommerziellen Kanal für klassische Musik mit über 900 Videos, 520.000 Abonnent:innen, 37,5 Millionen Stunden Wiedergabezeit und insgesamt über 210 Millionen Abrufen entwickelt. Andrea Richter sprach mit dem hr-Musikchef und Orchestermanager Michael Traub.

Jonas Lüschers „Verzauberte Vorbestimmung“

Kleiner Webfehler

Für technische Neuerungen finden sich viele Motive. Es gibt Erfindungen, um Menschen auf den Mond zu schießen, um das Leben erträglicher zu machen oder viel Geld zu verdienen. Es gibt aber auch welche, die unsere Existenz vernichten, unser Leben sinnlos machen. Widerstand gegen solche Innovationen, die sich schließlich durchgesetzt haben, ist aus der Geschichte bekannt und trägt motivisch Jonas Lüschers Roman „Verzauberte Vorbestimmung“. Rolf Schönlau hat ihn gelesen.

Schaufenster junge Kunst

Justin Urbach

BLINDHÆD lässt uns weiter blicken, als unsere Augen es vermögen. Sehen ist eine Sinnespraxis, die uns durch die Welt führt, sie für uns erschließt und erfahrbar macht. Sie ist Mittel der Wissenskonstruktion und beeinflusst unser Verständnis der Realität grundlegend. Doch wie sehen wir,  wie treten Bilder in unser Bewusstsein ein und wie werden sie verändert? 

Die Finanzpläne der geschäftsführenden Bundesregierung

Ende der Fassnacht und List der Vernunft

Der Schein trügt. Wird etwas falsch, nur weil es von vorgestern ist? Wovon Privatpersonen dringend abzuraten wäre, nämlich Geld auszugeben, das man nicht hat, muss nach John Maynard Keynes dem Staat in bestimmten Situationen erlaubt sein. Das war in der sogenannten Ampelkoalition nicht denkbar. Nun ist es machbar. Peter Kern setzt mit seinen Bemerkungen zum plötzlichen Gesinnungswandel in der sich anbahnenden neuen Regierung seinen Kommentar zu Friedrich Merz und die Seinen fort.

Auf den Spuren von Simone de Beauvoir

Das andere Geschlecht

Simone de Beauvoirs Essay "Le deuxième sexe" (dt. "Das andere Geschlecht", 1949) wurde durch sein Engagement für Gleichberechtigung, Unabhängigkeit der Frau und sexuelle Freiheit zur "Bibel" des Feminismus. Wie wirkt die Schrift heute weiter? Bedeutende feministische Forscherinnen unseres Jahrhunderts versuchen eine kritische Neulektüre des bahnbrechenden Werkes.

Netzwerk kulturschaffender Frauen

Frankfurter Kranz

Das Frankfurter Kranz Journal ist eine Porträtgalerie im Netz, die Frauen aus der Kultur- und Kreativwirtschaft sichtbar macht. Das Journal porträtiert Kolleginnen aus Literatur, Musik und Bildender Kunst, aus Architektur, Design oder Kulturmanagement, freiberuflich wie angestellt und stellt deren Projekte und Ideen der Öffentlichkeit vor. 

Händels „Agrippina“ an der Oper Zürich

Sex, Crime and Politics bei den Mächtigen

Ein echter Wurf gelang mit Agrippina dem Opernhaus Zürich in mehrfacher Hinsicht: musikalisch maßstäblich, als Parabel auf die Machtspiele superreicher Oligarchen aktuell und vor allem ungeheuer witzig und hintersinnig inszeniert. Andrea Richter amüsierte sich bei der Premiere aufs Vortrefflichste und erlebte dort vor allem eine bis ins Letzte ausgefeilte Version des frühen Werks des barocken Opern-am-Laufband-Komponisten Georg Friedrich Händel, an der das exquisite Sänger- und Musikerensemble offensichtlich selbst viel Spaß hatte.

Gedichte von Jane Wels

3 Gedichte

Ausstellung Rostock

Hoffnung auf das Leben

Hafiza Qasimi zeigt Fotos ihrer Gemälde und aktuelle Werke. Es sind Gemälde, die sie in Afghanistan gemalt und aus Sicherheitsgründen selbst verbrennen musste und Werke, die in Deutschland entstanden sind. Darin beschäftigt sie sich mit den fehlenden Rechten von Frauen in ihrer Heimat Afghanistan. 

Die Dichterin Alfonsina Storni

Selbstbestimmte Rebellin

Die Schweizer Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin Hildegard Keller hat das literarische Werk von Alfonsina Storni aus dem spanischen ins Deutsche übersetzt und für die Werkausgabe eigens den Verlag Edition Maulhelden gegründet. Barbara Englert gibt Einblick in ihre Beweggründe sowie das Leben und Werk einer hierzulande fast unbekannten Dichterin und Schriftstellerin der Avantgarde.

Neue Rolf-Dieter-Brinkmann-Biografie

„Ich bin ein Dichter“

„ … Wer bin ich schon?: gefesselt, eingesperrt in die Gegenwart, die Rückwege habe ich mir bewußt selbst zugemauert, keine Vergangenheit mehr.“, schrieb der sensible und reizbare Dichter in „Rom, Blicke“. Muss man ihn sich so vorstellen? Zum 50. Todestag erscheint von Michael Töteberg und Alexandra Vasa die erste Biographie über Rolf Dieter Brinkmann. Wolfgang Rüger hat „Ich gehe in ein anderes Blau“ gelesen.

Zur Souveränität der Nationen

Westliche Werte, Seltene Erden

Es war der amerikanische Philosoph und liberale Theoretiker des Völkerrechts, John Rawls, der den Begriff der „outlaw states“ prägte – was wir mit „Schurkenstaaten" übersetzen. Und es waren traditionelle US-Republikaner, die schon früh eine „schurkische Supermacht“ unter der Regierung von Donald Trump prophezeiten. Ein großer Teil der Europäer sieht sich nun von mindestens zwei dieser Supermächte bedroht, und Repräsentanten deutscher Parteien und Meinungsmedien versuchen sich in neuer Parteilichkeit. Peter Kern setzt seinen Kommentar, den er mit „Wirrwarr auf hohem Niveau“ (TEXTOR, 28. Februar) begann, fort.

Centre Pompidou

Suzanne Valadon

Rund 200 Werke, Zeichnungen und Gemälde - die beiden bevorzugten Medien der Künstlerin -, sind in fünf thematische Abschnitte unterteilt, um den einzigartigen Lebensweg von Suzanne Valadon (1865-1938) nachzuvollziehen, von ihren Anfängen als Lieblingsmodell des Montmartre bis hin zu ihrer frühen künstlerischen Anerkennung durch Kollegen und Kritiker.

Theater und Orchester Heidelberg

Heidelberger Stückemarkt

Der 42. Heidelberger Stückemarkt findet vom 25. April bis 4. Mai 2025 statt. Gastland des diesjährigen Festivals ist China. Das Festivalteam des Heidelberger Stückemarkts hat ein Programm kuratiert, bei dem Sie, das Publikum, die Gelegenheit haben werden, Produktionen zu sehen, die nicht für ein westliches, sondern für ein chinesisches Publikum konzipiert wurden.

Festspiele

Die Maifestspiele

Erstmals haben die neuen Intendantinnen des Staatstheaters Wiesbaden, Dorothea Hartmann und Beate Heine, die Festspiele mit ihrer künstlerischen und konzeptionellen Handschrift versehen und es fühlt sich gut und richtig an. So ist es der Anspruch der Festspiele, neue Impulse für das Theater und die Stadt zu setzen. 

Lothar Schirmers und Magdalena Kröners „Die Bienenkönigin nährt am Ende alle …“

Ein langes Leben mit der Kunst

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und mit der richtigen Nase das Potential des ganz Unbekannten aufzuspüren, das macht den erfolgreichen Kunstsammler aus. Wenn er sich dann noch als sorgfältiger Verleger mit der Verbreitung von Kunst Verdienste erwirbt, wird ihm zu Lebzeiten schon ein Nimbus umgeben, der Neugier erregt. Lothar Schirmer hat, um dieser Neugier entgegenzukommen, mit Magdalena Kröner Gespräche über ein langes Kunst-Leben geführt, und Walter H. Krämer hat sich darin vertieft.

Toussaint Louverture und die Haitianische Revolution

Ein General kämpft gegen die Sklaverei

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – das sollte nach der Französischen Revolution nicht nur in Frankreich gelten, sondern auch in Kolonien wie Saint Domingue, dem heutigen Haiti. Dort kämpfte Toussaint Louverture als General der französischen Armee für die Durchsetzung dieser Ziele. Der britische Historiker Sudhir Hazareesingh hat in einer preisgekrönten wissenschaftlichen Studie das Wirken Toussaints erforscht und den Blick auf den General, der den weltweit ersten Unabhängigkeitskampf von Sklaven gegen die Kolonialherrschaft erfolgreich angeführt hat, von vielschichtigen stereotypen Klischees befreit. Andrea Pollmeier hat das Buch gelesen.

Zum Tod des haitianischen Autors Frankétienne

Flaschenpost für planetaren Wandel

Frankétienne, viele Jahre Anwärter für den Literaturnobelpreis, hat sich stets geweigert, seine Heimat Haiti zu verlassen. Hier hat er ein dichterisches Werk entwickelt, das planetare Relevanz entfaltet hat. Zerstörungen, wie sie Erdbeben und von Menschen verübte Gewalt bewirken, setzte er die Hoffnung auf eine Kultur der „Mondialité“ entgegen, die reich ist an archaischer Spiritualität und Großzügigkeit. Mit 88 Jahren ist Frankétienne nun in Haiti gestorben. Aus diesem Anlass veröffentlicht Textor ein Interview, das Andrea Pollmeier im Mai 2010 mit dem Autor und Maler geführt hat.  

Eintracht Frankfurt Museum

100 Jahre Stadion Frankfurt

Die Eröffnung des Frankfurter Stadions im Mai 1925 war ein Meilenstein in der Sportgeschichte der Stadt. Mit seiner mit weißem Muschelkalk verblendeten Tribüne war es eine architektonische Sensation. Nicht zuletzt, weil die Frontseite zum Spielfeld an ein antikes griechisches Theater erinnerte. 

Merz und die Seinen

Wirrwarr auf hohem Niveau

Die Deutschen haben gewählt, und viele Hoffnungen sind in den Urnen verschwunden. Rückzüge haben die Vorzüge demokratischen Selbstverständnisses bestätigt; die Beschwörung des Untergangs mit dem Hinweis auf die Verschwörung der üblichen Verdächtigen ist uns ebenso vertraut wie der Triumph der Sieger, die sich nach einer anderen Richtung umsehen. Nach einem Blick auf die Wahlergebnisse kommentiert Peter Kern die neue Situation.

Hörstück für drei Stimmen von Felix Philipp Ingold

Das Atemlos

„Am meisten bedeutet Unverständliches.“, heißt es da. Denn die Verständigung der Personen geschieht über Klänge, Sprachähnlichkeiten, Assoziationen, Parabeln und das Philosophieren. Es gilt, ein Hörstück von Felix Philipp Ingold zu lesen. Nicht Lebensbilder bildet es ab; sondern die Worte, die untereinander recht anspruchsvoll korrespondieren, rufen Bruchstücke von Realität herbei, die sich aber im montierten Zustand präsentiert. Und nötig ist „ein bisschen Ruhe, das auch der Beste zum Entziffern braucht“.

Erinnerung an Klaus Voigt

Mein „Nonantolafreund“

Der Historiker und Philosoph Klaus Voigt, der 2021 in seiner Heimatstadt Berlin gestorben ist, befasste sich für seine Doktorarbeit über den Humanismus mit dem Ablasshändler Marinus de Fregeno und seiner Beschreibung der deutschen Lande. Seine Forschungen führten ihn zur Villa Emma bei Nonantola in der Emilia-Romagna. Dort fanden 1942 jüdische Kinder Schutz vor der Verfolgung durch die Nazis. Christel Wollmann-Fiedler erinnert an den Exilforscher Voigt und seine Arbeiten zur Fluchtgeschichte in Italien 1940-45.

Schauspiel Frankfurt

B-Heimat. Orte unserer Sehnsucht

Wie wird über Arbeitsmigration und Einwanderung in Deutschland gesprochen? Wie wirkt sich das auf die Beheimatung von Zugewanderten aus? Regisseurin Martina Droste hat hierzu mit Jugendlichen im Gallus recherchiert und mit ihnen und einem künstlerischen Team ein Theaterstück entwickelt.

Ausstellung Magdeburg

Opération Béton

Der ambivalente Baustoff Beton, der das kreative Werden ebenso wie das gesamte Spektrum zwischen Zerstörung, Wiederaufbau und Umweltkatastrophe in sich trägt, hat Kunstschaffende schon lange bewegt und herausgefordert. Opération Béton nennt der französische Experimentalfilmer Jean-Luc Godard seinen ersten Film, der 1954 erschien.

Das KZ-Außenlager in den Frankfurter Adlerwerken

Die schrecklichste Erfahrung seines Lebens

Dass die Nationalsozialisten in den Frankfurter Adlerwerken unter dem Namen Katzbach ein Konzentrationslager betrieben, blieb in der städtischen Wahrnehmung lange außen vor. Gelangten die Vorgänge erstmals Ende der 1980er-Jahre ins Blickfeld der Öffentlichkeit, legte das Fritz Bauer Institut 2021 eine umfassende Forschungsstudie vor. Doris Stickler umreißt den langen Weg zu einem angemessenen Gedenken an das vor 80 Jahren aufgelöste KZ.

Hörspiel

Das Halbhalbe und das Ganzganze

Das Hörspiel  "Das Halbhalbe und das Ganzganze" von Safiye Can im Gedenken an die Opfer und Hinterbliebenen des rechtsextremistischen Terroranschlags von Hanau am 19.02.2020:

Aus dem Notizbuch

Mehr Kopfreisen und echte Reisen

„Erfahren“ bedeutet im Wortsinn, die Welt fahrend kennenlernen. Man sollte also meinen, wer viel reist, kann ein erfahrener Mensch werden. In der Bedeutung von „klug, bewandert“ ist das Wort seit dem 15. Jahrhundert belegt. Also vor dem Zeitalter der Motorisierung. Wie damals aber ist die Reisezeit heute so flexibel, dass wir nicht wissen, ob wir, wie Eldad Stobezki in seiner Traumreise, das Ziel noch pünktlich erreichen oder es wechseln müssen.

Klaus Maecks „Volle Pulle ins Verderben“

Hedonismus & Anarchie

Ein alternatives Herz und ein zupackender Wille – ein Punker in Leitungsfunktionen: Der Filmemacher, Filmproduzent, Musikverleger, Manager, Regisseur, Autor und Weltenbummler Klaus Maeck hat jetzt eine Art Autobiografie vorgelegt. Wolfgang Rüger hat „Volle Pulle ins Verderben“ gelesen.

Gedicht von Andrea Köllner

Tagtraumerwachen

Erinnerung an den Denker der Wunschmaschinen

Die Sandale des Gilles Deleuze

Ob die „Mille Plateaux“, die in Frankreich 1980, in Deutschland 1992 erschienen, überhaupt gelesen wurden, ist ungewiss. Aber die Idee der Rhizomatik, die allen Ordnungsvorstellungen widersprach, elektrisierte das informierte Publikum, ebenso wie „Differenz und Wiederholung“ aus dem selben Jahr. Der Autor Gilles Deleuze, der solche weiterwirkenden Begriffe in die Welt setzte, wurde im Januar 1925 geboren und starb im November 1995. Ruthard Stäblein erinnert an den großen Philosophen.

Jahrestag des Anschlags von Hanau

Fünf Jahre danach

Am 15. Februar fand die Gedenkveranstaltung anlässlich des 5. Jahrestags des rassistisch motivierten Anschlags in Hanau statt. Es war als ein selbstbestimmtes Gedenken von der Initiative 19. Februar organisiert: Mit Beiträgen der Angehörigen und Überlebenden, des Betroffenennetzwerks rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt, einer Theater-Performance und einem Bericht zur Tatnacht der Recherche-Agentur Forensic Architecture/Forensis. Ein Abend gemeinsamer Reflexion und Erinnerung. Hier die Eröffnungsrede der Journalistin und Autorin Hadija Haruna-Oelker.

Ausstellung Wien

Vier apokalyptische Reiter

Seit 2017 untersucht Beate Passow anhand der Serie Monkey Business, die sich inhaltlich auf Europa bezieht, politische Herausforderungen und Defizite des Kontinents, die von Migrationskrise, Brexit, Protestbewegungen, Populismus und Rassismus, bis hin zum Krieg in Europa reichen.

Sicherheit in der Atomtechnik

Wiederkehrende Missverständnisse

Die Nuklearkatastrophe von Fukushima am 11. März 2011 löste weltweit Ensetzen aus und sorgte in Deutschland für den Atomausstieg. Die Atomlobby wie auch CDU, CSU und FDP treiben dennoch beharrlich die Wiederzulassung von Kernreaktoren voran. Dabei sind selbst nach dem Bekanntwerden der Risse in französischen AKWs im Jahr 2021 bei hiesigen Meilern keine Prüfungen mehr erfolgt. Detlef zum Winkel fragte nach Fakten und stieß auf Propaganda, Täuschung und Selbsttäuschung.

Radikaler Wandel im Bauen

Zur Nachahmung empfohlen!

Es fühlt sich nach dem richtigen Moment an, Gewohnheitsstränge zu verlassen und neue Allianzen einzugehen. Wie die Ausstellung „ZUR NACHAHMUNG EMPFOHLEN! erkundungen in ästhetik und nachhaltigkeit“ (ZNE!) zeigte, vermögen interdisziplinäre Fördermodelle Netzwerke zu schaffen, die mehr im Sinn haben als die Unterwerfung unter herkömmliche Kriterien wie Produktorientierung und Outputzwang, schreibt Adrienne Goehler.

 

 

Erinnerung an Wolf Rosenberg

„Das macht aber nichts“

Sein Vater war ein jüdischer Hutfabrikant in Dresden. Nach dessen Tod kam Wolf Rosenberg zum Großvater, der ihm eine musikalische Ausbildung ermöglichte. Nach dem Studium der Philosophie, Geschichte und Kunstgeschichte bekam er Kompositionsunterricht bei Stefan Wolpe und nahm an Dirigierkursen bei Hermann Scherchen teil. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er nach Deutschland zurück und arbeitete als Musikjournalist. Mit seinen Kritiken und Analysen für Presse und Rundfunk wurde er einer größeren Öffentlichkeit bekannt. Anlässlich seines 110. Geburtstages erinnert sich die Pianistin Angelika Nebel an den großartigen Musikvermittler.

Gedicht von Matthias Buth

Blondi

Chefdigitalisierer fördern autokratische Tech-Oligarchie in Deutschland

Wehren wir uns!

Rechner können rechnen, aber nicht denken. Alle Vorgänge, auch KI und ChatGPT, die der Computer für uns durchführt, sind quantitativ. Und weil sie so ideenlos sind, sind sie gut zu missbrauchen. Begriffe wie „Digitalisierung“ und „Bürokratieabbau“, die auf den ersten Blick als harmlose Aufrufe zur Innovation erscheinen, dienen im Hintergrund dazu, Demokratie zu demontieren. In welchem Maße Tech-Oligarchen den politischen Diskurs beeinträchtigen und digitale Transformation auch in Europa vorantreiben, beschreibt in seinem zornigen Debattenbeitrag Martin Wimmer.

Textland: Video-Interview

Man kann ja nicht den ganzen Tag weinen

Humor kann uns in Distanz zu den eigenen Schieflagen bringen und das Absurde bewusst machen. Zum Thema „Humor als Widerstand“ hat das Literaturfest Textland kurze Video-Interviews mit einigen Autor:innen geführt. Dana von Suffrin glaubt, „dass Literatur uns wirklich dabei hilft, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Das klingt jetzt wie das blödeste, abgedroschenste Klischee. Aber genau das möchte man doch eigentlich erreichen. Dadurch kann man eine Verbindung zwischen Leuten herstellen.“

Aus dem Notizbuch

Paris, Leipzig und andere Reisen

Die Gefahren und Strapazen bei Hofe und im Kriege, von denen Blaise Pascal schreibt und deshalb rät, ruhig in einem Zimmer zu bleiben, um Streitigkeiten, Leidenschaften und unheilvolle Unternehmungen zu vermeiden, haben sich seit dem 17. Jahrhundert sehr verändert. Und Reisen bildet – nicht jeden Menschen. In einem Zimmer zu bleiben und in Büchern zu reisen, böte sich also an, um das Unglück der Menschen gar nicht erst entstehen zu lassen. Eldad Stobezki hat sich für mehrere Reisevarianten entschieden.

Musikkabarett

Mackefisch – Komplizirkus

Liederpoetrykabarettwahnsinn. Mit Harmoniegesang zum Dahinschmelzen und rasanter Wortakrobatik nehmen Mackefisch (Lucie Mackert und Peter Fischer) die Gefühlslage unserer Gesellschaft ins Visier: lustig und albern, phantasievoll und poetisch, bissig und gnadenlos.

Ausstellung Wien

Der europäische Koran

Welche Rolle spielt die Heilige Schrift des Islams, der Koran, in der europäischen Ideengeschichte? Wie wurde und wird er seit den ersten Übersetzungen im Mittelalter in Europa gelesen und verstanden? Diesen Fragen widmet sich ab Herbst 2024 eine Sonderausstellung im Weltmuseum Wien.

Vor 100 Jahren startete das Projekt „Neues Frankfurt“

In Rekordzeit errichtet

Nicht nur das Bauhaus setzte in Sachen Architektur und Design bleibende Zeichen. Das Projekt „Neues Frankfurt“ zählt ebenfalls zur Avantgarde der Klassischen Moderne und erntete mit seinen gestalterischen Vorstößen weltweit Resonanz. Doris Stickler skizziert die Entwicklung des vor 100 Jahren gestarteten Programms, das einer neuen Epoche des Städtebaus Bahn gebrochen hat.

Axel Dielmanns Kunsterzählung „Triz. Baumchronist“

Eine Wohnung – drei Welten

Es ist schwer genug, sich mit gewöhnlichen Mitmenschen zu verständigen. Wie soll das aber mit Autisten gehen, die eine besondere Wahrnehmung haben, deren Konsequenzen für uns andere kaum zu begreifen sind? Wie kann man da Kontakt aufnehmen oder gar sich austauschen? Axel Dielmann erzählt in seinem Buch „Triz. Baumchronist“ von einem Ehepaar, das einen Zugang zu seinem Sohn sucht. Ewart Reder hat sich eingelesen.

Annegret Soltau – Werkschau

Radikale Selbstdarstellungen

Annegret Soltau hat allerhand mit sich angestellt. Denn ihren Körper vor allem hat sie als Objekt und Sujet ihrer künstlerischen Behandlungen und Dekonstruktionen verwendet, hat ihn mit Fäden verbunden und Fotos davon zerschnitten, zerrissen und mit Verwerfungen grob vernäht oder mit anderen Aufnahmen collagiert. Sie thematisiert Gewalt, Verletzlichkeit, Schwangerschaft, Familie und gehört zu den bedeutendsten feministischen Künstlerinnen. Marli Feldvoß hat die Eindrücke ihres Besuchs der Werkschau auf der Darmstädter Mathildenhöhe 2006 mit dem Titel „Annegret Soltau – ich selbst“ festgehalten.

Christian Schloyers Gedichtband „Venus / Mars“

Auf frischgefiederten Straßen

Christian Schloyers Lyrik nimmt eine solitäre Stellung in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur ein. Es ist eine Experimentalpoesie par excellence. Das lyrische Ich bleibt wie im Vorgängerband JUMP ’N‘ RUN, in dem es um eine apokalyptische Menschheitsdämmerung als Folge technischen Fortschritts ging, ein homo ludens, ein spielender Mensch. Nur als solches erträgt es auch im neuen Doppelband Mars-Venus den Populismus, das Patriarchat und den Leistungsfetisch seiner Welt sowie die Selbstzerstörung des homo sapiens. Alexandru Bulucz hat die Neuerscheinung gelesen.

Gedicht von Lisa Goldschmidt

Abend & Morgen

Albéric Magnards Oper „Guercœur“ in Frankfurt

Demokratie versus Diktatur

Um 1900 schrieb und komponierte Albéric Magnard die inzwischen fast vergessene Oper Guercœur, der gerade nach dem in der vergangenen Woche durch CDU und FDP erfolgten Bruch des Tabus, mit der in Teilen rechtsradikalen AfD gemeinsame Sache zu machen, besondere Bedeutung zukommt. Andrea Richter ersetzte im Verlauf der Erstaufführungs-Premiere in der Frankfurter Oper die Namen und Rollen der Protagonisten einfach durch die der genannten Parteien und verließ das Haus am Ende zutiefst aufgewühlt von der Frage: Wird es wirklich so weit kommen?

Aus dem Notizbuch

Ende Januar 2025

Dass wir verschieden groß sind, verstößt gegen den Gleichheitsgrundsatz und zieht gesellschaftliche Diskriminierung nach sich. Aber auch die Augenhöhe ist mit Nachteilen belastet. Das ist den Notizen Eldad Stobezkis zu entnehmen. Andere Motive, die ihn diesmal anregten, sind auch das Sterben im Dorf, letzte Bücher, Liebesbriefe, ewiges Licht, nächtlicher Reis und Vogelgezwitscher, Keramik und die neue Sachlichkeit.

Bildhauerinnen des Surrealismus

In Her Hands

Das Bucerius Kunst Forum präsentiert mit In Her Hands Bildhauerinnen des Surrealismus die Wiederentdeckung dreier außergewöhnlicher Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts: Sonja Ferlov Mancoba, Maria Martins und Isabelle Waldberg.

 

Jacques Offenbachs „Fantasio“ in Wiesbaden

Der Investor auf der Abrissbirne

Die Opéra comique muss nicht komisch sein. Jacques Offenbachs selten aufgeführter „Fantasio“ geht zwar auf eine Komödie von Alfred de Musset zurück, aber der Komponist strebte eine anspruchsvoll-unterhaltende Umsetzung an, der die politische Doppelbödigkeit nicht abhanden kam. An der Staatsoper Wiesbaden haben die Regisseurin Anna Weber und die Dramaturgin Hanna Kneißler zu seiner Musik aber eine Kontrafaktur vorgenommen, eine erhebliche Überschreibung. Margarete Berghoff beschreibt das spektakuläre Ergebnis.

Romantik-Museum

„ich habe mein Herz hinein geschrieben“ Intime Kommunikation

In der Romantik ist Intimität unauflöslich an Kommunikation geknüpft. Nähe ermöglicht Verstehen; Verstehen schafft Nähe. Aber gerade die Intimität stellt die Verständigung auch vor besondere Herausforderungen. Die Ansprüche, Zumutungen und Empfindlichkeiten, die mit ihr einhergehen, machen die Kommunikation anfällig für Missverständnisse. Wo sie dagegen glückt, wird sie als Liebe erfahren. 

Kommentar zur christdemokratischen Asylpolitik

Das Geschwätz von gestern

Wäre es nicht an der Zeit, die politischen Parteien zu bitten, ihre Namen zu überprüfen und gegebenenfalls zu korrigieren, damit die Wählerinnen und Wähler auch sicher sind, dass das, was draufsteht, auch drin ist? Das Stammtischthema Asylpolitik treibt zu Wählende und Wählende in einen irrationalen Schwindel, in dem sich alle parteilichen Grundsätze in Luft auflösen. Peter Kern kommentiert die Äußerungen des christdemokratischen Kanzlerkandidaten.

Kathy Ackers Werk und Leben

Der Hunger nach Wissen und Sex

Aufs Ganze gesehen markieren Tabubrüche jeden Fortschritt in der Geschichte der Künste. Die tabubeladene Sexualität aber hat dem Fortschritt beharrlich widerstanden und bietet deshalb immer wieder aufs Neue Anlass zu Skandal und Bewunderung. Die Erzählung „Bis aufs Blut“, mit der Kathy Acker bekannt wurde, geht aber mit ihrer experimentellen Sprache weit über die einst zensurierte Schilderung sexueller Praktiken hinaus. Anlässlich der Neuübersetzung von „Blood and Guts in High School“ erinnert sich Wolfgang Rüger an frühe Begegnungen mit Kathy Acker.

Austria-Nachtgedanken

Liebe ist ein süßes Licht

„Kriege lass andere führen, du glückliches Österreich, heirat‘! / Denn was den anderen Mars, Venus, die Göttin gibt’s dir.“ Mit diesem Distichon – im lateinischen Original heißt es „Tu felix Austria“ – umschrieben die Habsburger ihren Landgewinn durch Heiratspolitik. Venus hat sich jetzt offenbar entfernt. Die politischen Verhältnisse haben beinahe einen rechtsextremen Mann an die Regierung gebracht, der aus Österreich ein ganz anderes Land machen will. Matthias Buth kommentiert die Situation.

Gedicht von Tom Schulz

Aschesegen

Kaiser Ashoka in Indien

Vom grausamen Krieger zum mitfühlenden Menschen

Er war der erste Regent der Antike, der persönliche Erfahrungen mit seinen Untertanen teilte. Kaiser Ashoka, Herrscher über das indische Maurya-Großreich, versuchte im 3. Jahrhundert vor Christus, Staat und Gesellschaft nach der Lehre Buddhas auszurichten. Der Kaiser hielt das Prinzip der Religionsfreiheit hoch. Es sei sein Wunsch, ließ er wissen, dass überall in seinem Reich alle Glaubensgemeinschaften harmonisch zusammenlebten. Dafür ließ er sich, so berichtet Winfried Dolderer, eine besondere Kommunikationsstrategie einfallen.

Ausstellung

Hierzulande

„Ich bin viel gereist in meinem Fotografenleben, doch um ein spannendes Foto zu machen, musste ich eigentlich nur vor die Haustür treten" (Robert Lebeck). Ob Willy Brandt, Elvis Presley oder Romy Schneider - Robert Lebeck (1929–2014) kam allen ganz nah. 

Thalia Theater

Ajax und der Schwan der Scham

Wir haben ihn vergessen. Googelt man seinen Namen, stößt man auf einen Fußballverein, einen Haushaltsreiniger, einen Asteroiden, sogar auf einen Schützenpanzer – Ajax den Großen findet man erst viel später. Unter den griechischen Helden vor Troja ist Ajax nur der Zweitbeste, der Zweitstärkste, immer im Schatten des größten Griechen: Achill.

Vogelkunde

Textorweber

Der holländische Künstler Fredie Beckmans, TEXTOR-Autor, Kenner der Pilze auf der St. Petersinsel im Bielersee, die Jean-Jacques Rousseau bei seiner biologischen Bestandsaufnahme nicht erfasst hat, Verfasser merkwürdiger Künstlerbriefe und Architekt beschrifteter, kleiner und großer Vogelhäuser, macht sich mit dem Federvieh bekannt, bevor er es auf Notenpapier malt. Mit seiner jüngsten Notiz klärt er uns über den Textorweber auf.

Neue Carl-Goerdeler-Biographie

Ein Konservativer im Widerstand

Die Abscheu vor dem Naziregime führte Carl Goerdeler zur Gruppe des 20. Juli wofür er am Galgen endete. Der bürgerlich konservative  Politiker, der mitunter auch antisemitische Haltungen bezog, ist bis heute eine umstrittene Figur. Peter Theiner hat in Goerdelers 80. Todesjahr eine neue Biografie des Hitlergegners vorgelegt. Jutta Roitsch schätzt besonders die Absicht des Autors nachzuweisen, warum Goerdelers Auslandsmissionen ebenso scheiterten wie seine Bemühungen, deutsche Generale vor dem Beginn des 2. Weltkrieges zum Sturz Hitlers zu gewinnen.

 

Gedankengänge mit Alain

Hand und Werk

Wir sind gewohnt, Kunst und Handwerk voneinander zu unterscheiden, obwohl wir wissen, dass die Unterscheidungskriterien sich an diese Unterscheidung nicht unbedingt halten. Und was die Praxis angehe, heißt es, gebe es keine Kunst ohne Handwerk. Dass das auch umgekehrt gilt, hat der Schriftsteller Alain energisch bestritten. In seinen zahllosen Notizen hat er sich unter anderem, aber wohl beharrlich, mit dem Handwerk beschäftigt. Felix Philipp Ingold stellt den Autor mit seinen Überlegungen zur Arbeit mit den Händen vor.

Historisches Museum

We Remember: Börneplatz

Die Erinnerung an nationalsozialistische Gräueltaten liegt direkt unter unseren Füßen, z.B. am Börneplatz. Die Sonderausstellung „Bewegung! Frankfurt und die Mobilität“ im HMF zeigt mentalitätsgeschichtliche Spuren auf. Stadtraum ist einfach vorhanden, andererseits immer auch Teil der urbanen Geschichte, die er in sich trägt und bezeugt.

 

„Blue Velvet“ von David Lynch

Mit Gewalt ins Unbewusste

Als David Lynchs Film „Blue Velvet“ in die Kinos kam, musste man ihn gesehen haben, und einige Szenen daraus blieben einem auch für immer im Gedächtnis. Warum? Es war vielleicht die parodistische Überführung ins Künstliche, das die vorgeführte Fröhlichkeit und Harmonie der Anfangspassage denunzierte: Da war alles falsch. Der Film löste auch Kontroversen aus, schließlich war er Kult. Nicht für Marli Feldvoß.

Gedicht von Dirk Hülstrunk

brücke

Arthur Millers „Ein Blick von der Brücke“ im Schauspiel Frankfurt

Ganz schön, aber daneben

Aktualität ist gerade im Theater zu einem systemrelevanten Kriterium geworden. Das kann heißen, dass dem Publikum nicht mehr zugetraut wird, Dramen von gestern heute nachzuvollziehen. Es kann aber auch bedeuten, dass der einstige Konflikt inzwischen behoben ist oder wir uns an ihn gewöhnt haben. Arthur Millers Stück „Blick von der Brücke“ von 1955/56 spielt in den frühen 50er Jahren, als es in den USA eine Einwanderungsproblematik und Hungersnöte gab. Martin Lüdke hat in der Frankfurter Premiere die Aktualität verfehlt gesehen.

hr2-Kultur

Textland

Beim Blick in die Welt kann einem manchmal das Lachen vergehen. Dabei ist Humor so wichtig, um nicht die Hoffnung zu verlieren - und gerade in der Literatur kann Humor eine ganz eigene, subversive Kraft entfalten. Das „Textland“-Literaturfestival setzte sich im vergangenen Dezember mit der dynamischen Entwicklung von Literatur in unseren pluralen Lebenswelten auseinander. 

Im Gespräch mit Nedjo Osman

Wir haben uns verloren im Wirbel der Landkarten

Bekannt geworden ist Nedjo Osman als Theatermann und Schauspieler im deutschen Fernsehen. In Köln hat er gemeinsam mit Nada Kokotović das Projekt TKO – Europäisches Roma-Theater verwirklicht. Er arbeitet auch als Übersetzer für Romanes. In Gedichten, die über einen längeren Zeitraum hinweg entstanden sind, verleiht der schreibende Nedjo Osman den Roma seine lyrische Stimme. Cornelia Wilß traf den Künstler mehrmals in den letzten Jahren und zeichnet hier anhand von Gesprächsnotizen und autobiografischen Texten seine Lebenserinnerungen auf. 

Erinnerung an David Lynch

Having a good time, all the time.

Eine hinter der oberflächlichen Erscheinung verborgene Wahrheit zu suchen, ist Sache der Metaphysik. Der Regisseur David Lynch, der als Meister des Rätselhaften etikettiert wurde, hat aber nichts verborgen, sondern realistisch die Schönheit, die falsche Idylle, das Begehren, die Grausamkeit und das Entsetzliche, den Alltag in seiner ganzen Oberflächlichkeit gezeigt. Der Filmkritiker Philipp Stadelmaier hat zum Tod Lynchs seine persönlichen Erinnerungen an den großen Filmkünstler aufgeschrieben.

Die Arbeit der beramí berufliche Integration e.V.

Aktiv für eine vielfältige Gesellschaft

Im hiesigen Arbeitsmarkt stoßen Menschen aus anderen Ländern auf allerlei Tücken. Neben unvertrauten Gepflogenheiten erweist sich die Anerkennung von Berufsabschlüssen und Qualifizierungen als große Barriere. Mit Beratungs- und Mentoring-Programmen unterstützt der Verein „beramí“ Zugewanderte, hierzulande beruflich Fuß zu fassen. Doris Stickler stellt das seit 35 Jahren aktive und mehrfach ausgezeichnete Kompetenzzentrum vor.

Zum 80. Geburtstag von Matthias Beltz

Angewandte Dialektik

Am 31. Januar 2025 wäre Matthias Beltz 80 Jahre alt geworden. Für das Kabarett war er ein Glücksfall. Seine Juristenlaufbahn brach er während des Referendariats ab, um als Arbeiter bei Opel in Rüsselsheim die Revolution unter den Kollegen zu betreiben. Dann aber folgte er seinem Talent und ging zum legendären ‚Karl Napps Chaostheater‘ und weiter zum ‚Vorläufigen Frankfurter Fronttheater‘. Seine Auftritte mit dem Kölner Heinrich Pachl waren Kult. Und seine luziden Sprüche sind in unseren Sprachschatz eingegangen. Er war ein brillanter Kopf und ein zugewandter Mensch. Als er starb, erinnerte Lorenz Jäger an das Besondere seiner Kunst.

Jerk Götterwinds Gedichtband „Hinter den Wracks“

Der Underground ist hier. Gewesen.

Wer nichts mehr zu sagen hat und dann Gedichte schreibt, hat etwas zu sagen. In dieser Situation hat Jerk Götterwind seinen Lyrikband „Hinter den Wracks“ verfaßt. Und wenn der poetische Gestus auch an die Trümmer-Gedichte der Nachkriegszeit erinnern, dann, weil auch da eine Katastrophenerfahrung vorausging. Ein Neubeginn, ein Buchstabieren erster Worte gibt diesen auch eine neue Bedeutung. Ní Gudix ist bei der Lektüre des Gedichtbandes „Hinter den Wracks“ von Jerk Götterwind diesen Spuren gefolgt.

Gilles Deleuze zum 100. Geburtstag

Philosophische Kunst & Lyrik

Philosophen, die die ganze Welt und den Sinn des Lebens in ein Denksystem packen möchten, hat es vielleicht nie gegeben. Aber es gab und gibt die großen Anreger, deren Einfluss weit über das lesende Publikum hinaus geht. Denken hänge von Kräften ab, die sich seiner bemächtigen, schrieb Gilles Deleuze, der vor hundert Jahren geboren wurde und zu den nachhaltigen Animatoren des Denkens gehörte. Stefan Heyer, dessen Lyrikband „Das Alphabet von Deleuze & Guattari“ im Frühjahr 2025 erscheinen wird, macht eine Notiz zum Philosophen und zwei Gedichte öffentlich.

Aus dem Notizbuch

2024 geht zu Ende – 2025 kommt

Erst kürzlich brach das neue Jahr aus und zwischen Urbi et Orbi und drei Königen auf der Suche schoben sich Sturmböen. Päpstlicher Segen, Böllerverbot, Elisen-Lebkuchen, Diebstahl und blinde Musiker. In seinem Notizbuch hat Eldad Stobezki gemischte Nachrichten vom Jahreswechsel gesammelt, die der Wechselhaftigkeit der Zeit entsprechen.

Vor der Renuklearisierung

Risse in der Schweißnaht

Entweder ist das Gedächtnis kürzer als eine Wahlperiode oder einige Politiker haben eine alternative Auffassung von Verantwortung. Aus guten Gründen beschlossen das Kabinett, der Bundestag und der Bundesrat während der Kanzlerschaft Angela Merkels 2011 den Ausstieg aus der Atomenergie. Die Möglichkeit eines GAUs bei der zivilen Nutzung von Atomkraft ist nun keineswegs ausgeräumt, und eine Sicherung des strahlenden Atommülls ist nicht in Aussicht. Detlef zum Winkel schreibt über Atomkraftwerke und das Spiel mit dem Risiko in der Parteienagenda.

Ludwig Fels‘ „Ein Sonntag mit mir und Bier“

Bin da, sage nichts

Der Apfel fällt zuweilen doch unter andere Stämme. Schriftsteller, Musiker, Künstler aller Geschlechter, die aus bildungsfernen, prekären Verhältnissen kommen, gegen alle Erwartung und Widerstände einer milieufremden Berufung folgen, sind gar nicht so selten. Die kämpferische Anstrengung, mit der sie den Weg zwischen Ursprung und Ziel überwinden müssen, begleitet sie oft lebenslang. Ludwig Fels hat die Welt von dieser Position aus betrachtet und sich den Willen zur Poesie bewahrt. Ulrich Breth beschreibt Leben, Werk und das nun erschienene Selbstporträt des vor vier Jahren gestorbenen Schriftstellers.

Gedicht von Stephan Turowski

Ein liebes Wort

Nationaltheater Mannheim

Apropos Schmerz (Denken Sie an etwas Schönes)

»Gehen Sie doch mal wieder joggen. Das ist gut für die Psyche«, sagt der Arzt und entlässt die Patientin ohne weitere Untersuchung. Leo Lorena Wyss, diesjährige*r Hausautor*in, erzählt mit viel Humor und Sinnlichkeit von den missachteten Schmerzen weiblich gelesener Körper.

Zwei Romane aus Italien

Argus, Zerberus und die Gerichtsakten

Buchmessen führen eine Übererfüllung unserer Lesewünsche mit sich. Und auch Hochgeschwindigkeitsrechner helfen nicht beim gründlichen Lesen, das bei uns Menschen eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt. Das Gastland Italien hatte in Frankfurt neben dem Erwartbaren auch so manche unbekannte Lektüre ausgelegt. Zwei ungewöhnliche Romane, meint Andrea Pollmeier, sollten wenigstens erwähnt werden.

Die Sache mit dem Aberglauben

Holunderbusch und Brötchensäge

Kaum ist die Stille Nacht vorbei, werden Weihnachtsdeko und -kekse verramscht und die Geschäfte mit anderen Symbolträgern bestückt. Seit einigen Jahren sind zunehmend die Raunächte in, mit eigenen, teils besinnlichen, teils auch skurril anmutenden Bräuchen, Verboten und Ritualen. Die Grenze zwischen dieser und der jenseitigen Welt werde durchlässig in dieser Zeit zwischen den Jahren, so die Mythologie. Werden es die Grenzen zwischen Glauben, Aufklärung und Aberglauben vielleicht auch? fragte sich Regula Venske.

Sozialdemokratische Sonnenverehrung (IX)

Der Schriftsteller Jamal Tuschick schildert die Geschichte der Sozialdemokratie und der Linken in der Bundesrepublik Deutschland ab den 1960er Jahren. Was Tuschick hier unternimmt, ist die Vergegenwärtigung eines Zeitbewusstseins, das sich nach dieser Zeit in Stich- und Schlagworten verloren hat. TEXTOR veröffentlicht Jamal Tuschicks „Sozialdemokratische Sonnenverehrung“ als Fortsetzungsroman in loser Folge. Dies ist der 9. und letzte Teil.

Zur Wirtschafts- und Wahlkampfstrategie der Union

After Work Politik

Nicht nur im Wahlkampf rutschen in der Rhetorik der Politiker und Politikerinnen oft Beschwörung und Verschwörungstheorie ineinander. Wenn man das mit dem modischen Wort Narrativ nennt, liegt man nicht falsch. Eine Erzählung richtet sich nach den jeweiligen Erwartungen des Publikums und entzieht sich eines Wahrheitsanspruchs. Ist sie auch noch interessengeleitet, darf man von Propaganda sprechen. Peter Kern rückt dabei einiges der derzeitigen Debatten zurecht.

Hans Haacke in der Schirn Kunsthalle Frankfurt

Kunst über Systeme

Bevor die Frankfurter Schirn Kunsthalle ab Mai 2025 für drei Jahre zwecks einer umfassenden Sanierung geschlossen wird und das Team ein Interimsprogramm verkündet, kann man sich in den angestammten Räumen mit dem Schaffen des in New York lebenden deutschen Künstlers Hans Haacke in einer Retrospektive vertraut machen. Dessen unbequemes und hochaktuelles Werk lohnt eine umfassende Betrachtung, verrät Isa Bickmann.

Islamistischer Terror – Angst und Urteile

Mörder und Komplizen

Schlimm genug, wenn Vernunft und Gefühl aus der Balance geraten, das manipulierbare Gefühl sich gegen die kalte Vernunft abschließt und umgekehrt. Wenn aber beides außer Kraft gesetzt wird und die Hetze zum Verbrechen führt, herrscht Terror. Nun sind die Urteile der französischen Gerichte zur islamistischen Propaganda und den daraus folgenden Morden gefallen. Die Bedrohungssituation an den Schulen ist damit nicht beendet, auch an den deutschen nicht. Jutta Roitsch berichtet.

Gedicht von Tamara Labas

im spiegel

Sexualität in der griechischen Antike

Knaben lieben und Tyrannen stürzen

Die Entstehung von Städten wirkte sich im Griechenland des 6. und 7. Jahrhunderts auch auf die Liebesbeziehungen aus. Liebe wird zum Gesellschaftsspiel, zu einer raffinierten Kunst. Auch der Knabenliebe wird enorme Aufwertung  zuteil und erfährt unbekannte ethisch-pädagogische Aspekte. Die sich mit den politischen und sozialen Verhältnissen ändernden Formen nimmt die Archäologin Evangelia Kelperi für den Zeitraum zwischen homerischen Epen und athenischer Demokratie in den Blick.

 

Jürgen Ploogs 90. Geburtstag

Über das Verschwinden

Jürgen Ploog, der 2020 starb, gehörte zur literarischen Avantgarde. Deshalb ist er nur einem interessierten Leserkreis bekannt gewesen. Der schätzte vor allem die Cut-up-Technik, mit der Ploog viele seiner Romane verfertigte. Dabei werden Sätze aus anderen Romanen oder Zeitschriften ausgeschnitten und in neue Kontexte montiert. Aber der Langstreckenpilot Ploog war breiter orientiert, schrieb, zeichnete, malte und reflektierte das eigene Tun. Wolfgang Rüger porträtiert den Künstler, der am 9. Januar 2025 90 Jahre alt geworden wäre.

Ausstellung

The True Size of Africa

Obwohl wir alle ursprünglich Afrikaner:innen sind und die ägyptische Kultur uns prägt bis heute, obschon die Getreidekammern des Römischen Reiches in Nordafrika zu finden waren und im Mittelalter mächtige Königreiche in Afrika existierten, wird der Kontinent Afrika seit den Zeiten von Mercator auf Weltkarten kleiner als in der Realität dargestellt 

 

Sozialdemokratische Sonnenverehrung (VIII)

Der Schriftsteller Jamal Tuschick schildert die Geschichte der Sozialdemokratie und der Linken in der Bundesrepublik Deutschland ab den 1960er Jahren. Was Tuschick hier unternimmt, ist die Vergegenwärtigung eines Zeitbewusstseins, das sich nach dieser Zeit in Stich- und Schlagworten verloren hat. TEXTOR veröffentlicht Jamal Tuschicks „Sozialdemokratische Sonnenverehrung“ als Fortsetzungsroman in loser Folge. Dies ist der 8. Teil.

Ein Kommentar

Muskierte Bilder

Es geht um das Menschenbild, das zu erstreben die Bildung rechtfertigt. Und es ist immer Menschenverachtung im Spiel, wenn Plutokraten politische Empfehlungen abgeben. Wie beides miteinander, mit Sprache, Literatur und Deutschland zusammenhängt und welche Rolle die Wahrheit dabei spielt, sieht in seinem Kommentar Matthias Buth.

Eigene Wege(II)

Ich achte auf Mode

In der Reihe „Eigene Wege“ erzählen junge Migrantinnen und Migranten, wie es ihnen gelungen ist, in der Arbeitswelt in Deutschland Fuß zu fassen. Istahil Hassan ist 2016 mit 16 Jahren aus Somalia nach Frankfurt geflohen. 2024 hat sie ihre Prüfungen zur Verkäuferin bestanden. Nun qualifiziert sie sich mit einem weiteren Ausbildungsjahr zur Einzelhandelskauffrau. Riccarda Gleichauf hat mit ihr gesprochen.

Eine Collage mit Texten von Faraj Bayrakdar

Mit Geheimtinte

Mit Gefängnisliteratur allein aus dem letzten Jahrhundert lassen sich vermutlich Bibliotheken füllen. Das Sujet wird gewöhnlich nicht gewählt. Es ist schon während des Schreibens anwesend. Der syrische Dichter Faraj Bayrakdar, der heute in Schweden lebt, war 14 Jahre lang, bis zu seiner Freilassung im Jahre 2000, in politischer Gefangenschaft. Larissa Bender, die Auszüge aus seinem Roman Ḫiyānat al-luġa wa-ṣ-ṣamt übersetzte, stellt für TEXTOR eine Textcollage daraus vor.

Hannelore Hoger. Ein Porträt

Energie und Eigensinn

Das dunkle Timbre ihrer Stimme unterstrich noch ihre selbstsichere Ausstrahlung. Die in Hamburg geborene Schauspielerin Hannelore Hoger, die als Lehrerin Gabi Teichert in Alexander Kluges „Die Patriotin“ die Geschichte ausgrub und sie als Kommissarin Bella Block immer noch im Blick hatte, ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Marli Feldvoß hat sie porträtiert.

Sozialdemokratische Sonnenverehrung (VII)

Der Schriftsteller Jamal Tuschick schildert die Geschichte der Sozialdemokratie und der Linken in der Bundesrepublik Deutschland ab den 1960er Jahren. Was Tuschick hier unternimmt, ist die Vergegenwärtigung eines Zeitbewusstseins, das sich nach dieser Zeit in Stich- und Schlagworten verloren hat. TEXTOR veröffentlicht Jamal Tuschicks „Sozialdemokratische Sonnenverehrung“ als Fortsetzungsroman in loser Folge. Dies ist der 7. Teil.

Ein Satire-Sampler lacht und trauert über Judenhass

Ich bin kein Existenzrechtsexperte

Pogrom, Holocaust, Antisemitismus, Hamas – das Entsetzen darüber lädt nicht gerade dazu ein, damit Scherz zu treiben. Was aber können Satiriker anderes tun? Das Nadelöhr, durch das sie finden müssen, ist winzig, und der Grat ist fadenschmal. Im Berliner Satyr Verlag ist ein Sammelband erschienen, dessen Texte auf diesem Weg balancieren. Und Ewart Reder hat ihn gelesen.

Wupper – Elbe – Borchert

Ein Mann kommt nach Deutschland

Flüsse sind lebendig, sind Mütter, Geliebte, Antwortende. Wolfgang Borchert führt das in seinem zunächst als Hörspiel gedachten Werk „Draußen vor der Tür“ vor Augen. Hier lässt er die Elbe mit dem geschundenen Kriegsheimkehrer sprechen, der dies als tröstliche Begegnung erfährt. Matthias Buth zeigt den Stellenwert, den die humanitäre Kraft der Vorstellung bei Borchert besitzt und – dass sie versöhnen kann. Er kommt zu dem Schluss: Im dissonanten Deutschland der Gegenwart brauchen wir mehr Borchert.

David Grossman: „Frieden ist die einzige Option“

Die Logik der Selbstzerstörung

„Frieden ist die einzige Option“ versammelt die wichtigsten Reden und Essays des israelischen Autors David Grossman vor und nach dem 7. Oktober 2023, beginnend mit seinem Appell bei der Münchner Sicherheitskonferenz von 2017, sich für Frieden im Nahen Osten einzusetzen. Alexandru Bulucz hat sie gelesen.

Zum Tod von Zakir Hussein

Der Trommelzauberer

Zakir Hussain ließ die Tablaklänge rollen, grollen, singen und tanzen und machte aus seinem Schlagwerk ein Melodieinstrument. Als virtuoser Techniker und sensibler Musiker beeinflusste er ganze Musikergenerationen. Im Gespräch mit Clair Lüdenbach erzählte er von seiner Familie und den Veränderungen in der indischen Klassik.

Schauspiel Frankfurt

Leaks. Von Mölln bis Hanau

Im Gewand einer bunten, satirischen Enthüllungsshow entblößt Calis‘ neue Arbeit für das Schauspiel Frankfurt Strukturen, Täter, Komplizen und Mitwisser durch Re-Enactments, investigative Attacken, Verfremdung und bitterbösen Humor – im Einsatz für solidarisches Empowerment gegen Rechts und die Ermächtigung marginalisierter Stimmen.

Nahaufnahmen – Sonderausgabe der Literaturzeitschrift „Wortschau"

Können Frauen Kunst?

Johanna Hansen und Wolfgang Allinger, Herausgeber der Literaturzeitschrift „Wortschau“, haben 35 Autorinnen gebeten, literarisch auf 20 Arbeiten bildender Künstlerinnen aus der Sammlung des Sprengel Museums Hannover zu reagieren. Wer so etwas unternimmt, ist wagemutig. Denn nicht alles, was zu sehen ist, kann sich in Worten wiederfinden. Dagegen können Worte ans Licht bringen, was sich der Darstellung entzieht. Die Lyrikerin und Ärztin Monika Vasik aber berichtet in diesem Zusammenhang von einem anderen Missverhältnis.

Sozialdemokratische Sonnenverehrung (VI)

Der Schriftsteller Jamal Tuschick schildert die Geschichte der Sozialdemokratie und der Linken in der Bundesrepublik Deutschland ab den 1960er Jahren. Was Tuschick hier unternimmt, ist die Vergegenwärtigung eines Zeitbewusstseins, das sich nach dieser Zeit in Stich- und Schlagworten verloren hat. TEXTOR veröffentlicht Jamal Tuschicks „Sozialdemokratische Sonnenverehrung“ als Fortsetzungsroman in loser Folge. Dies ist der 6. Teil.

Eine Skizze zur Ideengeschichte der Akusmatik

Der Meister und der Vorhang

Namen gehen manchmal seltsame Wege, bis sie etwas bezeichnen, was gar nicht vorgesehen war. Der Begriff „Akusmatik“ gehört dazu. Darunter verstehen wir heute Musik ohne Musiker, Musik, die nur über Lautsprecher zu hören ist und mit den Elementen der realen Welt über Klangverwandlungen eine alternative Welt erfindet. Das ist vielleicht nichts zum Abtanzen, dafür etwas für Neugierige und echte Entdecker und Entdeckerinnen. Bernd Leukert ist mit seiner Skizze einer kompositionsästhetischen Idee nachgegangen.

Sophia Lunra Schnack: „feuchtes holz“

Musik des Urgroßvaters

Die Erinnerung, die uns heimsucht, hat ihre eigene Struktur, drängt uns ihre Wiederholungen auf, ihre großen und kleinen Sensationen und ihre Traurigkeiten. Diese dynamische Gestalt hat die österreichische Lyrikerin Sophia Lunra Schnack für ihr Buch „feuchtes holz“ übernommen, in dem sie mit eigenwilligen, poetischen Bildern Erinnerung und Nachdenken über immaterielles Erbe miteinander verwebt. Damit ist ihr ein großes Sprachkunstwerk gelungen, findet Bernd Leukert.

Ein politischer Blick auf die 60. Biennale in Venedig

Kunst und Macht

Die venezianische Kunstbiennale ist international angelegt. Die Pavillons in den Giardini und die Abteilungen im Arsenale sind den Nationen zugeteilt, darin sie zeigen, was sie für aktuell und wichtig halten. Das war 2024 anders. Gemäß dem Motto „Foreigners Everywhere” – „Fremde überall“ haben sehr viele KuratorInnen die Kunst anderer Völker und Nationen zu sich eingeladen, die sich wiederum auf andere bezogen. An Mannigfaltigkeit war also kein Mangel. Jutta Roitsch hat die Kunstschau nach politischer Relevanz durchsucht.

Eine Aufforderung zum Handeln

Demokratie gestalten

Ohne Demokratie gibt es keine Freiheit, sich für etwas entscheiden zu können. Doch werden Fakten von Meinungen oft nicht mehr unterschieden. Die in der Anthologie „Demokratie gestalten“ versammelten Beiträge u.a. von Nicole Deitelhoff, Ina Hartwig und Mirjam Wenzel bestehen aus Momentaufnahmen unserer digital-kapitalistischen Zeit und betrachten diese aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Perspektiven mit dem Ziel, Reaktionen bei den Bürger:innen hervorzurufen. Denn: Demokratie lebt vom Diskurs, braucht Dialogbereitschaft. Mit der Wiedergabe des Vorwortes empfiehlt Riccarda Gleichauf das Buch.

Kurzlaudatio auf die Lyrikerin Jayne-Ann Igel

Schichten der Geschichte

Der Lyrikkritiker Michael Braun nannte die Website lyrikline.org einmal eine „stetig wachsende auditive Bibliothek der Weltpoesie“. Kürzlich wurde bekannt gegeben, dass seit der Eröffnung von lyrikline.org im November 1999 durchschnittlich in jeder der vergangenen 1300 Wochen eine neue Stimme hinzugekommen sei – und in 378 Wochen sogar zwei. Nun ist dort auch die Stimme der 1954 in Leipzig geborenen Jayne-Ann Igel erfasst. Es war höchste Zeit. Aus diesem Anlass hielt Alexandru Bulucz eine Kurzlaudatio.

Sozialdemokratische Sonnenverehrung (V)

Der Schriftsteller Jamal Tuschick schildert die Geschichte der Sozialdemokratie und der Linken in der Bundesrepublik Deutschland ab den 1960er Jahren. Was Tuschick hier unternimmt, ist die Vergegenwärtigung eines Zeitbewusstseins, das sich nach dieser Zeit in Stich- und Schlagworten verloren hat. TEXTOR veröffentlicht Jamal Tuschicks „Sozialdemokratische Sonnenverehrung“ als Fortsetzungsroman in loser Folge. Dies ist der 5. Teil.

Beethovens Göttermusik mit Schillers Versen

Alle Menschen klingen

Die Verknüpfung der Sprachbilder in Schillers kurzgefasster „Ode an die Freude“ mag abenteuerlich sein, – die Emphase hält alles zusammen. Beethoven tat mit dem opernhaften Schlusschor ein Übriges. Der Freudenjubel formt sich zum Hymnus. Die politischen, philosophischen, metaphysischen und musikalischen Hintergründe des Chorlieds „Freude, schöner Götterfunken“ werden im Buch „Alle Menschen werden Brüder“ von Ute Jung-Kaiser reflektiert. Und Matthias Buth hat es gelesen.

Sozialdemokratische Sonnenverehrung IV

Der Schriftsteller Jamal Tuschick schildert die Geschichte der Sozialdemokratie und der Linken in der Bundesrepublik Deutschland ab den 1960er Jahren. Was Tuschick hier unternimmt, ist die Vergegenwärtigung eines Zeitbewusstseins, das sich nach dieser Zeit in Stich- und Schlagworten verloren hat. TEXTOR veröffentlicht Jamal Tuschicks „Sozialdemokratische Sonnenverehrung“ als Fortsetzungsroman in loser Folge. Dies ist der 4. Teil.

Der Tod des René Descartes 1650 in Stockholm

Die Leidenschaft der Seele

Als Genießer und Mann, der die Frauen und die Bequemlichkeit liebt, wird der scharfe Denker René Descartes geschildert. Rätselhaft bleibt, was ihn zuletzt bewog, an den schwedischen Hof zu gehen. An den Vicomte de Brégy schreibt er am 15. Januar 1650 von seinem Verlangen, „in die Wüste zurückzukehren“: „… ich bin hier nicht in meinem Element, und ich ersehne allein jene Stille und Ruhe, die solche Güter darstellen, wie sie die mächtigsten Könige der Erde denen nicht geben können, die sie sich nicht selbst zu nehmen wissen.“ Etwa drei Wochen später war er tot. Jörg Aufenanger beschreibt das Ende des Philosophen.

Kulturwissenschaft in psychoanalytischer Perspektive

Wunsch und Angst

Dem Geist sei­ner Zeit folgend, suchte Freud nach den ersten und frühesten Formen der Religion; er fand sie in den Phäno­me­nen, die unter den Namen Totemismus und Magie in die Wis­sen­­­s­g­e­schichte ein­gehen sollten. In Freuds Magie-Adaptionen findet die Kulturwissenschaftlerin Susanne Lanwerd zahlreiche Überlegungen zu Wunsch, Angst und zum ozeanischen Gefühl.

Leipziger Autoritarismus Studie 2024

Propheten der Krise, Klempner des Kairos

Die Schmähung der Vernunft und die Ablehnung der Demokratie kennzeichnen alle autoritären Regime. Vielleicht haben wir uns zu lange mit einem exklusiven Weltbild eingerichtet: Die Chauvinisten und Autokraten leben in anderen Ländern. Nun zeigt die Leipziger Autoritarismus Studie 2024, dass bei uns nach all den menschlichen Katastrophen des letzten Jahrhunderts Rechtradikalismus und autokratische Gesinnung keineswegs tabuisiert sind. Peter Kern hat sie gelesen.

Friedrich Stoltze-Preis 2024 an Eva Demski

Ich behielt des Liedes Ton

Der früh geübte Blick hinter alle Kulissen hat Eva Demski gelehrt, was Illusion ist und was Realität. Das hat ihr sicher das Eintauchen ins Frankfurter Geistesmilieu erleichtert, dessen aktiver Teil sie spätestens mit Beginn ihrer schriftstellerischen Laufbahn wurde. Ihre besondere Verbundenheit mit der Stadt wurde nun mit dem Stoltze-Preis gewürdigt, den sie im Kaisersaal des Frankfurter Römer entgegennahm. Wolfgang Schopf hielt die Laudatio und Eva Demski ihre Dankesrede.

 

 

Aus dem Notizbuch

Das Privatleben des Ermittlers

Selbst die KI steckt voller Kuriositäten, von denen sie nichts weiß. Wir aber verständigen uns mit Sprache und wissen deshalb um die Vieldeutigkeit der Worte ‚Anziehungskraft‘, ‚Fremdenzimmer‘ oder ‚hausgemacht‘. Darin besteht das täglich Brot des Ermittlers, des Urlaubers, des Beamten oder des Bäckers in Eldad Stobezkis Notizen – sogar in Antwerpen. Oder in der Komischen Oper?

Nino Haratischwili: Löwenherzen

Der Löwe mit dem schiefen Auge

Die Illustratorin Julia B. Nowikowa hat das Theaterstück Löwenherzen von Nino Haratischwili mit zauberhaften Bildcollagen illustriert und in ein Buch verwandelt. Die Reise des Löwen in den Armen der Kindern um die Welt, erzählt vom Glück und Unglück in einer globalisierten Welt mit all ihren Ungerechtigkeiten. Dennoch endet jede Episode mit einer Hoffnung. Walter H. Krämer empfiehlt die Lektüre.

Alain Mabanckou: Das Geschäft der Toten

Die Dinge umgekehrt sehen

Aus der magisch-surrealen Perspektive eines frisch Gestorbenen blickt der Autor Alain Mabanckou in seinem Roman „Das Geschäft der Toten“ auf die Zustände im heutigen Kongo. Er zeigt eine postkoloniale Gesellschaft, die von regionalen Mythen geprägt und in machtpolitische Intrigen verflochten ist. Auf skurril ungezwungene Weise wird so sichtbar, wer Drahtzieher, Profiteure und Benachteiligte sind. Mabanckou wurde 2012 von der Académie française für sein Gesamtwerk mit dem Grand Prix de Littérature ausgezeichnet, Andrea Pollmeier stellt den von Holger Fock und Sabine Müller übersetzten Roman vor.

Über „Tsahal“ von Claude Lanzmann

Israels Traum vom reinen Soldaten

1948 wurde Israel, der mythenreiche Nationalstaat des jüdischen Volkes, gegründet und zugleich die israelischen Streitkräfte. Als Claude Lanzmann zwischen 1991 und 1994 für den letzten Teil seiner Trilogie (nach „Warum Israel“ und „Shoah“) in Israel Gespräche mit Angehörigen des Militärs, aber auch mit Sprechern der Friedensbewegung, Siedlern aus dem Westjordanland und Palästinensern führte, änderte sich das Bild, das er von der Politik Israels und seiner Armee hatte. Marli Feldvoß beschreibt seinen Film „Tsahal“.

Sozialdemokratische Sonnenverehrung III

Der Schriftsteller Jamal Tuschick schildert die Geschichte der Sozialdemokratie und der Linken in der Bundesrepublik Deutschland ab den 1960er Jahren. Was Tuschick hier unternimmt, ist die Vergegenwärtigung eines Zeitbewusstseins, das sich nach dieser Zeit in Stich- und Schlagworten verloren hat. TEXTOR veröffentlicht Jamal Tuschicks „Sozialdemokratische Sonnenverehrung“ als Fortsetzungsroman in loser Folge. Dies ist der 3. Teil.

Aleida und Jan Assmanns „Gemeinsinn“

Eine Welt, die jedermann umfasst

Dass das Wort „gemein“ im Deutschen so eine ambivalente Bedeutung hat, verdankt sich sicher einer uralten Erfahrung, die den Widerspruch im sprachlichen Gedächtnis festhielt. Nun, da die Gemeinheiten die Gemeinschaften zu zersetzen drohen, erscheint ein Buch, mit dem Aleida und Jan Assmann, der inzwischen verstorben ist, den Gemeinsinn geltend machen. Ewart Reder hat das Buch kritisch gesichtet.

Djaïli Amadou Amal: Im Herzen des Sahel

Zwischen Erniedrigung und Hoffnung

Gerade in Kriegszeiten ist es wichtig, sich auch für den Schutz von Frauen einzusetzen. Die Autorin und Frauenrechtsaktivistin Djaïli Amadou Amal, die in der umkämpften Grenzregion im Norden Kameruns aufgewachsen ist, hat vielfach geschlechtsspezifische Gewalt erlebt und beobachtet. In ihrem Roman „Im Herzen des Sahel“, der von Ela zum Winkel übersetzt worden ist, richtet die Aktivistin, die 2012 die Vereinigung „Femmes du Sahel“ gegründet hat und für ihr Wirken 2022 die Ehrendoktorwürde der Sorbonne erhielt, den Blick auf eine Frauengruppe, deren Schicksal nahezu nie wahrgenommen wird. Andrea Pollmeier gibt Einblick in den Roman.

Gespräche mit Übersetzer:innen aus dem Rumänischen

Abgründe der menschlichen Psyche

Die Übersetzerinnen Gundel Große und Miruna Bacali sowie der Übersetzer Peter Groth und die von ihm übersetzte junge Autorin Alexandra Furnea stellten der Frankfurter Buchmesse Neuerscheinungen in deutscher Sprache vor: „Disco Titanic“, ein Roman von Radu Pavel Gheo, der aus rumänischer Perspektive die Narben des jugoslawischen Bürgerkriegs beleuchtet, und „Das Tagebuch der 66" von Alexandra Furnea, die Autobiographie einer Überlebenden des Brandes im Club Colectiv in Bukarest. Manuela Klenke stellte den Übersetzer:innen einige Fragen.

Gespräch mit der Kuratorin Mahret Ifeoma Kupka

Talking Objects – ein Universum des Wissens

Kreativ, performativ, diskursiv – Talking Objects ist ein transnationales Experimentierfeld mit Objekten und Vorstellungswelten, das Raumwelten in Kenia, Senegal und Deutschland in Verbindung bringt. Ausgehend von Objekten aus den Sammlungen europäischer und afrikanischer Museen wird ein vielstimmiges Universum des Wissens aufgefächert. Im Dezember 2024 soll ein umfängliches Archiv in Dakar, Nairobi und Berlin online gehen. Cornelia Wilß sprach mit Dr. Mahret Ifeoma Kupka, die das Projekt gemeinsam mit Isabel Raabe kuratiert, in Frankfurt.

Fortsetzungsroman von Jamal Tuschick

Sozialdemokratische Sonnenverehrung II

Der Schriftsteller Jamal Tuschick schildert die Geschichte der Sozialdemokratie und der Linken in der Bundesrepublik Deutschland ab den 1960er Jahren. Was Tuschick hier unternimmt, ist die Vergegenwärtigung eines Zeitbewusstseins, das sich nach dieser Zeit in Stich- und Schlagworten verloren hat. TEXTOR veröffentlicht Jamal Tuschicks „Sozialdemokratische Sonnenverehrung“ als Fortsetzungsroman in loser Folge. Dies ist der 2. Teil.

Alban Bergs Lulu in Frankfurt

Notwehr bis zum Tod

Alban Bergs Oper „Lulu“ von einer Frau in Szene gesetzt und damit aus weiblicher Sicht präsentiert. Das kommt sehr selten vor. In der Neuinszenierung von Nadja Loschky an der Oper Frankfurt ist Lulu keine schillernde Femme fatale, sondern eine verzweifelte Zerstörerin, die selbst zerstört wird in einer patriarchal-misogynen Gesellschaft, der es an Empathie mangelt. Andrea Richter hat die Premiere erlebt.

Rolf Henrich: „Der vormundschaftliche Staat“

Wer wollen wir sein?

Identität ist ein Wort, mit dem gerade viel Schindluder getrieben wird. Aber gerade, wenn sich den „ostdeutschen“ Bürgern die Frage nach der deutschen Identität stellt, ist die Frage ernstzunehmen und nachzufragen, woraus sich diese Identität zusammensetzt. Jahre vor dem Mauerfall hat sich Rolf Henrich in seinem Buch über den „vormundschaftlichen“ Staat damit auseinandergesetzt, an das zu erinnern Jutta Roitsch Anlass sieht.

Fortsetzungsroman von Jamal Tuschick

Sozialdemokratische Sonnenverehrung

Der Schriftsteller Jamal Tuschick schildert die Geschichte der Sozialdemokratie und der Linken in der Bundesrepublik Deutschland ab den 1960er Jahren. Was Tuschick hier unternimmt, ist die Vergegenwärtigung eines Zeitbewusstseins, das sich nach dieser Zeit in Stich- und Schlagworten verloren hat. TEXTOR veröffentlicht Jamal Tuschicks „Sozialdemokratische Sonnenverehrung“ als Fortsetzungsroman in loser Folge. Dies ist der 1. Teil.

Aus dem Notizbuch

Sanremo, Gibellina

Wir entdecken zumeist das, was ohnehin unverdeckt zutage liegt, weil wir es zuvor nicht wahrgenommen haben oder die Gelegenheit dazu nicht hatten. So ist jede Entdeckung eine Bereicherung der Sinne und der Erfahrung, egal, ob es sich um den Musiker, Regisseur und Maler Franco Battiato handelt oder um Zucchini, Bohnen, einen schwarzen Erlöser oder Alberto Burris „Cretto in Gibellina“ in Frankfurt. Eldad Stobezkis Entdeckungen können auch unsere sein.

Ein persönlicher Nachruf auf Thomas Collmer (1956-2023)

Ungekürzt

Der Philosoph, Literaturwissenschaftler und Schriftsteller Tomas Collmer, der versuchte, mit Hegel, Marx, Adorno, Luhmann, Lacan, Deleuze, Derrida und anderen eine offene Dialektik zu entwerfen, der experimentelle Romane wie „Friedhofsruhe“ oder „Die Leerheit“ verfasste, eine Abhandlung über die Poesie von Jim Morrison und über die Sprache von Edgar Allan Poe sowie über Burroughs und die Cut-up-Technik schrieb, ist im letzten Jahr gestorben. Ein Nachruf von Ní Gudix.

Ewalina Marciniak inszeniert den „Großen Gatsby“ in Frankfurt

Ein armes Würstchen

Vor hundert Jahren demonstrierte das Glamourpaar Zelda und F. Scott Fitzgerald den Hedonismus der begüterten Klasse Amerikas – bis zur permanenten Verschuldung. Das schloss nicht aus, dass der damals schon berühmte Schriftsteller Fitzgerald in seinem Roman „Der große Gatsby“ diese Partygesellschaft distanziert und mitleidlos schilderte. Ihn für die Bühne zu dramatisieren, ist sicher eine Herausforderung. Martin Lüdke beschreibt, was daraus geworden ist.

Frank Winters „Badisch“

Die Kultur des Zischlautes

Man mag das Hochdeutsche als Gleichmacherei betrachten, was es im Sinne einer gemeinsamen Verständigung auch ist. Dabei muss man beiseite schieben, dass es einen dynamischen Reichtum an Nuancen und Kombinationen besitzt. Die Dialekte und Mundarten, wie grenzüberschreitend sie sich auch wandeln, weisen dagegen einen traditionellen, oft exklusiven Charakter auf. Sich damit zu beschäftigen, ist reizvoll und vergnüglich. PH Gruner hat sich an Frank Winters „Badisch“ erfreut.

Christina von Schweden

Die Seele hat kein Geschlecht

Als „Minerva des Nordens“ und „einzige Gelehrte“ ihres Landes bewunderten Zeitgenossen die schwedische Königin Christina. Die Tochter Gustav II. Adolf war vielsprachig und eine der am umfassendsten gebildeten Frauen des 17. Jahrhunderts. Mit ihrer Abdankung, dem Übertritt zum Katholizismus und der Umsiedelung nach Rom sorgte sie für einen europaweit beachteten Eklat, weiß Winfried Dolderer zu berichten.

Poesie-Performance

Cave Poets

Die Lautpoesie oder Klangpoesie ist eine Kunstform, die sich mit der Schönheit und dem Ausdruck von Lauten, Geräuschen und Rhythmen beschäftigt. Lebendig wird sie durch die Performance. Eine solche hat Jutta Kaussen tief in einer Höhle nahe des Balaton gefilmt, als dort sechs Dichter:innen aus sechs europäischen Ländern während ihrer Poet’s Residency in Ungarn den Gedichtzyklus „Future of Freedom“ von Jaan Malin aus Estland lasen und spielten.

175 Jahre Paulskirche

Jüdisches Deutschland

Das Engagement von Jüdinnen und Juden für die deutsche Demokratie gerät nur selten in den Blick. Dabei ist etwa dem Juristen und Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung Gabriel Riesser maßgeblich die in der Verfassung verbriefte Trennung von Staat und Religion zu verdanken. Anlässlich des 175. Paulskirchen-Jubiläums widmen sich Abraham de Wolf und L. Joseph Heid in einem Band der von Elisa Klapheck herausgegebenen Reihe „Machloket/Streitschriften“ dem jüdischen Anteil an der deutschen Demokratie. Leon Joskowitz hat den Band für TEXTOR gelesen.

Bingel-Preis-Laudatio von Ronya Othmann

Als die Lerchen aufflogen

Zugewandt, mit dichten Beschreibungen und klarem Blick auf die poetische Herangehensweise hat die Schriftstellerin Ronya Othmann drei mit dem Horst-Bingel-Preis für Literatur Ausgezeichnete gelobt. Ein Langgedicht von Björn Kuhligk, Kolumnen von Katja Petrowskaja und ein Gedichtband von Alexandru Bulucz wurden einzeln bedacht und doch mit einer gemeinsamen Idee eingebunden, der Bildlichkeit und der Beziehung zur Fotografie. Das Visuelle in der Schrift ist ein Augenöffner.

Interview mit Ela zum Winkel

„Übersetzen hat viel mit Zweifeln zu tun“

Was wäre Theater in Deutschland ohne Stücke von Shakespeare, Beckett oder Wajdi Mouawad? Über den faszinierenden Prozess, Texte aus unterschiedlichen internationalen Herkünften für die Bühne zu übersetzen spricht der Übersetzer Frank Weigand mit der Schauspielerin und Übersetzerin Ela zum Winkel. Ihr feines Gespür für machtpolitische Aspekte sprachlicher und kultureller Übertragung und die besondere Bereitschaft zu zweifeln, wirkt ungewöhnlich bereichernd.

Künstlerporträt und Interview

Weltklasse-Geiger Augustin Hadelich

Sein Name wird von dem Ruf begleitet, zu den Künstler:innen zu gehören, die die Kunst des Violinspiels dieses Jahrhunderts prägen. Dafür spricht tatsächlich vieles. Denn die Klangwelten, die er erschafft, verzaubern. Auf der Basis technisch allerhöchsten Niveaus erzählt er sensibel, geradezu poetisch die musikalischen Geschichten egal welches Komponisten mit mitreißender Ton- und Interpretationssprache. Andrea Richter hatte die Gelegenheit, ein Interview mit Augustin Hadelich zu führen.

Weltkulturen Museum

Country bin pull‘em. Ein gemeinsamer Blick zurück

Gemeinsam mit den Indigenen Gemeinschaften der Wanjina Wunggurr - den Woddordda, Ngarinyin und Wunambal – richtet das Weltkulturen Museum den Blick zurück auf die Frankfurter Frobenius-Expedition in das Kimberley Gebiet Nordwestaustraliens im Jahre 1938.

Dankesrede von Martin Piekar

Robert Gernhardt Preis 2024 an Martin Piekar

Zwei überzeugende, mit Hessen verbundene literarische Projekte werden jährlich durch die Verleihung des Robert Gernhardt Preises zum Weitermachen ermutigt. In diesem Jahr haben der als Kind polnischer Einwanderer in Bad Soden aufgewachsene Autor Martin Piekar und die Schriftstellerin Christina Griebel diese Auszeichnung erhalten. In seiner Dankesrede spricht Piekar über sein Projekt „Vom Fällen eines Stammbaums“, das seinen außergewöhnlichen Werdegang an der Seite einer pflegebedürftigen Mutter beschreibt und die Bedeutung von Sprache in prekären Lebensumständen.

Clemens J. Setz: „Das All im eignen Fell“

Ein Erinnerungsbuch

Clemens Setz wollte zunächst keine Gedichte in Buchform mehr veröffentlichen. Zum Glück hat er seine Meinung noch einmal geändert und damit poetische Perlen vor dem Vergessen bewahrt. Riccarda Gleichauf stellt die Twitterpoesie und exemplarisch ausgewählte Autor:innen aus dem Band „Das All im eignen Fell“ vor.

Jüdischen Museums Hohenems Österreich

Yalla. Arabisch-jüdische Berührungen

Die Geschichte arabisch-jüdischer Lebenswelten reicht Jahrhunderte zurück, bis in die präislamischen Stammesgesellschaften Arabiens. Eine lange und widersprüchliche Beziehungsgeschichte.  jüdisches Leben unter islamischer Herrschaft über die heutigen arabischen Länder oder unter dem Einfluss europäischer Kolonialinteressen.

Abdelaziz Baraka Sakin: „Der Rabe, der mich liebte“

Über den Ameisenweg zurück

Der sudanesische Autor Abdelaziz Baraka Sakin zählt zu den bedeutenden Stimmen der arabischen Literatur und erhielt zahlreiche Auszeichnungen wie 2022 vom Institut du Monde Arabe und 2023 in Montréal den Prix BaoBaB. Seit 2012 lebt Sakin im österreichischen Exil. Dort war er 2022/23 Stadtschreiber von Graz. Hier entlang führt auch die „Ameisenroute“, der risikoreiche Fluchtweg von der Hauptstadt des Sudan Khartum durch die Wüste nach Europa. Sakin gibt in seinem Werk „Der Rabe, der mich liebte“ außergewöhnlichen Einblick in die Lebensrealität der Flüchtenden. Andrea Pollmeier empfiehlt den Roman.

 

Zur italienischen Literaturgeschichte

Wie kommt man aus der Hölle?

Mit einem eindrucksvollen Auftakt zum Gastland Italien hatte die Woche der Buchmesse begonnen. Dabei wurde deutlich, dass die Autorinnen und Autoren des deutschen Sehnsuchtslandes vor politischer Einflussnahme nie frei waren und sich in transkultureller Vielfalt entwickelten. Die beiden Dozentinnen für italienische und französische Literaturwissenschaft, Dr. Eva-Tabea Meineke (Universität Mannheim) und Prof. Dr. Christine Ott (Goethe-Universität Frankfurt), führten im Gespräch mit Martin Maria Schwarz in die italienische Literaturgeschichte ein. Andrea Pollmeier berichtet.

Eindrücke aus dem industriellen Ballungsgebiet rund um Marseille

Das bisschen Feinstaub

Eine der schönsten Küsten Frankreichs wurde zerstört. Am Golfe de Fos befanden sich die begehrten Badestrände. Was hat sich verändert? Die Kleinstadt Fos-sur-Mer liegt jetzt im Zentrum eines riesigen industriellen Ballungsgebiets. Das einst beschauliche Fischerdorf ist mittlerweile ein wichtiger Wirtschaftsstandort. Detlef zum Winkel fuhr mit dem Zug von Marseille nach Fos.

„Messias“ in der Komischen Oper Berlin

Halleluja für Berlin

Wie sehr die Kultur in Berlin zur Stadt gehört, diese sie will und braucht, wurde wieder einmal mit der Produktion des „Messias“ der Komischen Oper klar. In den Hangar 4 des alten Flughafen Tempelhof strömten an 12 Abenden insgesamt 22.000 Besucher:innen, um einer der wahrscheinlich ergreifendsten Oratorien-Shows ihres Lebens beizuwohnen. Auch Andrea Richter war fasziniert und hält die geplanten drastischen Kürzungen im Kulturetat der Stadt für mehr als kontraproduktiv.

Zigarre und Joint bei der Inter Tabak

Mein Rauch ist besser

„Dieses Kraut reinigt Gaumen und Haupt, vertreibt die Schmerzen und Müdigkeit, stillt das Zahnweh, behütet den Menschen vor Pest, verjagt Läuse, heilet den Grind, Brand, alte Geschwüre, Schaden und Wunden“, zitierte der Weinbauforscher August Wilhelm von Babo aus einem Kräuterbuch von 1656. Gemeint war der Tabak, der mit Kolumbus nach Europa gelangt war, und nicht das Cannabis-Kraut, dem seit der Antike ähnliche Heilwirkung zugesprochen wurde. Ewart Reder berichtet von einer Messe, auf der beides ungleich angeboten wurde.

Therapeut sein in Israel

Den eigenen Garten pflegen

Die israelische Öffentlichkeit ist in einem Teufelskreis gefangen, der ein autoritäres Regime kennzeichnet: Je schlimmer die politische Lage, der Krieg und die internationale Isolation werden, desto größer die Angst vor der Wahrheit, desto gehemmter die Bereitschaft, sich für Veränderung und Reparation zu engagieren. Eran Rolnik, israelischer Psychoanalytiker, Psychiater und Historiker erklärt die Situation seiner Landsleute.

Zu den rechtlichen Kompetenzen der Bundesregierung

Der Staat macht mit Macht in Kultur

Es sind Grauzonen, drückt man es höflich aus, in denen die bundesdeutsche Kulturförderung navigiert. Denn die Verfassung hat die Kulturhoheit den Ländern zugewiesen. Jeder Eingriff in diese Zuständigkeit kann als kulturelle Aneignung interpretiert werden. Doch die Macht des Geldes bewirkt einen eigenwilligen Umgang mit den Vorschriften und Gesetzen, die sich der Bund selbst gegeben hat. Matthias Buth bietet in seinem Essay einen Einblick in das seltsame Geflecht aus Willkür und Fiktion im Bundeskanzleramt.

Zum ökologischen Desaster

Wie im wilden Westen

Die Klimakrise überleben nur die Reichsten, sagen die einen. Aber wie lange? Die anderen glauben, ohne den Menschen wäre es gar nicht so weit gekommen. Wer aber könnte uns das bestätigen? Der Gesellschaftstheoretiker und Psychoanalytiker Fritz B. Simon hat auf den Zusammenhang von Herrschaft, Gesellschaft und Klima geblickt. Gesehen hat er nur eine Möglichkeit, das ökologische Desaster aufzuhalten: durch einen Mentalitätswandel. Hans-Jürgen Arlt stellt das Buch vor.

The Wende Museum Culver City

Counter/Surveillance: Control, Privacy, Agency

In den letzten Jahrzehnten hat der technologische Fortschritt die Überwachung stark vorangetrieben. Online werden personenbezogene Daten automatisch gesammelt und massenhaft analysiert. Algorithmen beobachten, hören zu, verfolgen und identifizieren Menschen und ergänzen und ersetzen manchmal menschliche Augen und Ohren. 

Literaturnobelpreis 2024

Die südkoreanische Schriftstellerin Han Kang

Die Trägerin des Literaturnobelpreises 2024 Han Kang war bereits 2016 zu Gast im Litprom-Weltempfänger-Salon. Die Lesung und das Gepräch aus ihrem bereits mit dem Internationalen Booker-Preis ausgezeichneten Roman „Die Vegetarierin“ hat Andrea Pollmeier aufgezeichnet. In dieser Zeit hat auch Anita Djafari, damals Leiterin des Vereins Litprom, die Autorin erlebt und sie im Weltempfänger-Salon empfangen. Über die Begegnung mit Han Kang und die Lage der Buchnation Korea hat Anita Djafari berichtet.

Dante Alighieri

Italiens erster Literat

Dante Alighieri war der Autor der „Göttlichen Komödie“ sowie Schöpfer einer italienischen Literatursprache. Schon zu Lebzeiten wurde der gebürtige Florentiner hoch geehrt. Aufgrund politischer Umstände aus seiner Heimatstadt vertrieben, schrieb er seine großen Werke als Flüchtling in der Verbannung. Der Historiker und Publizist Winfried Dolderer hat die Stationen seines Lebens und seines Schaffens nachvollzogen.

Hamburg Ballett

The Times Are Racing

Wie die Zeit vergeht. Und wie die Zeiten sich ändern. Wir leben in einer Zeit des rasant schönen Nebeneinanders der Stile – und so ist auch dieser mehrteilige Ballettabend gemeint. "The Times Are Racing" vereint vier Choreografien und spannt einen Bogen über die letzten 50 Jahre Tanzgeschichte. Ein Ballettabend mit Werken von Pina Bausch, Hans van Manen, Demis Volpi und Justin Peck.



Bukowinisch-galizische Literaturstraße

Dichtung und Denkmäler

Die Bukowina, einst Heimat von Rose Ausländer und Paul Celan, gehört zu den Regionen, deren Grenzen seit dem Ende der Donaumonarchie oft gewaltsam hin und her verschoben worden sind. Das Ausmaß an Entwurzelung und Leid aber auch widerständiger Kultur haben die Künstlerin Helga von Loewenich und der Literaturwissenschaftler Petro Rychlo im Rahmen des Kulturprojekts „Bukowinisch-Galizische Literaturstraße“ erforscht. Christel Wollmann-Fiedler hat mit Helga von Loewenich über den Werdegang und die Dokumentation dieser Forschungsarbeit gesprochen.

Ein Porträt des Dichters Muepu Muamba

Afrika trägt viele Masken

„Die Pflicht zur Einmischung”, der Titel eines Buches des kongolesischen Dichters Muepu Muamba, geht auf ein gleichnamiges Gedicht zurück, in dem er eine Utopie des menschlichen Zusammenlebens entwirft. Diese wird sich jedoch erst dann in Realität verwandeln, wenn Einmischung zur Pflicht erhoben wird. Cornelia Wilß stellt Leben und Werk des Dichters vor, der seit Ende der 1980er-Jahre in Frankfurt lebt.

Aus dem Notizbuch

Die Zitronenblüte war schon vorbei

Das Land, wo die Zitronen blühen, lassen wir Touristen uns nicht vom Tourismus vermasseln. Dieses Land ist angefüllt mit Geschichte, Augenbalsam in Stadt und Land und wunderlichen Merkwürdigkeiten – wozu auch die Bewohner gehören. Auf seiner Reise durch Italien stößt Eldad Stobezki in Mantua auf Salomone Rossi und Kindesmissbrauch, in Rom auf MeToo im Alten Testament, in Sutri auf Horaz und in Trevignano auf Moskitos.

Stalburg Theater

Fräulein Müller bitte zum Matriarchat

Ist der Kampf der Geschlechter genauso abgedroschen wie die unselige Diskussion über Für und Wider des Genderns? Natürlich nicht. Er wird so lange währen wie es unterschiedliche Geschlechter gibt – also vermutlich ewig. Und genauso lange wird er mit wechselnder Verbissenheit geführt werden, mit unterschiedlichen Waffen, Taktiken und Zielen.

Streifzüge durch die literarische Anthologie von Fiston Mwanza Mujila

Schlüsselorte

14 Kurzgeschichten afrikanischer und afrodiasporischer Autor:innen spiegeln Aspekte urbaner Lebenswirklichkeiten über transkontinentale Grenzen hinweg. Die Stadt ist ein Schlüsselort für eine Szenerie, in der sich Tragik und Komik verflechten. Dann wieder ist sie die Hauptfigur, ein Ort der Sehnsucht und Entwurzelung. Figuren bewegen sich zwischen den Kontinenten, eben InterKontinental – so auch der Name eines Verlages, der sich mutig auf afrikanische und afrodiasporische Literatur spezialisiert hat und kürzlich erst mit dem Berliner Verlagspreis ausgezeichnet wurde. Cornelia Wilß traf den Autor zuletzt beim Textland Festival 2023.

Ingmar Bergmans „Szenen einer Ehe“

Vom Regen in die Traufe?

Dass wir, wenn es um Gefühle geht, Analphabeten sind, muss ja nicht bedeuten, dass unsere Gefühle alphabetisierbar sind. Wer wollte Standardgefühle, die im Gefolge der Benennbarkeit entstehen, eintauschen gegen das Unsagbare, oft Unsägliche? Einst sprach man von der Verdinglichung der Gefühle, mit der nicht nur Hollywood Geschäfte machte. Ingmar Bergman hat in den frühen 70er Jahren des letzten Jahrhunderts die Spannung zwischen Verständigung, Verständnis und Ratlosigkeit gestaltet. Martin Lüdke hat die „Szenen einer Ehe“ in Form eines Bühnenstücks im Schauspiel Frankfurt gesehen.

Nachruf auf Kris Kristofferson

Der wandelnde Widerspruch

Er verkaufte sieben Millionen Alben und war mit seinen Filmrollen sehr erfolgreich. Und doch oder vielleicht deshalb: Kris Kristofferson (1936-2024) war der wandelnde Widerspruch, wie es in einem seiner besten Lieder hieß. Musik drehte sich immer schon um Sex, auch im Country. Aber die freizügige, bekifft-unbeschwerte Spielart hielt in Nashville erst mit dem Texaner Einzug. Ein Nachruf auf den Songwriter und Schauspieler von Martin Wimmer.

Audiowalk

Der Rache nicht

„Der Rache nicht“ ist ein dokumentarischer Audio-Walk im Stadtraum Frankfurt. Er verknüpft historisches Material mit fiktiven Textpassagen und sucht nach Interaktionen mit der heutigen Stadt. Den Ausgangspunkt bilden die Biografien einiger vom Nazi-Regime verfolgter Frankfurter Künstler:innen, die ab 1933 aus dem kulturellen Stadtleben in Frankfurt am Main verdrängt wurden. 

 

 

Ottorino Respighis Oper „La Fiamma” in Berlin

Monumental frisst Emotion

Netto zwei Stunden Grauen, Geschrei, Getöse, Flammen und Eisnebel bei brutto zwei Stunden und zehn Minuten Spieldauer einer Oper sind selbst für passionierte und neugierige Musiktheaterfreaks zu viel. Bei der Premiere von Ottorino Respighis „La Fiamma“ in der Deutschen Oper Berlin schaltete sich zumindest Andrea Richters Gefühlsleben einfach ab und wartete aufs Ende der Katastrophe.

Peter Kurzecks „Frankfurt – Paris – Frankfurt“

Kein Augenblick soll verloren sein

Die Angst, irgendetwas zu vergessen, hat ihn umgetrieben; die Erinnerung bis ins kleinste Detail zu protokollieren und die erlebte Gegenwart ebenso fortlaufend zu notieren, wurde ihm zur Obsession. Und manchmal gewinnt man den Eindruck, als hätte Peter Kurzeck sein Leben vor allem gelebt, um es aufzuschreiben. In den jetzt erschienenen Band seines Zyklus‘ „Das alte Jahrhundert“, „Frankfurt – Paris – Frankfurt“, hat sich Ulrich Breth hineingelesen.

Zum Briefwechsel Thomas Bernhard – Siegfried Unseld

Höher als der Verlag

Wer weiß, ob es die unabhängigen Verleger noch gibt, die sich hinter ihre Autoren stellen. Siegfried Unseld jedenfalls machte diesen Anspruch für sich geltend und wagte es, anspruchsvolle Literatur und zeitgenössische Theoriediskussion gegen die Bedürfnisse des noch lesenden Publikums zu publizieren. Bei der Veranstaltung „Salon kontrovers“ im Frankfurter Holzhausenschlösschen zum hundertsten Geburtstag des Verlegers entwarf Ruthard Stäblein dessen Persönlichkeitsbild und bezog sich dabei auch auf den Briefwechsel Thomas Bernhard und Siegfried Unseld.

D-ländlich

Mauern dichten leise – Flüsse auch

Wer die Welt kennenlernen will, übersieht gewöhnlich, dass dieselbe vor der Haustür beginnt. Und wer in die Fremde will, muss nicht weit reisen. Wen aber kulturelle Neugier antreibt, wer mehr über unsere Geschichte, Herkunft und das Wirken unserer Kulturschaffenden, über Architektur und Landschaft erfahren will, muss fahren. Matthias Buth hat sich vorgenommen, das Netz der Kraftlinien, die Kunst und Natur, Geschichte und Zugehörigkeitsgefühl verbinden, aufzuspüren.

Aus dem Notizbuch

Krieg, Migration, Sonnenblumen

Sonnenblumen und Araber sind die Folgen einer Zurückweisung, jedenfalls, wenn man den Mythen und Legenden eine Kernwahrheit zuspricht. Eine Legende ist die Aufforderung zum interpretierenden Lesen, ein Märchen wie die Mythen. Eldad Stobezki nennt noch Migrationsverbot als Terrorabwehr, das „doch“ im Klimawandel, das Privileg der Ölsardinendose, Ökonomie für Verbraucher oder die Verwandlung der Klytia in eine Sonnenblume. Ovid schreibt: Ein Teil verneint, dass es sein kann; ein anderer erinnert daran, dass wahre Götter dazu imstande sind.

E. T. A. Hoffmanns „Das fremde Kind“

Ein feindseliger Gnom

An dem mechanistisch-materialistischen Menschenbild, das sich der Philosoph de La Mettrie ausgedacht hatte, hat der Schriftsteller der schwarzen Romantik, E. T. A. Hoffmann, sich immer wieder abgearbeitet. Einige seiner Frauenfiguren, zum Verlieben schön, entpuppen sich schließlich als Automaten. In seinem Märchen „Das fremde Kind“, das als multimediales Kunstwerk erschienen ist, sind es der mechanische Jäger oder der aufziehbare Harfenist, die im Schrott landen. Walter H. Krämer hat sich daran erfreut.

Interview mit dem Expertensystem Fiktive Geschichtsrückblicke (EFG)

So wird es gewesen sein

1348 erzählen sich in einem Landhaus, in dem heute eine Filiale des Europäischen Hochschulinstituts Sitz hat, sieben Frauen und drei junge Männer zum Teil recht „anzügliche“ Geschichten, die heute noch gelesen werden: Boccaccios „Decamerone“ entstand, weil in Florenz die schwarze Pest ausgebrochen war, die nicht nur die italienische Politik veränderte. Nach der Belastbarkeit solcher Geschichtsthesen über pandemiebedingte Wirtschafts- und Politikveränderungen befragte Rolf Schönlau sein eigenes Expertensystem.

Euripides, Aischylos und Sophokles in Hamburg

Blindwütige Suche nach der Wahrheit

Die Tragödie stehe zwischen „Mythos“ und „Logos“, zwischen Ursprungsdenken und Metaphysik, schrieb in seiner „Kritik der Tragödie“ Wolfram Ette, damit stehe sie aber auch gegen beide. Vielleicht ist die frühe griechische Bühnenkunst deshalb unverwüstlich und ewig neu. Sie verhandelt unsere Probleme. In Hamburg hat die inszenierende Intendantin Karin Beier unter dem Titel „Anthropolis-Marathon“ fünf der klassischen Tragödien angeboten, die Walter H. Krämer alle gesehen hat.

Eigene Wege(I)

Wie Erde und Himmel

In der Reihe „Eigene Wege“ erzählen junge Migrantinnen und Migranten, wie es ihnen gelungen ist, in der Arbeitswelt in Deutschland Fuß zu fassen. Rezvan Rezai (24) ist in Afghanistan geboren und in Iran aufgewachsen. Ende 2015 ist er nach Frankfurt am Main geflohen. Nach seinem Hauptschulabschluss hat er eine Ausbildung zum Restaurantfachmann im Flemings MainRiverside absolviert und arbeitet dort seit 2023 in Festanstellung. Riccarda Gleichauf hat mit ihm gesprochen.

Bachmann/Henzes „Der Prinz von Homburg“ in Frankfurt

Zwölfton-Belcanto

„In den Staub mit allen Feinden Brandenburgs“. Ausgerechnet am Abend der brandenburgischen Landtagswahl lauteten so die letzten Worte der ersten Premierenproduktion „Der Prinz von Homburg“ in der neuen Spielzeit der Oper Frankfurt. So wie das Bundesland mit einem Dilemma konfrontiert war und ist, ergeht es dem Titelhelden in Henzes Werk. Der Hauptunterschied zwischen Bühnen- und politischem Realtheater? Die Oper überzeugte in jeder Hinsicht und bescherte Andrea Richter große innere Bereicherung.

Gabriel Attal in der Ukraine

Rückkehr nach Odessa

Weil wir keine Bäume sind, haben wir keine Wurzeln, sondern Beine, mit denen wir uns, sobald wir laufen können, mobil halten. Das ist insofern von Vorteil, weil wir so auch davonlaufen können, wenn unsere Lust, unser Wille, unsere Sehnsucht oder die widrigen Umstände es erfordern. Gelangt man auf diese Weise in die Fremde und stellt sich geschickt an, kann man dort sogar Premierminister werden. Jutta Roitsch schreibt über den Besuch Gabriel Attals in der Ukraine.

Saisonstart: Goethes „Faust“ (1 & 2) in Frankfurt

Das fängt ja gut an

Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft – das sagt sich so mephistophelisch leicht dahin. Doch wer weiß denn, was damit gemeint ist? Goethe hat den ersten volkstümlich-kritischen Teil des „Faust“, aber auch den visionären, weit ausgreifenden zweiten Teil mit paradoxen und aporetischen Sentenzen durchsetzt, die einem zu denken geben. Dass der gesamte „Faust“ für allfällige gesellschaftspolitische Interpretationen taugt, beweist, dass er nicht von gestern ist. Die Version, die jetzt in Frankfurt Premiere hatte, ist bei Martin Lüdke auf positive Resonanz gestoßen.

Bess Dreyers Gedichtband „vom aufziehbaren blechhuhn“

Lebensfrohes Memento mori

Dass alles, was entsteht, wert ist, dass es zugrunde geht, sagt Mephisto zum Doktor Faust, der immer strebend sich bemüht. Die Spannung zwischen dem aggressiv eingesetzten Realitätssinn und dem überschreitenden Möglichkeitssinn ist das Feld der Poesie, die zwischen beiden Polen oszilliert. Im Buch „vom aufziehbaren blechhuhn“ hat Bess Dreyer dieses Feld abgelesen, und Elke Engelhardt hat sich die Gedichte genauer angesehen.

Ausstellung „Städel | Frauen“ in Frankfurt

Beruf: Künstlerin!

In den letzten Jahren bekommen die vergessenen Künstlerinnen der Kunstgeschichte zunehmend Präsenz in den Ausstellungsprogrammen. Allerdings kann dies nur unter forschendem Engagement seitens der Kurator*innen geschehen, ist doch vieles bislang unbekannt geblieben: Biografien müssen recherchiert, der Standort der Werke gefunden werden. Die Künstlerinnen dem Vergessen zu entreißen, ist Verpflichtung und Fleißarbeit. Einen solchen Forschungszwischenstand bietet das Städel Museum mit seiner Schau „Städel | Frauen. Künstlerinnen zwischen Frankfurt und Paris um 1900“, die sich den Netzwerken der Künstlerinnen um 1900 widmet. Isa Bickmann hat sie besucht.

Ausstellung

Zeitzeugenschaft?

Die Ausstellung „Zeitzeugenschaft? Ein Erinnerungslabor“ sowie die Wanderausstellung „Ende der Zeitzeugenschaft?“ ist eröffnet. Letztere wurde vom Jüdischen Museum Hohenems und der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg erarbeitet und für Frankfurt modifiziert; beide zusammen sind ab heute zu sehen.

Briefwechsel Bachmann – Henze

Verrückt nach Schönheit

Hans Werner Henze gehörte zu den meist aufgeführten Komponisten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Ingeborg Bachmann war die bedeutendste deutschsprachige Lyrikerin und Prosaschriftstellerin. Nachdem sie sich 1952 auf Burg Berlepsch bei einer Tagung der Gruppe 47 kennenlernten, schrieb ihr der Komponist, wie schön und traurig er ihre Gedichte fand. Das war der Beginn einer Freundschaft, die sich detailliert in ihrer Korrespondenz zur Sprache brachte. Arno Widmann hat ihre Briefe mitgelesen.

Ausstellung

Schwerelos

Die Welt steht Kopf im Kunstmuseum Wolfsburg. Der Mond befindet sich auf der Erde, ein Haus hängt in luftiger Höhe, die Wolken sind am Boden und die Besucher*innen schweben scheinbar in der Schwerelosigkeit eines Raumschiffs.

Ausstellung HKW

heimaten

Das dezentrale heimaten Festival im September 2025 macht gemeinsam mit zahlreichen Partnerinstitutionen die plurale Gesellschaft sichtbar sowie die Arbeit vieler Einzelpersonen und Initiativen, die sich für sie einsetzen. Das Projekt ist konzipiert vom HKW und den Ko-Kuratoren Ibou Diop und Max Czollek und wird von einem Netzwerk von zivilgesellschaftlichen Initiativen und Kulturinstitutionen im gesamten deutschsprachigen Raum inklusive Österreich und der Schweiz getragen.

Theater Vorstellungen

Anthropolis

Die berühmtesten Gründungsmythen der europäischen Zivilisationsgeschichte stammen aus der Stadt Theben. Mit Antigone und Ödipus haben sie gleich zwei Gestalten hervorgebracht, die in Literatur, Philosophie und Psychologie bis heute zentrale Rollen einnehmen.

Eröffnungsrede

Plädoyer für das Recht auf Bewegungsfreiheit

Menschen, die vor Krieg oder zerstörten Lebensgrundlagen fliehen, geraten an Europas Grenzen in ein zunehmend kafkaeskes System seelenloser Bürokratie. Wer nicht schon Teil des Systems ist und über entsprechende Papiere verfügt, wird hinter Mauern weggesperrt. Um Betroffenen eine Chance zum Widerspruch zu ermöglichen, hat medico international einen „Fonds für Bewegungsfreiheit“ gegründet. Geschäftsführer Tsafrir Cohen erläutert die Ziele des neuen Hilfsprojekts.

Punkrock DDR

Überschäumende Lebensfreude

Punk, der im Westen wirkte wie eine Einbrecherbande, die die Wohnungseinrichtung zertrümmert, sonst aber für das etablierte gesellschaftliche Gefüge keine Gefahr darstellte, wurde in der autoritären DDR in den Rang eines Staatsfeindes erhoben. Die provozierende Lebensfreude wurde auf diese Weise selbst politisch. Henryk Gericke, einst an der Ostberliner Kultur-Opposition beteiligt, hat ein Buch darüber geschrieben und für TEXTOR klärende Informationen zur Verfügung gestellt.

Laudatio für Prof. Dr. Seyla Benhabib

Das erweiterte Selbst

Am 11. September 2024 wurde der Professorin für Politische Theorie und Politische Philosophie, Seyla Benhabib, in der Paulskirche zu Frankfurt am Main der Theodor W. Adorno-Preis des Jahres 2024 überreicht. Benhabib, die in eine alteingesessene Istanbuler sephardisch-türkische Familie hineingeboren wurde, forschte und lehrte an der Brandeis University und in Yale, am Max-Planck-Institut am Starnberger See, in Boston und Harvard. Der Historiker und Erforscher der Frankfurter Schule, Martin Jay, begründet in seiner Laudatio die Preisvergabe.

Rede zum Fonds für Bewegungsfreiheit

Grenzen im Inneren und Äußeren den Kampf ansagen

Nationale Grenzen sind nicht naturgegeben, sondern Folge eines Denkens, das Menschen nach bestimmten Kriterien kategorisiert und hierarchisiert. EU-Grenzen werden so nur für Wenige durchlässig, für die Menschheit in ihrer Vielzahl sind sie nahezu dicht. In ihrer Rede anlässlich der Gründung des „Fonds für Bewegungsfreiheit“ spricht die Journalistin Şeyda Kurt über eine autoritäre Wende sowie seelische und moralische Grenzziehungen im Innern.

Zum Tod Rebecca Horns

Nur erschöpft

Elegant, poetisch, zwiespältig und konzeptuell zugleich sind die Werke Rebecca Horns, deren international ausgezeichnetes Œuvre an die wichtigsten Kunstströmungen des 20. Jahrhunderts anschließt. Am 6. September 2024 ist die im hessischen Michelstadt geborene Künstlerin im Alter von 80 Jahren gestorben. Ihr Schwerpunkt lag auf Skulpturen und Installationen, sie schuf aber auch Filme, Gedichte und Zeichnungen. Ursula Grünenwald erinnert an ihr Schaffen.

Aus dem Notizbuch

Worte, grünes Land, Falafel

Der Höhbeck, kann man lesen, ist eine saale-kaltzeitliche Stauchendmoräne inmitten der niedersächsischen Elbtalaue, mithin im Biosphärenreservat Lüchow-Dannenberg. Neben dem Erkenntnisgewinn, den man bekommt, wenn man diese Informationen nachgeschlagen hat, führen sie uns vor Augen, wohin es Eldad Stobezki verschlagen hat. Schlüge man auch noch in Haaretz, der Genesis, dem Wetterbericht, in der Geschichte der Zugtoiletten, in der Münchner Kunst und in Ovids „Metamorphosen“ nach, fände man den Kosmos dieser Notizen in nuce.

Eldad Stobezkis „Rutschfeste Badematten und koschere Mangos“

Katzen und Hunde

Mit etwas Glück werden die Einfälle eines Aphoristikers von seiner Persönlichkeite zusammengehalten. Sein Interesse leitet seine Wahrnehmung, und umgekehrt werden sich die farbigen Steine seiner knapp gefassten Notate von selbst zu einem ausgeformten Mosaik zusammenfügen, an das er schreibend gar nicht zu denken braucht. Eldad Stobezki, der auch TEXTOR-Autor ist, hat seine bedenkenswerte Gedankensammlung für ein Buch arrangiert, das Ulrich Breth vorstellt.

Nina Mays Walachei-Glossen

Rumänien to go

Nina May, geb. 1965 in Linz an der Donau, Diplom-Physikerin, sagte 2008 dem deutschen Staatsdienst ade und zog als „Aussteigerin“ nach Rumänien, um in Siebenbürgen ein einfaches Dasein auf dem Land zu leben. Bis ihr rumänischer Ehemann, der „Göttergatte" ihrer Glossen, sie nach Bukarest entführte, wo sie seit 2011 als Journalistin und seit 2020 als Chefredakteurin der „Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien (ADZ)“ arbeitet. Die meisten der in diesem Band vereinten Glossen sind zwischen 2011 und 2024 in der ADZ erschienen. Und Matthias Buth findet sie gut.

Gespräch mit Karola Gramann und Heide Schlüpmann über Alice Guy

Falling Leaves

Die Filmwissenschaftlerin Karola Gramann verabschiedet sich nach 25 Jahren von der Kinothek Asta Nielsen mit einer persönlichen Auswahl besonderer Schätze der Filmgeschichte in Frankfurt vom 12. bis 15.9. und in Berlin am 1. und 2.11.2024. Als Hommage an sie bringen wir ein Gespräch, das Isa Bickmann mit ihr und der Kinothek-Mitgründerin und Filmprofessorin Heide Schlüpmann 2012 über die Filmpionierin Alice Guy führte, deren Film „Falling Leaves“ aus dem Jahre 1912 auch im Abschiedsprogramm gezeigt wird.

Vor 15 Jahren starb Pina Bausch

Was Menschen bewegt

Die Ursache des Konflikt auf die Tutu-Fraktion der konservativen Ballett-Liebhaber abzuschieben, wäre zu einfach. Was Pina Bausch in Wuppertal ins Werk setzte, war ein Angriff auf das Selbstverständnis der Kategorie Ballett, die Ersetzung der formalisierten Choreographie durch eine permanent sich weiterentwickelnde, emotionalisierte Körpersprache. 15 Jahre nach ihrem Tod haben viele Kollegen von ihr gelernt, – ob sie’s wissen oder nicht. Walter H. Krämer erinnert an die große Tänzerin und Choreographin.

Frauen und Musik in Afghanistan

Wo man singt, da lass dich nieder….

Dass Singen und Spielen keine harmlosen Lebensäußerungen sind, hat nicht nur die katholische Kirche immer wieder bestätigt. Betroffen von den Einschränkungen und Verboten des Musizierens waren besonders, und das vor allem in der Gegenwart, die Frauen. In Afghanistan, wo seit 2021 wieder die radikal-islamistischen Taliban herrschen, gehört das Musikverbot zu den Instrumenten der totalen Unterdrückung. Clair Lüdenbach skizziert die Geschichte.

75 Jahre Frankfurter Kabarett „Die Schmiere“

Harte Arbeit

„Die Schmiere“ taufte Rudolf Rolfs sein 1950 eröffnetes Kabarett, das er als freies, politisch unabhängiges Theater verstand. Subventionen lehnte er stets ab, dafür erhielt die kritische Beobachtung reichlich Raum. Seine Tochter Effi B. Rolfs übernahm 1990 die Leitung und folgt diesen Grundsätzen bis heute. Satire fordere dazu auf, über Dinge nachzudenken, Vorgänge zu durchschauen und Schwächen zu entdecken, fasst sie in einem Gespräch mit Doris Stickler ihre Intention zusammen.  

Geregelte Migration, geregelte Sprache

Presse und Macht

Fast 60 Prozent der Geflüchteten werden mittlerweile durch die Folgen des Klimawandels ihrer Existenz beraubt. Sie suchen Schutz in genau jenen Ländern, die die Verursacher ihrer desolaten Verhältnisse sind. Nicht zuletzt durch die zunehmend einseitige Berichterstattung der Medien verweigert die deutsche Öffentlichkeit, diese Zusammenhänge zu akzeptieren. Peter Kern führt in seinem Beitrag vor Augen, wie Medienkonzerne dieser fatalen Entwicklung Vorschub leisten.

Der Fotograf Alexander Paul Englert

Die alltägliche Normalität

Als sich die Fotografie in der Gesellschaft durchsetzte, sahen sich die Maler der realistischen Kunst ihrer Kompetenz beraubt. Zu unrecht. Die Lichtbildner ihrerseits versuchten, neben den dokumentarischen auch die kunstmalerischen Möglichkeiten in das neue Medium zu übertragen. Heute durchdringen sich Realismus und Bildgestaltung zumeist. Alexander Paul Englert sieht seine Kunst in der unspektakulären, intuitiven Erfassung der Möglichkeiten, die die Situation anbietet. Doris Stickler porträtiert den Fotografen.

Georg Leß: „die Nacht der Hungerputten"

Die letzten Fragen von Satzbau und Wohnraum

Putten sind Säuglinge mit – nach den Gesetzen der Aerodynamik – zu kurzen Flügeln, um abheben zu können. Niemand weiß, warum und wozu sie eigentlich existieren. Ihr Entwicklungsstand schließt eine musikalische Ausbildung aus, dennoch sieht man sie allenthalben mit Instrumenten hantieren. Und sie sind viel zu herzig, um auch noch gut sein zu können. Georg Leß mag diese opake Unsichtbarkeit zu einem gewagten Gedichtband angeregt haben. Alexander Kappe hat ihn gelesen und ist zu dessen poetologischen Gründen vorgestoßen.

Anmerkungen zur Gegenüberstellung von populärer und akademischer Philosophie.

Kritik der Philosophie

In der ersten TEXTOR-Ausgabe vom 16. August 2024 veröffentlichte Bernd Leukert unter dem Titel „Der soziale Faktor“ einen Artikel über öffentliche und akademische Philosophen. Darin referiert er die kategorische Differenz der beiden, wie sie gestern und heute, in der Presse wie in der Literatur, ausformuliert wird. Vor allem geht er auf Bücher der Philosophen Daniel-Pascal Zorn und Claus Langbehn ein, die das alte Problem thematisieren. Leon Joskowitz, selbst Philosoph, hat daraufhin eine Entgegnung verfasst.

Die Lehren nach Auschwitz

Der Judenhass

In seinen „Betrachtungen zur Judenfrage“ schrieb Jean-Paul Sartre, nicht die Erfahrung schaffe den Begriff des Juden, sondern das Vorurteil fälsche die Erfahrung: „Wenn es keinen Juden gäbe, der Antisemit würde ihn erfinden.“ Und: Der Antisemitismus sei eine Weltanschauung, gebärde sich aber als Leidenschaft. Die Juristin Channah Trzebiner äußert sich in ihrer Streitschrift zur Täter-Opfer-Umkehr.

Der Papst und die Literatur

Literaturpapst

Der Krummstab ist eine Symbolversion des Hirtenstabes, mit dessen Krümme der Hirt seine Tiere an den Hammelbeinen packt. Kardinäle, Bischöfe, Äbte und Äbtissinnen tragen ihn. Aber der Papst nicht. Deshalb kann er auch empfehlen, Bücher jenseits der Heiligen Schriften zu lesen, ohne auf den Index unkatholischer Literatur zu verweisen. Matthias Buth begrüßt den Hirtenbrief mit poetischen Empfehlungen.

Ottilie von Goethes Mut zum Chaos

Die geniale Schwiegertochter

Sie war eine der faszinierendsten und unkonventionellsten Frauen ihrer Zeit. Sie gründete ein Journal, dichtete, übersetzte und förderte den englisch-deutschen Kulturtransfer. Politisch aktiv, unterstützte sie eine neue Generation von Autor:innen. Die Ausstellungen der letzten beiden Jahre, „Mut zum Chaos. Ottilie von Goethe“ im Goethe und Schiller-Archiv Weimar, und im Deutschen Romantik-Museum, Frankfurt am Main, sowie neue Publikationen haben sich nun ihrem Leben und Werk gewidmet. Francesca Müller-Fabbri von der Klassik-Stiftung Weimar beschreibt die ungewöhnliche Frau.

Vortrag zum Konflikt im Nahen Osten

„Deutschland, Israel und die Crux historischer Ethik“

Die diesjährigen 55. Römerberggespräche in Frankfurt befassten sich mit Fragen der Erinnerungskultur nach dem 7. Oktober. Wenige Tage zuvor hatten jedoch zwei internationale Gerichte, der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) und der Internationale Gerichtshof, Entscheidungen getroffen, die beide kritisch auf das sich dramatisch zuspitzende Kriegsgeschehen zwischen Israel und Palästina Bezug nahmen. In diesem zeitlichen Kontext untersucht der Historiker Dan Diner explosive Tiefenschichten der deutsch-israelischen Beziehungen.

Knotenpunkte einer Reise

Güstrow, Ernst Barlach und Uwe Johnson

Das Wahrscheinliche kann sich gegen das Unwahrscheinliche nicht abschotten. Undenkbar, dass irgendjemand unserer direkten Vorfahren mit historischen Persönlichkeiten in Verbindung stand, die ihrerseits mit anderen Berühmtheiten vertraut gewesen sein sollen? Und dann die Überraschung. Der Schriftsteller Eric Giebel entdeckt auf einer Reise nach Güstrow Uwe Johnsons Verbindung zu Ernst Barlach.

Der Theatermann Willy Praml wird 83

Das Schwierige gewagt

„To play or not to be" – so darf man wohl das Lebens- und Arbeitsmotto des Theatermenschen Willy Praml verstehen. In der hessischen Theaterlandschaft ist der in Niederbayern geborene Willy Praml eine feste Größe. Seit 1971 macht er Theater: Zunächst mit Aufsehen erregenden Inszenierungen mit Jugendlichen und Laien. Später mit dem 1991 gegründeten Theater Willy Praml. Walter H. Krämer macht auf den Jubilar aufmerksam.

Aus dem Notizbuch

Freunde, Kirschen, Heumond

Ein Aschenbecher von einem französischen Flohmarkt, Chanel No 5 von einer deutschen Dame, Kirschkerne vom Witwer, der Mond vom Heu oder das jüdische Volk aus dem Alten Testament – die Souvenirs, die sein Gedächtnis einsammelt und sein Bewusstsein in die knappste Form bringt, hat Eldad Stobezki zwar alle notiert, ihre Bezüge untereinander stellt er erst durch ihre Auswahl her. Sie springen in die Augen oder halten sich diskret verborgen.

Aus dem Notizbuch

Wortstamm

Die Berufung ist eine göttliche Bestimmung, die nicht allen Menschen, die diese von ihrem Beruf erwarten, zuteil wird. Eldad Stobezki fand aber zwei geistliche Exemplare für diese schöne Koinzidenz und darüber hinaus die Erfahrung einer Authentizität in der Stadt Münster, wo einst die Dichterin und Komponistin Annette von Droste-Hülshoff geboren wurde.

Jan Koneffkes „Im Schatten zweier Sommer“

Handkuss und Verbeugung

Es gibt einige Schriftsteller, die diese Gabe besitzen: das Einfühlen in eine historisch gegebene und dennoch konkret zu erfindende Situation, den phantasievollen Nachvollzug dessen, was hätte sein können. Jan Koneffke ist in seinem neuen Roman durch Orte und Zeiten gereist, um die Wege des großen Reiseschriftstellers, Erzählers und Romanciers Joseph Roth zu kreuzen. Christel Wollmann-Fiedler hat sein Buch begeistert.

Notizbuch. Im Lorbeerhain

Es ist Sommer

Manche binden ihn sich um den Kopf, manche werfen ihn in die Suppe. Für Eldad Stobezki muss es schon mehr vom Lorbeer geben: den Lorbeerwald als Sehnsuchtsort. In seinem Notizbuch sammelt er aber auch Wassermelonen, das Meer, Kinder im Zwielicht der Sprachen, Liebes- und Sonnenblumen, Servietten und Musik. Entweder – oder; oder beides.

Betrachtungen nach Wolfgang Rihms Tod

Jetzt trocknet die Tinte

Bevor er als 16-Jähriger Kompositionsunterricht nahm, hatte er sich schon mit Streichquartett und Streichorchester ausprobiert. Ins Bewusstsein der Öffentlichkeit geriet Wolfgang Rihm zehn Jahre später mit seiner Kammeroper „Jakob Lenz“, in der alte und neue Musik gleichberechtigt nebeneinander stand. Er war ein gefragter, weltberühmter und beliebter Komponist; seine überbordende Werkliste zeigt den rastlos Schaffenden. Achim Heidenreich beschreibt seine Arbeitsweise.

Komische Oper Berlin im Schillertheater

Stoppen Sie diese Schande!

Die Komische Oper gehört in Berlin zu den Musikhäusern, denen der Brückenschlag zwischen Tradition und Moderne hinsichtlich Repertoire und Präsentation gelungen ist. Noch dazu erreicht sie besonders wirksam ein breitgefächertes Publikum. Nun soll die Oper möglicherweise dauerhaft ins Schillertheater verlegt werden. Dagegen hat Barrie Kosky, ehemaliger Intendant und Chefregisseur der Berliner Bühne, mit einem offenen Brief protestiert. Andrea Richter beschreibt die Situation.

Zwei Völker am Abgrund

Vom Meer bis zum Fluß

Die lange beschworene Zweistaatenlösung für Israel und Palästina war die Basis eines westlichen Friedenstraums, der an der tatsächlichen Situation dort zerschellt. Zwei Experten dieser Konfliktgeschichte, ein Palästinenser und ein Israeli, haben sich mit den Möglichkeiten von Krieg und Frieden befasst. Und Jutta Roitsch hat aus der Lektüre ihrer Schriften Erkenntnisse gewonnen.

Gedicht

Ausfahrt

Gedicht

Memento

Zum 100. Geburtstag von William Gass

Nur in Übersetzung?

Der Schriftsteller, Übersetzer und Philosoph William Gass, der 2017 gestorben ist, wäre am 30. Juli 2024 hundert Jahre alt geworden. Er gehört zu den wichtigen Persönlichkeiten der US-amerikanischen Literatur, die bei uns deshalb nicht bekannt sind, weil ihre Werke nicht ausreichend übersetzt sind. Matthias Göritz hat einen großen und bemerkenswerten Essay über den Sprach-Denker geschrieben, der tief in die Kunst des Übersetzens greift und nach Übersetzung verlangt – von Büchern von William Gass.

Kurzgeschichte

Der Zwiebelanschlag

Dass die Zwiebel den Zweifel nahelegt, liegt an der ersten Silbe, welche Zwietracht sät. Ist im Namen der Gerechtigkeit die Zwietracht zwischen Arm und Nichtarm angelegt, haben wir einen gesellschaftlichen Konflikt, der Auflösung erfordert. Die Kurzerzählung von Alexandru Bulucz führt nicht diese Auflösung vor Augen, sondern einen Plan, der zum Kern der Zwiebel führt.

12-teilige ARTE-Serie

Die Mafia tötet nur im Sommer

In der Mediathek des Fernsehsenders ARTE ist derzeit die bemerkenswerte 12-teilige Serie „Die Mafia tötet nur im Sommer“ zu finden. Auf der erzählerischen Oberfläche der Geschichte einer fiktiven kleinbürgerlichen Familie in Palermo wird ein bedrückendes Thema abgehandelt: Die sehr realen Machenschaften der Cosa Nostra, ihres Einflusses auf die Stadt und ihre Menschen in den Jahren 1979/80. Die Serie war bei ihrer Ausstrahlung 2013 auf RAI -TV in Italien ein Renner. Sehr sehenswert findet Andrea Richter sie heute noch.

Peter Kerns „Dorfansicht mit Nazis“

Onkel Paul in HJ-Uniform

Erst glaubte man an das Tausendjährige Reich, dann an den Verrat und den Zusammenbruch. Dann hatte niemand etwas gemerkt, und keiner wollte es gewesen sein. Aber es gibt Bibliotheken, Archive, Berichte von Zeugen und Überlebenden, Kirchenbücher und Chroniken, aus denen das Ausmaß der aktiven Bevölkerungs-Beteiligung am Krieg und den Verbrechen des NS-Regimes hervorgeht. Peter Kern hat die entsprechenden Informationen für sein Buch über das Dorf seiner Herkunft zusammengetragen, und Johannes Winter hat es gelesen.

100. Todestag von Joseph Conrad

Seine launische Geliebte

Er wollte unbedingt Seemann werden. Doch das ist ihm nicht gut bekommen. Mit 38 Jahren geht Kapitän Korzeniowski von Bord, um unter dem Namen Joseph Conrad sein Leben als Schriftsteller weiterzuführen. Denn im selben Jahr war sein erster Roman erschienen, der ihn mit einem Schlag bekannt machte. Ria Endres skizziert das Leben des polnisch-britischen Autors.

Ingeborg Bachmann und ihre Lyrik (III)

Auf Widerruf

Anlässlich ihres 50. Todestages ist Ingeborg Bachmann vielfach vergegenwärtigt worden, vor allem mit biografischen Betrachtungen. Publikationen von Briefwechseln lenkten den Blick insbesondere auf die vielen Liebesbeziehungen, die die als feministische Schriftstellerin Etikettierte mehr oder weniger glücklich mit Männern einging. Ria Endres hat dagegen andere Erfahrungen der ikonischen Nachkriegsliteratin als Beweggrund für ihre Lyrik benannt. Ihren Essay veröffentlichen wir in drei Teilen. Hier ist der dritte.

Ingeborg Bachmanns Lyrik (II)

Die härteren Tage

Anlässlich ihres 50. Todestages ist Ingeborg Bachmann vielfach vergegenwärtigt worden, vor allem mit biografischen Betrachtungen. Publikationen von Briefwechseln lenkten den Blick insbesondere auf die vielen Liebesbeziehungen, die die als feministische Schriftstellerin Etikettierte mehr oder weniger glücklich mit Männern einging. Ria Endres hat dagegen andere Erfahrungen der ikonischen Nachkriegsliteratin als Beweggrund für ihre Lyrik benannt. Ihren Essay veröffentlichen wir in drei Teilen. Hier ist der zweite.

Über Dagmar Dusils Roman „Das Geheimnis der stummen Klänge"

Musikmärchen

Über Theodor W. Adorno geht die Rede, er habe es vorgezogen, eine Partitur zu lesen, anstatt sich die Musik im Konzertsaal anzuhören: Im Kopf entsteht beim Lesen der Klang doch so authentisch, wie keine Aufführung es zu leisten vermag. So ähnlich konnte ein pianistisch geschulter Mensch in vordigitaler Zeit die Musik beim Üben auf der Klaviatur vergegenwärtigen, die auf Papierstreifen aufgemalt war. Dagmar Dusil hat daraus den Titel ihres Romans gezogen, den Matthias Buth gelesen hat.

Stefan Geyers „Der Stadtwanderer“

Ausschweifendes Leben

„Es ginge vieles besser, wenn man mehr ginge“, schrieb der Fußgänger Johann Gottfried Seume, der es wandernd bis nach Syrakus schaffte. Dass man beim Fahren weniger erfährt als beim Gehen, hat mit dem Tempo zu tun, mit dem man die Welt durcheilt. Selbst wenn die Welt sich auf Frankfurt beschränkt, das Stefan Geyer durchwandernd stets neu entdeckt, gehören seine dabei gewonnenen Erkenntnisse zu den kleinen Bausteinen einer globalen Aufklärung. Ulrich Breth hat das Buch mit kundigem Blick gelesen.

„Unmögliche Verbindung“ in Bregenz

Wie, schon zu Ende?

Die Bregenzer Festspiele sind bekannt für ihre Opern- und Operettenspektakel auf der Seebühne. Dass es dort auch eine Werkstattbühne nebenan gibt, auf der Zeitgenössisches uraufgeführt wird, ist weitgehend unbekannt. Ende Juli 2024 kam dort das Musiktheaterwerk „Unmögliche Verbindung“ des tschechischen Komponisten und Dirigenten Ondřej Adámek mit dem Ensemble Modern zur Uraufführung, das Andrea Richter auf eine emotionale und kurzweilige Achterbahnfahrt mitnahm.

Regierungsbildung in Frankreich

Poker zwischen Parlament und Élysée

Im zentralstaatlichen Frankreich sind offenbar alte Mythen immer noch Faktoren der Politik. Die, denen die Götter Unsterblichkeit schenkten, wohnen im Palast der elysischen Gefilde, es gibt bourbonische und jakobinische Traditionen, kurz: Die politischen Spielregeln unserer Nachbarn können uns Deutschen zuweilen kurios erscheinen. Jutta Roitsch hat die jüngsten Ereignisse dort bündig zusammengefasst.

Peter Strohschneiders „Wahrheiten und Mehrheiten“

Ewige Sehnsucht nach Eindeutigkeiten

Ergeben die Untersuchungen eine hundertprozentige Übereinstimmung mit der Grundannahme, spricht man in der Wissenschaft von einer Tatsache. Politiker, deren Wirkungsmacht von Mehrheiten der Wähler abhängig ist, sehen sich von solchen Tatsachen undemokratisch beeinträchtigt und bezeichnen sie deshalb als Meinungen. Der Mediävist und Forscher Peter Strohschneider hat die Wissenschaftler einer Kritik unterzogen, und Matthias Schulze-Böing schreibt, worum es ihm dabei geht.

Leben und Tod von Otto Freundlich

Farbkasten im Küchenherd

Otto Freundlich war Maler, Bildhauer und Autor, einer der ersten Künstler der Abstraktion, Jude, Kommunist und Kosmopolit. 1908 zog er nach Paris ins Bateau-Lavoir, wo er sich mit Picasso, Braque, Gris und Apollinaire befreundete. Unter der Vichy-Regierung musste er fliehen, wurde mehrfach verhaftet und in Konzentrationslager gebracht. Johannes Winter ist seiner Geschichte nachgegangen.

Gedicht

Traumata

Ausstellung im Kunst Archiv Darmstadt

Helga Föhl

Die Bildhauerin Helga Föhl (1935–2022) vermachte noch zu Lebzeiten ihren Nachlass dem Kunst Archiv Darmstadt. Dort ist nun ein Teil ihres Schaffens in einer großen Einzelausstellung zu sehen. Es handelt sich um die letzte Ausstellung, die Claus K. Netuschil, der Gründer und langjährige Vorstandsvorsitzende des KAD, organisiert hat. Im letzten Monat hat er seinen Vorstandsposten an ein neues Team abgegeben. Kenneth Koark hat sich die Ausstellung angesehen.

Gespräch über „Cloud Walks"

Zwischen der Kunst und den Wolken gibt es eine Wahlverwandtschaft

Gerhard Lang untersucht Wahrnehmung mit bildlichen und performativen Mitteln. Isa Bickmann hat mit dem Künstler über seinen New Yorker Wolkenspaziergang, über das Erfahren des Stadtraums mittels des Rückwärtsgehens mit einem Claude-Lorrain-Spiegel, den L'intervento minimo (kleinstmöglichen Eingriff) und die Vorzüge des Schwarz-Weißen korrespondiert.

Theater für Kinder

Vogel anderswo

„Zuhause und Anderswo“ waren die  ersten Gedanken von Stephan Wolf-Schönburg, als er ein Stück über Flucht für Kinder entwickeln wollte. Eben nicht zuhause zu sein, sondern anderswo und in den Augen der Anderen von anderswo zu kommen. Wie kann das Trennende überwunden und zum Verbindenden werden? Ein zentrales Element war für ihn von Anfang an, die Sprache des Anderen, des Ankommenden, des von wo anderswo Seienden, denen, die ein Zuhause haben, näherzubringen. 

CD-Besprechung

Fern jeder Beliebigkeit

Zwischen Spark und Bird hat es gefunkt. Das Kammermusik-Ensemble, das sich selbst als klassische Band bezeichnet, und die irische Singer-Song-Künstlerin Wallis Bird haben ein großartiges, überraschendes Album eingespielt: „Visions of Venus“. Der Titel ist Programm. 18 Stücke von Komponistinnen aus nahezu einem Jahrtausend. Bestechend sind neben der Auswahl der Stücke die Arrangements und vor allem das hohe künstlerische Niveau, in dem sich vermeintlich Unzusammengehörendes von Epochen, Stilen und Genres vereinen, meint Andrea Richter.

Literarische Meditation

Zwischen Bach und Casals

In seinem jüngsten grandiosen Roman „No te veré morir“ (Seix Baral) verweist Antonio Muñez Molina wiederholt auf die Musik von Johann Sebastian Bach – insbesondere auf seine Cello-Suiten – sowie auf den legendären Cellisten Pablo Casals, der vor 50 Jahren verstorben ist. Die Monatszeitschrift Tinta Libre bat den Autor um eine literarische Meditation über diese Musik, und Claudia Gehricke übersetzte den Beitrag aus dem Spanischen für Textor.

Romanauszug

Der Teufel

Im zeitlichen Abstand erst wird deutlich, was für einen ungeahnten Einfluss das deutsche Fernsehprogramm in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf die Gemüter der heranwachsenden Generation hatte. Die künstliche Schlagerseligkeit, die angestrengte Fröhlichkeit, die als ‚volkstümlich’ verkauft wurde, hat sich ihr, zumeist mit einer unüberwindlichen Distanz, ins Gedächtnis gelegt. Andreas Maiers Reminiszenz erinnert daran, worauf wir gerne verzichtet hätten.

Gedicht

Gleisberg

Wim Wenders und das Kino der 1980er Jahre

Der Reisende und der Schneider der Zeit

1982 hat Wim Wenders im Zimmer 666 des Hotels Martinez in Cannes seine Regisseur-Kollegen versammelt, um ihnen Fragen zur Zukunft des Kinos zu stellen. Dass dabei immer wieder die wahrhaft dialektische Entscheidung ins Zentrum rückte, ob der Film die Wirklichkeit schafft oder als Produkt der Realität aufscheint, ist angesichts der Wirkmacht des Kinofilms nicht verwunderlich. Ulrich Breth reflektiert die Ideengeschichte, die sich in den Aussagen der Dokumentation spiegelt.

Goethes Mutter Aja, geborene Textor

Vergnügt wie eine Göttin

Die Textors waren erfolgreiche Juristen. Johann Wolfgang Textor war Ratsherr, Schöffe und Bürgermeister in Frankfurt. Letztlich bekam er als Stadtschultheiß die Leitung des Justizwesens der Stadt auf Lebenszeit. Seine Tochter Catharina Elisabeth wurde als Siebzehnjährige an den 21 Jahre älteren wirklichen kaiserlichen Rat Johann Caspar Goethe verheiratet. Ein Jahr später bekam sie ihren „Hätschelhans“, Johann Wolfgang Goethe. Mit Frau Aja, wie die Mutter des Dichters genannt wurde, hatte es seine besondere Bewandtnis, wie Eva Demski zu berichten weiß.

Kurt Drawerts „Alles neigt sich zum Unverständlichen hin“

Ode an die Hoffnungslosigkeit

„Der Ton, in dem ich mit mir spreche, kränkt mich zutiefst.“ – Es sind solche abgründig-komischen Sätze, die man mit einiger Sicherheit Kurt Drawert zuschreiben kann. Sein jüngstes Buch ist ein großes Gedicht in 14 Paragrafen und Fotos vom Odenwald und von Kalifornien. Es ist von großer Ernsthaftigkeit und gerade deshalb am Rande der Absurdität. Die Lyrikerin Julia Grinberg ist durch das Werk gegangen.

Eine kleine Autobiografie

Rhabarber

Der holländische Maler und Performancekünstler Fredie Beckmans kann tatsächliche Begebenheiten so erzählen, als wären sie erfunden, und umgekehrt. Wenn es also bei ihm eine Wahrheit gibt, dann ist sie nicht durch Glaubwürdigkeit gedeckt. Das klingt nach Kunst und führt uns in einen unglaublichen Abschnitt seiner Biografie.

Feministische KI

Kann feministische KI Geschlechtergleichstellung und Inklusivität fördern?

Algorithmen sind ebenso sexistisch, rassistisch und diskriminierend wie wir und könnten dies sogar noch verschärfen. Zu diesem Schluss kommt die Frankfurter GRÜNEN-Stadtverordnete Dana Kube. In ihrem Vortrag zeigt sie die Defizite der KI in Sachen Geschlechtergerechtigkeit auf und mahnt die Verwendung besserer Datensätze an. Die digitalpolitische Sprecherin sieht hierzulande viel Potenzial, um KI demokratischer und inklusiver zu machen.

Gedicht

Paul

Jerry Z. Mullers Biografie von Jacob Taubes

Der Professor der Endzeit

Es ging das Gerücht, Jacob Taubes brauche Bücher nicht zu lesen, sondern könne sich ihren Inhalt durch Handauflegen einverleiben. Denn er konnte mehr erzählen, als er wissen konnte. Die schillernde Figur des Judaisten und Hermeneutikers, der bis März 1987 lebte, hat der einstige Geschichtsprofessor in Washington, Jerry Z. Muller, in „vielen Leben“ beschrieben. Und Arno Widmann, der in Taubes’ Seminaren saß, äußert sich darüber kundig.

Die Geschichte der Hamas

Eine blutige Geschichte

Netanjahu und Israel, Hamas und Palästina, – der große Topf, in den man alles hineinwerfen kann, samt der Interessen der Großmächte und der falschen Informationen: Es geht um Ideologien und Gewinn und Verlust von Land, in dem man lebt und leben will. Wahrheit scheint längst außerhalb unserer Wahrnehmung zu liegen, wenn es sie überhaupt gibt. Der Historiker Joseph Croitoru hat es dennoch unternommen, Fakten zur Frage „Was ist die Hamas?“ zusammenzutragen, und Jutta Roitsch hat das Resultat kritisch gesichtet.

Erinnerung an Harry Oberländer

Homme de lettres

Die Erkenntnisse, die durch lebenslange Lektüre einem Menschen wie Harry Oberländer zuteil wurden, sind uns Übriggebliebenen entzogen. Sie gehören ganz seiner Persönlichkeit, die nach seinem Tod ausgelöscht ist. Den Verlust kann am ehesten ermessen, wer lange mit ihm zusammengearbeitet hat. Björn Jager, Oberländers Nachfolger in der Leitung des Hessischen Literaturforums, hat dem Mann der Literatur einen Nachruf geschrieben.

Über öffentliche und akademische Philosophen

Der soziale Faktor

Der öffentliche Philosoph sitzt nicht mehr in der Tonne und sagt seinem König, er solle ihm aus der Sonne gehen. Er sitzt vielmehr in Fernsehstudios, im Radio, in vielen Internetkanälen und verteilt Vernunft, Esoterik, Lebenshilfe und Provokationen, die er auch in seinen Büchern vertreibt. Der akademische Philosoph übt sein Amt in der Uni aus und bleibt unbekannt. Bernd Leukert hat einige Aspekte zu einer uralten Kontroverse zusammengetragen.

Karl Heinz Haag zum 100. Geburtstag

Entzauberte Natur

Ein gläubiger Mensch kennt den Auftrag, der ihm mit seiner Erschaffung erteilt wurde, nämlich, sich zu vermehren, die Erde zu füllen und sie sich untertan zu machen. Der 2011 gestorbene Philosoph Karl Heinz Haag sah mit der industrialisierten Unterwerfung der Erde diesen Auftrag gefährdet und ins Gegenteil verkehrt. Zum hundertsten Geburtstag beschreibt Peter Kern die Erkenntnistheorie des 2011 gestorbenen Denkers.

Aus dem Notizbuch

Kirche und Welt

Der Überlieferung nach soll Jesus von Nazareth jüdischer Herkunft gewesen sein. Diejenigen, die dann ihr Leben nach seinem Vorbild führen wollten, reinigten aber ihre Glaubenshandlungen von allen heidnischen und jüdischen Elementen. Und die Juden warteten weiter auf den Erlöser. Eldad Stobezki fädelt die Sprüche und Widersprüche der religiösen Identitäten auf, läßt aber auch das Deutschtum, das Problem mit dem Asyl, den Konservatismus und die Kulinarik nicht liegen.

 

 

Zur Musik von Ernstalbrecht Stiebler

Achte auf die Stelle unter deinen Füßen

Ernstalbrecht Stiebler, der im Juni 2024 gestorben ist, war eine der letzten Persönlichkeiten der musikalischen Nachkriegsavantgarde. Der Komponist und hr-Redakteur gehörte zu den profilierten Komponisten, die in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts an Arnold Schönberg und Anton Webern sowie an Karlheinz Stockhausen anknüpften, um dann ein eigenes, radikales Musikdenken zu entwickeln. Stefan Fricke, einer der Nachfolger Stieblers in der Redaktion der Neuen Musik des Hessischen Rundfunks, beschreibt sein musikalisches Denken.

Ingeborg Bachmann und ihre Lyrik

Es kommen härtere Tage

Anlässlich ihres 50. Todestages ist Ingeborg Bachmann vielfach vergegenwärtigt worden, vor allem mit biografischen Betrachtungen. Publikationen von Briefwechseln lenkten den Blick insbesondere auf die vielen Liebesbeziehungen, die die als feministische Schriftstellerin Etikettierte mehr oder weniger glücklich mit Männern einging. Ria Endres hat dagegen andere Erfahrungen der ikonischen Nachkriegsliteratin als Beweggrund für ihre Lyrik benannt. Ihren Essay veröffentlichen wir in drei Teilen. Hier ist der erste.